Montag, 28. Januar 2008

Philosoph der Woche



Philosoph der Woche: H.L.A. Hart






Tja, dass war ja relativ eindeutig (100 %), hab ich aber auch nicht anders erwartet: der großartige H.L.A. Hart ist zum Philosophen der Woche gewählt worden. Naja, wer solche göttliche Texte schreibt wie Hart, gegen den hat wohl niemand eine Chance, vor allem nicht Dworkin...

Als nächstes gilt die Wahl zwei alten Rivalen der analytischen Philosophie (auch wenn keine von beiden analytischer Philsoph im strengen Sinne war, weil das zu deren Zeit noch gar nicht erfunden war...), vielleicht sogar der Philosophie überhaupt: Kant und Hume. Analytisches Herleiten von Vernunftkategorien oder Empirismus? Movitation durch die Vernunft und Herrschaft ebenjener oder die Vernunft als Sklavin der Leidenschaften und keine Motivation ohne Wunsch? A priori Ethik oder Ethik a posteriori? Los gehts...

Le Louvre (sprich: lö Luf)

Am Sonntag war ich mit Lena und ihren ELtern im Louvre. Ich bin bisher bereits einmal im Louvre gewesen, allerdings nur in der ägyptischen Ausstellung. Der Louvre ist natürlich so groß, dass man sich ihn ungefähr 10 mal ansehen kann (und dann um ein stolze Summe Geldes erleichert ist) und es finden sich dort wirklich einige sehr tolle Ausstellungsstücke. Diesmal haben wir uns die italienischen, französischen und spanischen Gemälde angesehen, unter welchen sich auf die Mona Lisa befand, die in einem Extrasaal an einer eigens für sie vorgesehenen Wand angebracht war. So richtig beeindruckt hat sie mich jetzt allerdings nicht, was vielleicht daran liegt, dass ich sie schon 10000000 mal auf irgendwelchen Bildern gesehen habe und man im Louvre jetzt nicht besonders nah ran gehen durfte. Außerdem muss man wahrscheinlich Kunst oder so studieren um die Meisterhaftigkeit dieses Meisterwerks wirklich würdigen zu können. Es war aber auf jedenfall schon ein Spaß, sich die Sammlung anzusehen. Ich mochte das riesige Wandbild auf welchem Napoleon abgebildet ist, wie er gerade seine Frau krönt und das berühmte Bild (in jedem Geschichtsbuch zu finden), in welchem La Liberte barbusig und die französische Flagge schwingend die Revolutionäre zum Sieg führt. Interessant ist auch, dass die meisten Gemälde entweder christliche oder mythologische Motive enthalten oder Portäts sind. Es würde sicherlich noch mehr Spaß machen sich die Gemälde anzusehen, wenn man SEHR viel mehr Ahnung von Geschichte, christlicher Symbolik und Mythologie verstehen würde, als ich ungebildeter Holzklotz (was natürlich nur Spaß ist, weil ich eigentlich schon ein bißchen was über Christentum, antike Mythologie und Geschichte weiß...). Alles in allem (das wird meine neue Lieblingsphrase...), war der Besuch im Louvre ein tolles Erlebnis und die Gemäldeabteilung ist auf jedenfall lohnenswert für jeden, der dem Louvre einen Besuch abstattet.










Und zum Abschluss:
Notre Dame mit Weihnachtsbaum davor. Ich mag diese Kirche sehr...

Geschichten aus den öffentlichen Verkehrsmitteln in Paris...

An diesem Wochenende war ich - anlässlich Lena's Geburtstag - wieder einmal in Paris. Ich hatte ein besonders kurioses und ein besonders ätzendes Erlebnis mit den öffentlichen Verkehrsmitteln von Paris, die ich der Öffentlichkeit natürlich nicht vorenthalten möchte...

Am Samstag fuhr ich mit der Metro durch die Gegend um zu einem Treffpunkt zu gelangen, an welchem ich mich mit Lena und ihren Eltern verabredet hatte (nur zur Information, wir waren dann essen). Um zu diesem Treffpunkt zu gelangen, musste ich zweimal umsteigen und mit der jeweiligen Bahn immer ungefähr zwei Stationen fahren. Naja, ist jetzt auch nicht sooo schlimm. Beim letzten Umstieg hatte ich allerdings folgendes kurioses Erlebnis: Ich ging die Treppen herunter, um von der Plattform auf welcher ich angekommen war zu jener zu gelangen, von welcher meinen nächste Metro fahren sollte. Als ich im Gang am Ende der Treppe angekommen war, hatte sich vor mir auf dem Weg zu eben jeder Plattform, welche mein Bestimmungsort sein sollte, eine Menschenmenge angesammelt. Vor der Menschenmenge konnte ich vage eine Person in Uniform ausmachen. Naja, da diese Menschenmenge mir den Weg zu meinem Zug versperrte blieb ich halt an Ort und Stelle stehen. Ich wusste jedoch nicht, was genau vor sich ging und aufgrund meiner mangelnden Französischkenntnisse konnte ich auch niemanden fragen. Die Leute um mich herum machten jedoch Gesichter (hoch leben Gestik und Mimik!!!), die andeuteten, dass sie genau so ratlos waren wie ich. Dann passierte etwas interessantes: Die Personen in den ersten Reihen hoben ihre Hände zu Kopf und hielten sich die Ohren zu. Nach und nach machten ihnen dies die Leute in den hinteren Reihen ebendieses nach, so dass die Leute einer nach dem anderen anfingen, sich die Ohren zuzuhalten. Ich hab das natürlich auch gemacht, aber ich fand das schon recht seltsam: Sich die Ohren zuzuhalten, ohne genau zu wissen, wieso und warum. Naja, ich stand dann halt so eine Weile da rum und hielt mir die Ohren zu. Aber so wirklich passierte nichts. Als eine ganze Weile nichts passierte, weswegen es sich gelohnt hätte, sich die Ohren zuzuhalten, hörte ich halt damit auf und drängelte mich ein bißchen weiter nach vorne in der Hoffnung eine Erklärung für die Geschehnisse zu bekommen. Der Anblick war folgender: In einem c.a. 50 meter entfernten Knotenpunkt tummelten sich drei Polizisten die alle in eine Richtung blickten. Mehr war nicht. Naja, so stand ich also da so einige Momente rum und starrte diese Polizisten an. Die fingen dann plötzlich an, sich die Ohren zuzuhalten, was natürlich von allen sofort imitiert wurde. Dann gab es kurze Zeit später einen Knall (der es nicht wert war sich die Ohren für ihn zuzuhalten...Jedenfalls nicht wenn man so weit weg war wie ich) und kurze Zeit später konnte man dann zu seinem Bahnsteig gehen. Das lustige war, dass man in diesem Knotenpunkt wirklich nicht ausmachen konnte, was da eigentlich passiert war, geschweige denn, was den Knall verursacht hat... Wirklich ein sehr seltsames Erlebnis.

Heute Morgen hätte ich dann fast meinen Zug verpasst (Eurostar, Ticket hat 45 Pfund gekostet...), weil die großartige RER (das ist eine Art Stadtbahn) zu spät gekommen ist (mein Zug fuhr um 9 am und man sollte c.a. 30 min vorher da sein um einzuchecken... Ich hatte mir vorgenommen die Bahn zum Bahnhof um 8.15 zu nehmen, aber sie kam erst um 8.30...) Und nicht nur das: Der Zug war nicht nur zu spät, NEIN, er war auch noch total vollgestopft. Ich musste mich dann also hineinstürzen mit meinem Koffer und Leuten in den Rücken boxen, damit ich überhaupt hineinkam. Ich hab die ganze Zeit ganz schön geschwitzt und dass nicht nur wegen der Körperwärme der Leute um mich herum... Am Bahnhof angekommen bin ich dann schnell aus dem Zug gehüpft und zum anderen ZUg gerannt, wobei ich c.a. 1000 Leute umgerempelt hab. Als ich dann zum Terminal kam und einchecken wollte, wäre ich beinahe in einen Schreikrampf ausgebrochen, weil ich noch genau 15 Minuten Zeit hatte um meinen Zug zu erreichen und am Sicherheitscheck ne Schlange von hier bis Timbuktu vor mir war. Das war der Moment in welchem ich mit Sicherheit dachte, dass ich es nicht mehr zu meinem Zug schaffen würde. Dann hat jedoch ein freundliche Dame alle LEute vorgewunken, die den 9.07 nehmen mussten und ich habe es doch noch geschafft. Meine Lektion aus dem ganzen ist, nicht mehr in öffentliche Verkehrsmittel zu vertrauen und lieber ne Stunde vorher dazu sein und dafür keine Panikattacken bekommen zu müssen...

Samstag, 26. Januar 2008

Aha, er ist Deutscher!

Jetzt, wo ich mich bereits einige Zeit ein England aufgehalten habe muss ich ehrlich gestehen, dass ich langsam aber sicher feststelle, dass es für mich beinahe nichts unschöneres gibt, als Leute die Englisch mit einem deutschen Akzent sprechen. Jedesmal wenn ich etwas derartiges höre (was am LSE schon des öfteren passiert: Neben Franzosen bilden sie schon die größte Gruppe europäischer Ausländer am LSE) läuft mir ein kalter Schauer über den Rücken (naja beinahe) und wenn ich dann noch ein Stück weiter reflektieren und mir einfällt, dass ich mich ja genauso oder ähnlich anhöre, dann bin ich immer mehr als peinlich berührt (peinlich berührt sein trifft es im ersten Fall eigentlich ganz gut). Ich kann diesen irrationalen Reflex noch nicht einmal wirklich gut erklären (vielleicht liegt es am Klima in welchem man aufwächst: In Deutschland ist ja ein gern verwendetes Beispiel für den "unfähigen" Ausländer eben der Deutsche der mit einem total breiten deutschen Akzent Englisch redet), ich mag es einfach nicht. Klingt so hölzern, steif und ungelenk.... So wie ich mich manchmal fühle, wenn ich Englisch spreche.
Erstaunlich ist jedoch auf der anderen Seite, dass es Deutschen überdurchschnittlich gut gelingt, die englische Sprache gut zu meistern (d.h. es gibt nicht nur die hölzernen Deutschen, sondern auch eine gute Zahl flüssiger Deutscher - ich kenne einen Deutschen von dem sogar Muttersprachler sagen, dass er sich wie ein (aristokratischer) Brite anhört...). Was daran erstaunlich ist, ist eben die Tatsache, dass sich der durchschnittliche Deutsche am Anfang so steif anhört.
Naja, es ist auf jedenfall immer wieder eine Freude, wenn man jemanden auf der Straße, im Seminar oder in der Vorlesung reden hört und denkt: "Aha, er ist Deutscher!" (Ich und ein anderer Deutscher der mit mir studiert wir werfen uns dann immer vielsagende Blicke zu, die genau dies besagen...)

Mittwoch, 23. Januar 2008

Philosoph der Woche [Woche 1]

O.k. ich habe mal die erste Woche zur Battle of Legal Philosophers Woche ausgerufen (aufgrund der Tatsache, dass ich Dworkin gesehen habe konnte ich mir das einfach nicht verkneifen) und die beiden größten Köpfe in diesem Feld zur Wahl gestellt.

[Musings] Synonyme

Heute habe ich gelernt, dass: "soft drink" = "pop" (jetzt macht das Wort "alcopop" auch endlich Sinn) = "soda"

Außerdem habe ich gelernt, dass im Süden der U.S.A. in der Nähe zu Atlanta (vielleicht kann Guido das ja bestätigen) "soft drink" = "coke" also "soft drink" und "coke" werden vollkommen synonym benutzt.

Außerdem habe ich gelernt, dass es im amerikanischen Englisch ein Wort (welches ich leider schon wieder vergessen habe) für den Zustand gibt, in welchem man ist, wenn man seinen Durst befriedigt hat (das Trinkenäquivalent zu "satt"), was es im Deutschen ja nicht gibt...

Dworkin

Am Montag war ich bei einem Vortrag von Ronald Dworkin (dem netten Herren links). Genauer gesagt war es die Abschiedsvorlesung des besagten Mannes am UCL, da er dort wohl nicht mehr lehren wird. Ob er überhaupt noch lehren wird weiß ich nicht, aber soweit ich weiß, hat Dworkin (nebenbei) noch einen Lehrstuhl in New York. Der Vortrag war über das Thema "Können wir über Moral und Recht streiten?". Seine Antwort war natürlich, dass wir es können und er hat versucht es über seine eigene Theorie "interpretativer Konzepte" zu erklären, die ich aber leider nicht widergeben kann. Es war etwas spät am Abend und ich hatte bereits drei Vorlesungen hinter mir, weshalb mein Konzentrationspunkt unterhalb des Gefrierpunktes lag. Naja, ich war ja eigentlich primär auch nur da, um den guten Mann in Aktion zu erleben. Scheint auf jedenfall nett zu sein, hat lustige Beispiele vorgebracht und so weiter (eines beinhaltete die Worte "facebook" und "hot cat"...). Der Vortrag war vollkommen frei vorgetragen, es mangelte aber eindeutig an visueller Unterstützung durch Powerpoint oder Folien (komisch wie schnell man sich an solche Hilfsmittel gewöhnt...), weshalb es schwer war die ganzen Informationen die er so verströmt hat zu absorbieren. Morgen ist noch der Vortrag von Scanlon, den ich mir ja eigentlich auch ansehen wollte. Leider kollidiert letzterer mit einem meiner Seminare, so dass ich mir überlegen muss, wie ich meine Priorität setze (was bei all der Entscheidungstheorie die wir hier machen ja jetzt kein Problem mehr für mich darstellt...

Workload

Diese Woche rotiere ich echt im Kreis. Für Philosophy of Social Sciences gab man uns diese Woche zwei 50-seitige Ausschnitte aus zwei Büchern zu lesen, in Philosophy, Morality and Politics musste ich mir 50 Seiten Kant + 40 Seiten Sekundärliteratur zu Kant reinschädeln und jetzt gleich muss ich mich an weitere 40 Seiten für Philosophy of Economics machen... Und nebenbei wollte ich eigentlich noch meinen Essay von letzter Woche fertigmachen und an meiner Dissertation rumwerkeln (was momentan hauptsächlich lesen beinhaltet), da ich ja demnächst schon meine These und meine Argumente präsentieren muss...

Montag, 21. Januar 2008

Philosoph der Woche

So, die Abstimmungen sind ja relativ eindeutig. Eine Mehrheit der 7 die abgestimmt haben sind für eine Wahl des Philosophen der Woche und eine Mehrheit ist gegen einen Philosophieblog. Letzteres wird deshalb unterlassen und ersteres an dieser Stelle begonnen. Ich dieser Woche nutze ich meine diktatorische Gewalt und drücke Donald Davidson den Stempel des Philosophen der Woche auf. Ich werde die Tage dann zwei Gesellen zur allgemeinen Abstimmung freigeben. Wenn jemand jemanden vorschlagen möchte, dann wird dieser jemand als dritter, vierter, etc. Kandidat in die Liste aufgenommen. Ich persönlich schlage jede Woche jedenfalls nur zwei vor, wer noch jemand anderen will, muss sich bei mir melden.


Philosoph der Woche: Donald Davidson

Ich muss feststellen, dass ich Davidson immer besser leiden mag, auch wenn ich eigentlich nur in wenigen Dingen mit ihm wirklich übereinstimme. Mir gefällt jedoch sein Stil (auch wenn er sehr oft unverständlich ist) und seine Argumente und Beispiele. Dass er einer der bedeutensten analytischen Philosophen des 20. Jahrhunderts war und besondere Bedeutung für mein (derzeitiges) Wahlfach Philosophy of Social Sciences hat macht ihn natürlich noch mehr zum geeigneten Kandidaten...

Sonntag, 20. Januar 2008

Die Wochenschau

Die letzte Woche war mehr oder weniger erlebnislos, wenn man das so sagen kann. Unterrichtsmäßig hatte ich eine ziemlich schlechte Vorlesung zu J.S. Mill mit einem dazugehörigen schlechten Seminat zu eben demselben Philosophen. Die Dozentin, welche für beides verantwortlich war (die in ihrem ersten und vermutlich letzten Jahr am LSE doziert), ist einfach nicht besonders präzise und hat m.E. auch nicht erzählt, worum es eigentlich genau geht. Dazu kann ich nur sagen, dass ich in meinem Leben schon bessere Vorlesungen zum Utilitarismus gehört habe (danke Marco!)... Wir wurden weder darüber aufgeklärt, was der Unterschied zwischne Regel- und Handlungsutilitarismus ist, noch was der Unterschied zwischen Hedonistischem und Präferenzutilitarismus ist. Zum Glück weiß ich dass alles schon, so würden mir jetzt ein paar schöne Informationen fehlen. Ich hoffe, dass die Dozentin besser über Rawls Bescheid weiß und mir noch was beibringen kann. Wir bekommen sie nämlich in den Wochen 9 und 10 wieder und zwar mit eben dem Thema Rawls...
Meinen Mittwoch habe ich hauptsächlich damit verbracht einen Essay über Handlungen zu Papier zu bringen, wobei ich jetzt bei folgendem schönen Ergebnis stecken geblieben bin: Wenn Handlungen Ereignisse sind, dann kann es entweder sein, dass es ein Ereignis gab, welches Luke's Zerstörung des Todesstern ist und vor der Zerstörung des Todessterns stattgefunden hat oder es kann sein, dass es ein Ereignis hab, welches Luke's Handlung der Zerstörung des Todesstern ist und welches stattgefunden hat, obwohl Luke schon tot war (in einer möglichen Welt, in welcher Luke stirbt nachdem er die Torpedos abgeschossen hat...). Naja, ich hoffe dass ich noch einen feinen Abschluss hinkriege zu diesem Dilemma...
Mein Donnerstag ist immer vollgestopft mit Seminaren, wobei jetzt noch der großartige Abschluss des Donnerstags hinzukommt, ein sogenanntes "Research"-Seminar, welches in diesem Term daraus besteht, dass jede Person einmal vorstellt, was sie so in ihrer Dissertation vorhat, und was ihr Hauptargument sein soll, etc. Ich freue mich schon sehr darauf [Ironie], weil ich mich schon total darauf vorbereitet fühle [noch mehr Ironie]... Ehrlich gesagt habe ich noch keinen Schimmer über irgendwelche Argumente die in der Arbeit vorkommen sollen... Naja, anyway an diesem Donnerstag hat ein junger Italiener seine Idee vorgestellt, wie man irgendwie mit Hilfe von Neurowissenschaft Ethik zu einer Wissenschaft machen kann, aber irgendwie wars nicht überzeugend. Der Punkt war wohl ungefähr der folgende: Wenn wir rausfinden, wie unsere Gehirne bezüglich moralischer Urteile verdrahtet sind, dann können wir unsere moralischen Prinzipien an diese Verdrahtungen anpassen. Mir war nicht ganz klar, wie seine Argumentation dem naturalistischen Fehlschluss (für die, die ihn nicht kennen: Man kann ein "Sollen" nicht aus einem "Ist" herleiten) oder Moores Open Question Argument entkommen kann. Selbst wenn er sowas sagt wie "Naja es gibt halt keine moralischen Fakten, aber wenn wir erstmal rausfinden, was in unseren Gehirnen abgeht, dann haben wir guten Grund unsere Prinzipien nach diesen Ergebnissen auszurichten" seh ich nicht warum wir tatsächlich guten Grund haben. Mir scheint, dass die meisten unserer komplexeren moralischen Begrifflichkeiten wie z.B. "Recht" eher kulturell bedingt sind, als fest in unser Gehrin verkabelt zu sein. Es gibt da auch noch Fälle, wie z.B. dass man wenn man einen fremden an der Straße verbluten sieht ihm eher hilft, als den Kinder in Afrika mit denen man nicht verbunden ist, weil unser Gehirn sich so entwickelt hat, dass man Leuten die einem "Nahe" sind eher hilft, als Leuten die "weiter weg" sind. Mir scheint aber letztere Forderungen sollte auf jedenfall in unserem moralischen Katalog drin sein, auch wenn sie nicht ursprünglich in unserem Gehirn verankert ist. Das Problem des SEminars selber war außerdem, dass das Konzept darin besteht, dass man versucht vorzutragen, aber jederzeit mit Fragen traktiert werden kann, wovon die Leute auch reichlich Gebrauch gemacht haben und den armen Jungen mit Fragen bombardiert haben. Die meisten von diesen Fragen haben dann auch nicht besonders viel Sinn gemacht. Alles in allem eine eher entnervende Erfahrung.
Freitag habe ich dann zunächst den ganzen Tag Kant's Grundlegung zur Metaphysik der Sitten auf Englisch (!) in mich hineinzuprügeln, was auch gut geklappt hat. Den alten Kant verstehe ich inzwischen schon richtig gut und auf Englisch geht es noch mal leichter. Auch wenn mir einige der Sachen die er so geschrieben hat nicht mehr ganz so sinnig vorkommen, sind doch viele tolle Ideen und Ansätze darin zu finden. ICh freue mich schon darauf, einen Essay über ihn zu schreiben. Der Abend stand dann ganz im Zeichen einer "Party", welche zusammen mit ein paar Leuten meiner Hall of Residence organisiert wurde. Das Konzept bestand im Grunde darin, dass jeder Alkohol aus seinem Heimatland mitbringt und dann alle zusammen einen netten Abend haben. Hat auch geklappt soweit ich das sagen kann. Ich merke jetzt auch so langsam richtig, dass ich mich einlebe. Ich habe ein paar richtig nette Leute kennengelernt, vor allem unter meinen Mitstudenten im MAster. Und wenn man Leute hat, mit denen man nach dem Seminar quatschen kann oder zwischendurch mal nen Kaffee in der PAuse trinken kann, macht das studieren ja auch gleich noch mehr Spaß.
Am Wochenende bin ich dann nach Paris gefahren (die Hall of Residence hat einen Trip organisiert, und ich habe die Gelegenheit genutzt und mir das supergünstige Ticket unter den Nagel gerissen...), wo ich so ziemlich nichts gemacht habe, außer mich auszuruhen (und ein bißchen Sekundärliteratur zu Kant und seiner Idee, dass man nur wenn man aus Pflichtgefühl handelt wirklich moralischen Wert hat zu lesen).
Ich denke die Tage werde ich mal ausführlicher etwas zum Unterrichtssystem und dem Unterricht selbst schreiben.

Noch zwei Trivialitäten am Ende:


Erstens, wie man nebenbei sehen kann, wächst und gedeiht meine Pflanze (I am so excited!). Ich habe ihr den Namen "Quickbeam" gegeben. Naja, da das niemanden so wirklich interessiert, gibts erst wieder Fotos wenn sie voll total am blühen ist...



Zweitens habe ich mir endlich ein Poster angeschafft, welches jetzt meinen Raum schmückt. Weitere werden folgen und dann werde ich hier mal Fotos von meinem Zimmer posten (für die die es noch nicht im Studivz gecheckt haben...)

Bis dann, gehabt euch wohl... Ich muss jetzt schlafen.

Freitag, 18. Januar 2008

Spülmittel of her Majesty

Ich habe gerade auf meinem Geschirrspülmittel folgende Zeile entdeckt: "By Appointment of Her Majesty the Queen." Also quasi "Nach den Bestimmungen Ihrer Majestät der Königin." Hmm man fragt sich natürlich erst, was die Königin mit Geschirrspülmitteln zu tun hat. Dann kommt man auf den Gedanken, dass die Königin ja die Gesetze und so weiter absegnet (so wie unser Bundespräsident, so weit ich mir das gerade zusammenreime... kann aber auch vollkommen daneben liegen). Trotzdem etwas abstruss, dass das dann auf den Produkten so steht.

Naja, aber auf den Pfundnoten steht ja auch noch immer "I promise to pay the bearer on demand the sum of X pounds". Theoretisch kann man also zur Königin gehen, ihr eine 10 Pfund Note vor die Nase halten und verlangen, dass sie einem 10 Pfund Sterlingsilber aushändigt. Aber wohl auch nur in der Theorie...

Die wunderbare Welt des Nerds

Als ich zurück in Deutschland war und ich so durch meine Sammlung alter PC-Spiele gegangen bin, hat mich wieder das Verlangen gepackt und ich habe "Neverwinter Nights" ein Rollenspiel für den Computer in meinen Koffer gepackt, in der Absicht das Spielen des Spiels zur Entspannung zu nutzen. Ich muss sagen, dass das wirklich ein gute Idee war (und entgegen aller Vermutungen gelingt es mir inzwischen sehr gut die Verlockungen der Freizeit (bestehend in Computerspielen und Büchern) und die Verlockungen der Arbeit so auszubalancieren, dass ich nicht in Zeitstress gerate. Vielleicht werde ich langsam erwachsen und bereit fürs Berufsleben...). Jetzt bin allerdings wieder im Computerspielfieber (welches sicherlich, wenn ich mich Tod gespielt habe wieder verschwinden wird um dann nach einiger Zeit wieder aufzutauchen). Ich überlege, ob ich nicht durch die Budgetabteilung von Amazon, etc. gehen soll, um mir abendliche Unterhaltung zu verschaffen für die nächsten zwanzig Jahre zu verschaffen (wenn man schon keine echten Rollenspiele findet mit echten Menschen, dann muss man sich wohl mit der digitalen Form begnügen). Angesichts meines Budget allerdings keine gute Idee, weshalb ich das wohl unterlassen werde und mein Geld lieber in gute Bücher stecke. Aber irgendwie muss ich an die Zusatzcds von Neverwinter Nights kommen... Ein weiser Mann hat mir mal gesagt, dass es für Leute, deren Aufgabe es ist zu denken, z.B. Leute die Philosophie studieren/praktizieren, besonders wichtig ist, ein Hobby oder etwas ähnliches zu haben, dass ihnen hilft auf andere Gedanken zu kommen, weil man sonst gar nicht aufhört über Philosophie nachzudenken. Vielleicht sind die Freizeitbeschäftigungen für Leute die noch nicht erwachsen geworden sind (Computerspiele, Comics, Rollenspiele, etc. - ich würde ja übrigens behaupten, dass das mit erwachsen sein nichts zu tun hat, aber ich habe hier Personen kennengelernt, die anderer Meinung sind. Tja, da pfeiff ich drauf, dann bin ich eben unreif... Das war mich auch schon vorher klar), da für mich genau das richtige.

Ich weiß nicht, wieviele von euch das interessiert oder ob das überhaupt jemanden interessiert, aber ich habe heute des weiteren herausgefunden, dass gerade am dritten Teil von "Fallout" gebastelt wird. Fallout war während meiner "Jugendzeit" (so 14-16 vielleicht?) für mich DAS Computerspiel schlechthin. Es ist spielt im postapokalyptischen Amerika (nach dem atomaren Supergau von dem keiner so richtig weiß, warum er eingetreten ist) und ist ein Rollenspiel, bei welchem man rumreist und allerlei Zeug erlebt. Das Szenario hat mir wirklich sehr gut gefallen und das Spiel war super umgesetzt. Ich wollte ja immer eine wirkliche Rollenspielkampagne in einem solchen Szenario spielen, aber irgendwie ist das nie was geworden. Naja, vielleicht finde ich hier ja noch eine Gruppe. Schließlich stirbt die Hoffnung immer zuletzt. Den dritten Teil des Spiels würde ich mir vermutlich sogar zulegen, wenn ich nicht sicher wäre, dass es auf meinem Laptop ohnehin nicht läuft. Naja, dass verhindert wenigstens, dass ich mich für eine Woche in einem dunklen Raum einschließe und gar nicht mehr zum arbeiten komme.

Mittwoch, 16. Januar 2008

Ich BIN das literarische Quartet

Ich habe bereits im letzten Term angefangen Abends wieder Bücher zur Entspannung zu lesen und auch die Second-Hand Buchläden endlich für mich entdeckt. Zwei Bücher die ich nur empfehlen kann und die ich in letzter Zeit gelesen habe sind: Fear and Loathing in Las Vegas und Trainspotting. Beide sollte man natürlich in Englisch lesen. Beide handeln von Drogenkonsum und der (Gedanken und Realen)Welt in der Leute leben die eben diesen prakitizieren. Komisch das Kultbücher so häufig von Drogen handeln, aber vielleicht ist das ja nur Zufall...

Fear and Loathing hatte ich vor einiger Zeit bereits den Film gelesen und er hat mir damals gut gefallen, auch wenn die meisten Leute mit denen ich darüber geredet habe den Film nicht mochten. Die Geschichte ist kurz und bündig erzählt: Ein Journalist und sein Anwalt, beide voll auf Drogen (was auch erklärt warum er mit seinem Anwalt hinfährt: Die beiden sind wohl eher Drogenfreunde, als Geschäftspartner - auch wenn in Trainspotting steht, dass das dasselbe sei), fahren nach Las Vegas, weil der Journalist dort einen Bericht über ein Motorcrossrennen schreiben soll. Das Buch ist voll mit schrägen bis sinnlosen Einfällen, Dialogen und Gedanken, die natürlich hauptsächlich durch Drogenkonsum hervorgerufen werden und ebendiesen reflektieren sollen. Die Dialoge haben mir besonders gut gefallen, weil ich einfach verrückte und sinnlose Dialoge mag bei denen man merkt, dass die Charaktere voll durch sind mag. Bei jeder möglichen Gelegenheit lassen die Charaktere voll eine ihnen innenwohnende Paranoia durchscheinen und ziehen ständig Schlüsse, die kein normaler Mensch je ziehen würde. Wer den Film gesehen hat und mochte, kann das Buch gut lesen, sollte sich aber darauf gefasst machen, nicht viel neues zu lesen. Der Film ist ein ziemlich gute Umsetzung des Buchs, d.h. fast alle Dialoge und Handlungsfäden die im Buch vorkommen kommen auch im Film vor. Ist aber vielleicht auch nicht so schwer, bei einem so dünnen Buch. Der Film ist natürlich in der Hinsicht besser, dass er visuell einige Sache ganz gut rüberbringen kann, aber wenn man eine perspektive auf das Innenleben der Hauptperson und deren abgefahrene Gedanken bekommen möchte, dann ist das Buch auf jedenfall vorzuziehen..

Trainspotting habe ich gerade erst angefangen, habe bis jetzt aber einen positiven Eindruck. Das Buch handelt von verschiedenen Leuten, die sich in Edinburgh so durchschlagen. Die Perspekitve auf den Drogenkonsum ist m.E. düsterer und weniger schräg/abgefahren als in Fear and Loathing, was aber daran liegen mag, dass es in Trainspotting hauptsächlich um Heroin geht, während in Fear and Loathing die bewusstseinsverändernden Drogen (wobei ich jetzt mal hoffe, das Heroin nicht in diese Kategorie gehört) klar im Vordergrund stehen. Auch in diesem Buch bekommt man einen Eindruck wie man sich fühlen und was man denken könnte (k.A. wie man sich wirklich fühlt), wenn man erstmal in den Todeszirkel (manche sagen auch Teufelskreis) von Heroin gekommen ist. Das Buch scheint außerdem eine sehr viel stärkere Perspektive auf das Alltagsleben zu haben, während Fear and Loathing eine Art Road Trip ohne Sinn und Verstand darstellt. Was an Trainspotting desweiteren auffällig ist, ist dass das Buch im Schottischen Dialekt geschrieben ist. Leute deren Englisch nicht so stark ist, sollten davon eher die Finger lassen... Wenn ihr aber Sätze wie "This cunt's really gittin ma fuckin goat. - Aye! Aye ah fuckin am, if ah'm oan ma tod n ah git set oan by a fuckin squad a shellsuits! Ye think ah'm Jean-Claude Van Fuckin Damme?" versteht, dann ist das Buch weniger problematisch.

Beide Bücher kann ich also empfehlen. Ich bin der Ansicht, dass zwei der wichtigsten Kriterien für gute Bücher sind, dass sie einen erstens in fremde und neuartige Gedanken- und Gefühlswelten einführen (sie einem ein Gefühl davon geben, what it is to be like X) und kreative und einzigartige, vor allem aber "echte" Charaktere enthalten. Beides ist in beiden Büchern zu finden, also los los in die Buchläden!

Dienstag, 15. Januar 2008

Berühmtheiten

Ich habe übrigens in der Bibliothek des LSE bereits "Doing things for reasons" von Rüdiger Bittner und "The social foundations of meaning" von Eike von Savigny gefunden. Und das ohne dass ich nach diesen Büchern gesucht hätte. Haben mich einfach so vom Regal aus angesprungen...

Mitbewohner

Ich habe mir übrigens Romy als Vorbild genommen und mir ebenfalls ein lebendes Wesen zur Gesellschaft zugelegt. Unten seht ihr ein Bild von ihm/ihr. Leider habe ich noch keinen Namen für ihn/sie gefunden. Aber irgendwie kommt mir der Name "Hagen" oder "Siegfried" immer wieder in den Sinn... Nein, aber im ernst, darüber muss ich noch scharf nachdenken.






Ich habe extra eine Pflanze genommen die noch wachsen muss, weil ich schon immer dachte, was es für eine Freude wäre, einem lebenden Wesen beim wachsen zuzusehen... Bis jetzt ist es aber eher unspektakulär, wie man sieht...

Wirtschaftliche und Politische Krisen

Ich glaub mein Schwein pfeipft. Das britische Pfund scheint jeden Tag mehr an Wert zu verlieren. Nicht das ich Ahnung von Ökonomie habe, aber meine Inuition (a priori und so weiter) sagt mir, dass das nichts gutes für dieses Land bedeutet. Vor allem bedeutet es wohl, dass die Wirtschaftskraft von GB gehörig verloren hat. Naja, mir soll es momentan recht sein: Je tiefer der Pfund desto mehr Geld krieg ich für meinen Euro. Solange die Preise gleich bleiben ist alles gut. Naja und selbst wenn... Meine Miete ist jedenfalls fixed, da kann gar nichts schief gehen.

Es ist übrigens interessant mal Preisvergleiche zwischen verschiedenen Erdregionen (selbst in der berühmten 1. Welt) vorzunehmen (kontinental Europa, GB und U.S.A.), ich habe das jetzt zwar nur bei Büchern wahrgenommen (Amazon sei dank), aber es scheint als sei GB in einigen Hinsichten gehörig teurer als andere Bereiche unseres blauen Planeten. Am deutlichsten ist mir das aufgefallen, als ich mal nachgesehen habe, was einige Bücher in den U.S.A. kosten: Man vergleiche "A theory of choice" von Heap et al.. In den U.S.A. kostet das Buch 34 $ hier kostet es 34 Pfund. Bei einem Wechselkurs von 1 Pfund = 2 $ dürfte klar sein, wo die teure Seite des Lebens zu finden ist. Naja, mir war ja schon vorher klar, dass GB teuer ist, aber SO teuer???


In letzter Zeit ist politisch in der Welt einiges los: Da ich einige Amerikaner und einige Franzosen kenne, bekommt man da in letzter Zeit so einiges mit. Naja, politisch ist wohl etwas übertrieben, da bei den Franzosen der Präsident hauptsächlich durch Klatschschlagzeilen auf sich aufmerksam macht, die aber einer gewissen Surrealität nicht entbehren. Erst die Sensation, dass der Präsident mit einer Schlagersängerin (Chanson, aber das ist ja quasi der französische Schlager) zusammen ist, dann die nächste Sensation, dass sie nach 3 Monaten Beziehung oder so schon heiraten wollen und jetzt werden die Gerüchte immer dubioser: angeblich SIND sie schon verheiratet und die Frau erwartet bereits ein Kind... Naja, wahrscheinlich interessiert das niemanden so wirklich. Wenigstens geht es in den Vereinigten Staaten politisch so richtig ab. Man ist gespannt wer der Kandidat der Demokraten wird...

Samstag, 12. Januar 2008

London - Paris - Bielefeld - Paris - London

O.k., versuchen wir mal aufzuholen, was so passiert ist, seit ich vor langer Zeit das letzte mal etwas substantielles hier hingeworfen habe...

Das Semester war, soweit ich mich erinnere am 14. Dezember zuende. Wurde auch allerhöchste Zeit... Ich habe das bisher noch nie so scharf wahrgenommen, aber nachdem man 10 Wochen am Stück ununterbrochen am lesen, schreiben und denken ist und nebenbei noch in Seminare rennt und versucht ein soziales Leben aufzubauen, ist man schon irgendwie erschöpft. Tatsächlich ist der Alltag eines Gradstudents auch wirklich anstrengend (auch wenn einige Leute dies während meiner Anwesenheit bezweifelt haben (oder wars nur Jens)... Schande über euer Haupt): Jede Woche hat man für jedes der Seminare zwei Texte a 20 Seiten vorzubereiten, man muss Essays schreiben und ständig an seiner Dissertation arbeiten... Da tut ein bißchen Verschnaufzeit zwischendurch ganz gut. Klar, Abends kann man sich entspannen, aber das ist nicht dasselbe, als wenn man überhaupt nichts im Kopf hat.
Am ersten Feriensamstag, also quasi dem Tag nach Ferienbeginn bin ich dann nach Paris gefahren, was - Eurostar sei dank - auch nur zwei Stunden gedauert hat. In Paris habe ich dann c.a. eine Woche verbracht, die ich hauptsächlich darauf verwendet habe bis 12 Uhr zu schlafen und sonst nicht viel zu tun. Ich hab wohl einen Essay angefangen zu schreiben, aber das wars auch schon. Abends bin ich dann mit Lena rumgezogen. Hauptsächlich habe ich dabei die Universität in welcher sie studiert die ENS besser kennengelernt, sowie einige der Leute die dort rumhängen. Aktivitäten beinhalteten Feuerzangenbowlenabende (coole Sache irgendwie), experimentelle Klassikkonzerte (wo ein Komponist seine Stücke vorgestellt hat und total lange auf Französisch von den theoretischen Feinheiten erzählt hat - wovon ich natürlich kein Wort verstanden habe) und Abende mit Leuten in Wohnheimküchen, bei denen die Leute auf FRanzösisch geredet haben und ich nichts verstanden habe. Um dann später auf Englisch umzusteigen und lustige Gespräche darüber zu führen, wem es am schlechtesten geht. Naja "Abende" ist natürlich übertrieben, weil jeder dieser Abende nur eine Instanziierung während meines Parisauenthaltes hatte. Alles in allem ein guter Weg den Stress der Uni hinter sich zu lassen und den Kopf frei zu bekommen.
Mal noch ein paar Details: Die ENS ist die Eliteschule Frankreichs. Soweit ich es verstanden habe, ist es so, dass nach dem Abitur einige Schüler (wahrscheinlich die besten) noch zwei Jahre dran hängen und sich auf ein ultraschwere Prüfung vorzubereiten. Wenn sie die bestehen, dann kommen sie auf die ENS, wo sie nach einem Jahr sowas wie einen BA haben und dann noch zwei Jahre sowas wie einen Master machen (wenn man nicht besteht kann man übrigens schon mit der Ausbild die man während dieser zwei Jahre genossen hat Lehrer an einer französischen Schule werden...). Da hänge also nur die schlauen Köpfe Frankreichs rum. Die Leute welche die Prüfung bestehen bekommen aber nicht nur eine tolle Ausbildung geboten (soweit man Augen- und Ohrenzeugen glauben kann, lehren an der ENS auch die beste Professoren Frankreichs...), sondern sind auch vom französischen Staat "angestellt" und bekommen freie Unterkunft (viele wohnen direkt auf dem Campus, d.h. mitten in der pariser Innenstadt) und 1000 € "Gehalt" im Monat. Die negative Seite davon ist, dass sie eigentlich nach der Ausbildung für 10 Jahre dem französischen STaat verpflichtet sind. Muss natürlich auch nicht unbedingt schlecht sein, wenn man so die Jobchancen von Althistorikern und Philosophen (die dort ja auch ausgebildet werden) sonst betrachtet. Die Uni selbst hat eine sehr nette Atmosphäre. Ist so die Art von Uni in der man auch aus ästhetischen Gründen gern studieren würde. Vielleicht poste ich mal Fotos, wenn ich welche bekomme.
Tja, am 21. ging es dann mit dem Thalys von Paris nach Köln und für mich dann mit dem grandiosen Regional Express von Köln nach Duisburg, wo mich meine Eltern eingesammelt haben, die meine Großeltern in Duisburg besucht haben. Zuerst war ich wirklich froh wieder in Deutschland zu sein, d.h. schön mal wieder zu wissen, dass alle LEute um einen herum die deutsche Sprache sprechen z.B.. Allerdings findet man, wenn man mit dem RE von Köln über Düsseldorf nach Duisburg fährt auch schnell wieder heraus, wieviele unsympathische Gestalten es eigentlich gibt... Naja, aber die gibt es in England auch zuhauf. Wieder in Bielefeld anzukommen war wirklich ein schönes Gefühl, halt wie es ist, wenn man zuhause ankommt. Am nächsten Tag war dann erstmal volles Programm angesagt: Erst Treffen mit der "Philosophietruppe", danach Treffen mit der "Rollenspieltruppe". Leute, es war wirklich toll euch alle wiederzusehen und mit euch rumzuhängen. Leider war die Zeit viel zu kurz und hatte nicht die Zeit, die ich gerne gehabt hätte um mich mit jedem von euch zu unterhalten. Ich hoffe, dass das anders sein wird, wenn ich das nächstemal in Bielefeld bin. Naja, dass Frühstück war auf jedenfall großartig und es war vor allem cool, mich mit Peter über meine Dissertation unterhalten zu können :-) (es war natürlich cool sich mit jedem zu unterhalten, aber...). Dann fühlt man sich gleich so, als ob man DOCH etwas verstanden hätte. Und der Abend mit Rollenspiel war ebenfalls großartig! Toll war vor allem, dass wir vorher in den Supermarkt gefahren sind um Essen zu kaufen. Ich bin fast durchgedreht, weil ich so viele leckere Sachen gesehen habe und die ganze Zeit dachte "Ach sind ja nur Euro, dass kostet fast nichts" und meinen Einkaufskorb mit Sachen vollgestopft habe... Ich bin in Deutschland auch süchtig nach Clementinen geworden... Ich glaube ich habe an diesem Rollenspielabend 15 bis 20 davon gegessen... Das Abenteuer war übrigens großartig (falls Paul dies irgendwann liest). Mir hat besonders die Stelle gefallen mit dem: "Der Mörder von Candlelight ist der Herr über den Hund" "ICh bin der Mörder von Candlelight!"... Ähmmm, naja.
Weihnachten selbst war dann so wie immer super. Ich weiß nicht warum, aber ich mag das Weihnachtsfest sehr. Es ist so gemütlich und idyllisch und ach ich weiß nicht, ich mag einfach. Morgens gings mit der Familie ins Theater, wo wir als Weihnachtsmärchen Pinochio (ich weiß, dass das falsch geschrieben ist, aber ich hab grad keine Lust es zu googeln...) gesehen haben (ich hätte lieber etwas für "Erwachsene" gesehen, aber man soll sich nicht gegen Traditionen stellen ;-)), dann gings bald danach in die Kirche, was zu Weihnachten ja auch irgendwie dazu gehört (für mich jedenfalls - Es ist Teil meiner Kultur wie die Japaner sagen...). Dann nach Hause und es wurde Raclette gegessen und Geschenkpapier zerfetzt. Alles in allem ein sehr schöner Abend. Am 1. Weihnachtstag war dann Lena bei meiner Familie, was dann mit einem Besuch bei ihrer Familie am 2. Weihnachtstag von mir vergolten wurde. Ich werde jetzt hier mal an Details sparen, aber es war dieses Jahr ein wirklich schönes Weihnachtsfest für meine Person. Insgesamt war der Besuch in Bielefeldbesuch großartig, aber leider viel zu kurz. Nächstesmal werde ich mindestens 2 Wochen kommen (das wird so um die Osterzeit sein). Ich hoffe, dass mich dann noch jemand sehen will...
Nun, am 30 ging es dann ab zurück nach Paris, wo das Sylvester des letzten Jahres zelebriert werden sollte. Wir haben den Abend mit zwei von Lenas Freundinnen verbracht. Es wurde japanisch gekocht [wo ich dann auch erfahren habe, dass Japaner in der Regel zwei Religionen "haben", Buddismus und Shinto, wovon sie in der Regel aber keine glauben, aber praktizieren, mit dem Verweis, dass dies eben zu ihrer Kultur gehöre. Find das eigentlich ganz gut, weshalb ich beschlossen habe, dass es einfach zu meiner Kultur gehört an Weihnachten in die Kirche zu gehen und das das der Grund ist, weswegen ich da bin. Dann muss ich auch nicht mehr denken, dass es irgendwie Shizophren ist, wenn man sonst kein gläubiger Mensch ist. So kann ich jetzt auch einige der anderen abstrusen Praktiken rechtfertigen, denen ich sonst noch so fröne. Äh, genau...] und dann sind wir zum Montmarte gefahren um dort das Feuerwerk zu bestaunen (und natürlich mit all den Anwesenden - total viele Deutsche übrigens... - das neue Jahr zu begrüßen). Lustigerweise gab es entweder kein Feuerwerk oder der Himmel war so zugezogen und neblig, dass man einfach keins sehen konnte... Also kein Feuerwerk am Sylvesterabend. War aber auch so nett. Auf den Straßen von Paris war unheimlich was los, auch wenn sich leider nicht die Leute in Scharen in die Arme gefallen sind, so wie man das eigentlich erwartet hätte :-). Dafür hat aber so ein Typ von seinem Fenster aus die Welt mit seiner E-Gitarre beschallt, was irgendwie auch ganz cool ist. Montmarte ist halt ein abgefahrenes Viertel, in welchem man gerne Leben würde. Die Woche nach Sylvester habe ich dann damit verbracht so zu tun, als würde ich etwas für meine Dissertation tun und in Wirklichkeit zu relaxen (bis 12 Uhr schlafen war da mal wieder Pflicht). Ja, die Ferien waren wirklich ein erholsamen Spektakel, dass muss ich schon sagen. Und ich hatte eigentlich gar keine Lust nach London zurückzukehren und mich wieder dem Stress auszusetzen.
Glücklicherweise stellte sich die Sache nicht als so schrecklich heraus, wie ich befürchtet hatte. Ich bin ganz langsam wieder in den Alltagstrott hineingeglitten und fühle mich in London jetzt mehr eingebettet als vor Beginn der Ferien. Die Leute die ich hier kennengelernt habe sind nett und die Kontakte sind sehr viel besser geworden. Ich habe in der letzten Woche bereits einiges unternommen. Samstag war ich wieder auf der Brick Lane mit Leuten aus der Uni und am Sonntag habe ich mich mit einem Freund auf der Old Street in einer netten kleinen kubanischen Bar getroffen. Ich hoffe, dass ich jetzt vielleicht auch ein bißchen mehr von London sehen werden als nur die Strecke zwischen meinen Wohnheim und der Uni. Leider habe ich noch immer keine Rollenspielgruppe gefunden, was mich wirklich freuen würde... Es gibt zwar die Möglichkeit in "Clubs" zu gehen, um dort zu spielen, aber ich war bisher zu schüchtern/feige um einen Versuch zu wagen. Vielleicht nächste Woche...
Zum Glück weiß ich bereits für meine nächsten zwei Essays worüber ich schreiben will. Sonst finde ich es immer am schwierigsten eine angemessene und interessante Fragestellung zu finden, zu der man auch was substantielles zu sagen hat, so dass ich es eine echte Erleichterung finde, diese Problematik bereits ausgeschaltet zu haben. Ich werde in Philosophy of the Social Sciences über "The nature of actions" schreiben und in "Philosophy of Economics" über "rational beliefs". Ich habe mir auch überlegt, neben diesem Blog noch einen Philosophieblog anzulegen, aber dazu müsste man ein anderes Format zur Verfügung haben. Naja mal sehen. Zum Abschluss dann noch zwei Dinge: Erstens werde ich nächste Woche Ronald Dworkin und T.M. Scanlon sehen! Beide halten hier in London Vorträge! Juchu, ich freue mich sehr...! Zweitens habe ich mich jetzt auf eine Thema für die Diss festgelegt. Ich werde über Theory der Rationalität schreiben, d.h. Metarationalität. Genauer gesagt geht es darum, wie Rationalitätsurteile zu verstehen sind. Hatte zuerst vor eine noncognitivistische Position zu verteidigen, aber dann hat mich der Dozent darauf hingewiesen, dass ich aufpassen solle nicht zu sehr in eine deskriptive Arbeit über Gibbard abzudriften und irgendwie hat das in mir folgendes ausgelöst: Ich dachte mir so "Ach scheiß drauf, dann versuche ich halt Cognitivismus/Realismus zu verteidigen." Und das ist es jetzt, was ich machen will. Ich fange sogar an, die Möglichkeit tatsächlich plausibel zu finden. Als nächstes werde ich dann moralischer Realist...

Finanzen

Hurra, Hurra! Das britische Pfund ist gerade im fallen inbegriffen, was bedeutet, dass der Wechselkurs Euro/Pfund besser wird. Bei gleichbleibenden Preisen (wie z.B. Miete) bedeutet das, dass ich at the end of the day mehr Geld zur Verfügung habe. Was bei den Preisen die man hier so vorgesetzt bekommt auch bitter nötig ist...

Achso: Ich weiß, dass ich in letzter Zeit ziemlich faul bezüglich des Blogs war, aber ich habe mir vorgenommen eben dieses in nächster Zeit zu ändern. Hoffentlich gelingt es mir auch. :-)

Dienstag, 1. Januar 2008

Law & Order

Mir ist letztens noch so ne Geschichte eingefallen, die ich glaub ich noch nicht hier gepostet habe. Die Geschichte geht so: Irgendwann während des Semesters kam ein Polizist in unsere Hall, um uns bezüglich Sicherheitsfrage zu informieren. Bei diesem Polizisten handelte es sich um einen Herren vielleicht Ende 50, dem man schon ansehen konnte wie abgebrüht und welterfahren er eigentlich ist. Hat auch die ganze Zeit so cool daher gequatscht, wie ein Polizist aus dem Fernsehen. Naja und der hat uns dann voll die Horrorgeschichten erzählt: Man darf in London nie einfach in ein Taxi einsteigen, weil da ständig Leute verschleppt, ausgeraubt und vergewaltigt werden (Mädchen und Jungs, wie er immer wieder gern betont hat...). Außerdem ist die Ecke natürlich total gefährlich in der wir wohnen, weil es da ja in zwei Monaten bestimmt schon 20 Meldungen bezüglich Diebstahls gab (also ich mein, London ist doch ne Großstadt oder? Ich hätte jetzt mit mehr gerechnet). Außerdem werden Leute natürlich ständig in Kneipenschlägereien verwickelt und wenn man die Tür seines Zimmers nicht abschließt, selbst wenn man nur aufs Klo geht, dann ist das Zimmer danach restlos ausgeräumt (ist bereits empirisch mehrfach falsifiziert). Naja, ich meine London ist sicherlich ein gefährliches Pflaster, aber dieser ältere Herr, der ungefähr so auftrat wie die coolen Bullen die manchmal in Abenteuer vorkommen die Paul leitet (für diejenigen die sich darunter etwas vorstellen können) oder vielleicht in Groschenromanen (das soll keine Beleidigung an PAul sein - es drückt nur aus, dass er das klischee des total coolen Bullen schon sehr gut getroffen hat)... Am Ende outete er sich mal schnell noch als total konservativ (Überraschung...) und die Pointe des ganzen war der folgende Satz: "Ey, wir haben momentan so wenig Polizisten zur Verfügung, da braucht ihr nicht damit zu rechnen, dass wir rauskommen, wenn ihr uns anruft", der nach der Anmerkung eines Mitbewohners meines Wohnheims kam, dass das letzte mal als er die Polizei anrief (ich glaube, weil ihm etwas gestohlen wurde) niemand gekommen sei. Und das nachdem er vorher total das Schreckensbild von den Straßen Londonds gemalt hat. Macht einem richtig Mut dieser Polizist. Aber er ist ja auch in einem Jahr endlich raus aus dem Job, wie er anmerkte...
Zwei Details die man aus seinen Ausführungen entnehmen konnte, sind des weiteren noch interessant: Erstens kann man in London verhaftet werden, wenn man den Eindruck macht, betrunken zu sein. Da lässt man auch nicht mit sich spaßen und die Leute von Freunden nach Hause bringen: Wenn sie dich erwischen wie du betrunken irgendwo rumtorkelst, kommst du in eine Zelle (lustig, dass dafür anscheinend genug Polizeikräfte da sind). Zweitens darf man in London keine Gegenstände mit sich herumtragen, wenn man die Intention hat sich damit selbst zu verteidigen. D.h. wenn ein Mädchen eine Sprühflasche mit sich herumträgt weil sie sich damit verteidigen will, macht sie sich strafbar, nicht aber, wenn es nur Parfüm ist. Lustig ist natürlich auch, dass ich, wenn ich eine Machete (Pistole, Gewehr, Handgranate) mit mir herumtrage ohne die Intention sie zu verwenden, ich mich nicht strafbar mache. Aber sicherlich waren dem coolen Polizisten die philosophischeren Implikationen seiner Aussage nicht bewusst. Man darf übrigens jemandem in Selbstverteidigung einen Stuhl über den Kopf ziehen, wenn einer da ist. Aber man darf kein Pfefferspray mit sich herumtragen, wenn man Angst hat, angegriffen zu werden. Naja, vielleicht kommt das ganze ja auch nur mir komisch vor...