Dienstag, 18. Dezember 2007

Oxford



Hurra, Hurra. Am Samstag vor zwei Wochen bin ich mit Lena nach Oxford gefahren. Das Wetter war ziemlich gruselig, d.h. es war ziemlich kalt und hat die ganze Zeit geregnet, Oxford selbst war aber sehr schön. Morgens sind wir erstmal schön in Stress geraten, weil unser Bus um 11 Uhr fuhr, wir aber erst noch Tickets kaufen mussten (naja eigentlich Oystercard aufladen, aber das ist im Grunde ja dasselbe...) und dann die Bushaltestelle nicht finden konnten, von welcher der Bus losfuhr in welchem wir Plätze gebucht hatten. Als wir die Bushaltestelle gefunden hatten, war der Bus gerade abgefahren. Da war die Freude natürlich groß! Glücklicherweise stellte sich heraus, dass der Bus zwischen Oxford und London alle 10 Minuten fährt, so dass wir einfach den nächsten nehmen konnten. Und: Oh wunder, sogar die Buchung galt ebenfalls für den späteren Bus. Vollkommen durchnässt und total entnervt (ich jedenfalls...) bestiegen wir also den Bus in Richtung Oxford. Die Fahrt dauert so c.a. 1. 30 h und man kann an verschiedenen Stationen hinausspringen. Nun, Oxford ist wirklich ein schönes Städtchen, voller kleiner Häuser und Gassen und mit einem mittelalterlichen College nach dem nächsten. Die Colleges kosten leider Eintritt, aber sind auch von innen sehr schön anzusehen. Schöne Kreuzgänge, wunderbare Essenssäle behängt mit Bildern berühmter ehemaliger Studenten (von denen ich aber nur Locke kannte), gemütliche Studierzimmer wie aus dem 18. Jhd. etc. versüßen jedem eingebildeten und wirklichen Gelehrten sein Leben und Studieren in dieser kleinen feinen Stadt. Man bekommt bei solchem Anblick wirklich direkt Lust, in Oxford zu studieren. Von den Colleges haben wir nur Christ College und Magdalene College gesehen, sowie natürlich einige Colleges von außen. Ich habe mir noch ein billiges Schachspiel auf einem Flohmarkt in einer Kirche gekauft und den Abend beschlossen haben wir, nachdem wir uns in einem Star Bucks.... ähm ich meine, nachdem wir uns in einem CAFE *hust* aufgewärmt haben, mit einem Klavierkonzert in der berühmten Stadthalle von Oxford, in welcher auch immer die Graduiertenfeiern etc. stattfinden. Das Konzert war sehr schön, auch wenn der Majestro so cool war, dass er bei jeglichem Applaus keine Miene verzogen hat und nur leichte Verbeugungen angedeutet hat. Was mir ein wenig unsympatisch war. Aber was soll man machen, wenn der Mann ein Genie ist??? Äh...
Nun, Oxford ist auf jedenfall ein schöne Stadt, das ist keine offene Frage. Und sie ist vollgestopft mit Studenten. Man (ich) würde wirklich gern dort studieren, auch wenn die Anforderungen wahrscheinlich horrend sind (da die nächste Station auf meinem Lebenslauf ja ein PhD ist, sind sie nochmal umso höher...). Ich bin aber nicht sicher, ob ich Cambridge nicht trotzdem vorziehen würde, schon allein wegen des historischen Faktors (das wohl nur einige wenige Freaks zu schätzen wissen...). Andererseits bekommen in Oxford bereits die Undergraduates eins zu eins (!) Unterricht... Ach ja, ob die Lebensqualität tatsächlich zunimmt, wenn man mehr Optionen zur Auswahl hat... Hmm erstmal muss man die Optionen wohl zur Auswahl haben. Wenigstens nuscheln Oxfordianer nicht...































































Freitag, 7. Dezember 2007

Nun soll die Schreibfaulheit mal wieder überwunden werden.

Was ist in letzter Zeit so passiert? Hmm, auf den ersten Blick nicht viel, ich fange am besten mit dem stärksten Eindruck an, mit den gestrigen Erlebnissen.

Gestern war in meiner Hall allgemeine Weihnachtsfeier. Obwohl ich das wusste, hatte ich nicht geahnt, worauf ich mich einstellen muss. Nachdem ich daher von meinem Seminar nach Hause kam und direkt in die Essenshalle geeilt bin (es war schon reichlich spät und um 7 macht die Essensausteilabteilung zu), wurde ich mit einem schockierenden Anblick konfrontiert: Die Halle war voll, alle Tische waren mit Decken bedeckt und darauf lagen bunte Knallbonbons. Leute hatten Kronen auf dem Kopf und andere skurille Spielzeuge. Irgendwo aus dem Hintergrund plärrte angelsächsische Weihnachtsmusik aus einem Rekorder. Das wirkt jetzt hier in Buchstaben nicht so skurril, wie es war, aber es hat mich bei ersten Anblick ziemlich erschlagen. Erstens habe ich natürlich gar nicht damit gerechnet und zweitens erschien es mir auch gar nicht... naja, weihnachtlich. Ich habe mich dann während des Essen auch die ganze Zeit (trotz interkultureller Toleranz und so) über die angelsächsische Art und Weise Weihnachten zu feiern mukiert. Erschien mir alles irgendwie mehr wie Karneval in Köln, als Weihnachten. Hinzu kam noch, dass seit einigen Tagen vollkommen geschmacklose Dekoration in der Essenshalle rumhängt und auch ansonsten in der Hall (vor allem in der Eingangshalle, in der einen jeden Tag ein netter Santa Clause begrüßt) verteilt wurde. Da sehnt man sich doch glatt nach hause, wo für die Leute Weihnachtsdekoration nicht darin besteht grelle Dinge irgendwo hinzuhängen. Das ist ein Weihnachten zum Wahnsinnig werden und nicht um in bedächtiger Stimmung zu feiern.
Lustig ist auch, dass es in London keinen Weihnachtsmarkt gibt. Stattdessen fahren jede Menge Leute nach Holland und Deutschland, um sich dort den Weihnachtsmarkt und sein Feeling zu geben. Wenn es aber doch Leute gibt, die sich für so etwas erwärmen können, warum entsteht dann in England kein Weihnachtsmarkt? Komische Engländer. Scheinen noch nie was von den Gesetzen des Marktes und Angebot und Nachfrage gehört zu haben.
Am letzten Wochenende war ich zum zweiten mal im Natural History Museum und es hat mir wieder sehr gut gefallen. Diesmal habe ich mir Human Biology und Mammals angesehen, wobei ich leider zuviel Zeit in ersterer Austellung verbracht habe, die nicht ganz so interessant war und dann zu müde war, mich der zweite Ausstellung mit meiner vollen Aufmerksamkeit zu widmen. Es gab jedoch in der zweiten sehr viele tolle und interessante Sachen zu erfahren. Das coolste was ich gesehen habe, ist das Tier auf dem Foto. Ein Ameisenbär mit Panzerplatten! Die Evolution hat schon sehr verrückte Dinge hervorgebracht. Ich muss schon sagen: Was es für unendlich verschiedene Strategien gibt, um das Überleben zu sichern, ist schon enorm. Ich bin wirklich ein begeisterter Fan von Evolution geworden :-). Ich kann nur sagen: Wenn ihr jemals dort seit, geht nicht zu den Menschen und Dinosauriern, geht zu den Säugetieren, deren Entwicklung und Vielfalt ist am interessantesten!
Was ich skurril fand, waren einige Statements in der Abteilung zur Human Biology. Dort wurden solche Sachen gesagt, wie z.B. "Unser Gehirn kontrolliert alle Handlungen die wir vornehmen." oder "Wenn du etwas siehst, dann kalkuliert dein Gehirn dies und das". Gibt einem ein bißchen das Gefühl, dass das eigene Gehirn ein Fremdkörper ist, der die eigenen Handlungen und so weiter kontrolliert. Ich meine, wenn man schon nicht Person mit Gehirn identifizieren will, dann sollte man doch wenigstens so etwas sagen wie: "Über dein Gehirn steuerst DU deine Handlungen, verarbeitest Informationen, etc." und das Gehirn quasi als Kontrolzentrum der Person darstellen. Alles andere scheint für mich keinen Sinn zu machen oder einen falschen Eindruck von der Rolle des Gehirns und der Person zu vermitteln. Hmm, naja...

Samstag, 1. Dezember 2007

Haare...


So, nachdem ich die erste Abstimmung in meinem Blog durchgeführt habe, muss jetzt ich gestehen, dass ich meine Haare schon vorher habe schneiden lassen. Oben seht ihr das Resultat... Und im Hintergrund Schloss Versailles. Aber ich wollte erstens mal dieses Abstimmungsfeature ausprobieren und auch mal die Meinung von Leuten herausbekommen :-). Ganze 9 (!) Teilnehmer haben abgestimmt. Von diesen sind 77 % der Meinung, dass ich mir die Haare schneiden soll, in verschiedenen extremitätsgraden. So dass die Mehrheit wohl zufriedengestellt sein dürfte. Nur 22 % (also 2 Personen) waren vollständig gegen einen Friseurbesuch. Jetzt würde mich natürlich sehr interessieren, wer wie abgestimmt hat... Und wer bitte wollte, dass ich eine Glatze bekomme???

Mittwoch, 28. November 2007

Von Früher: Bricklane

Mir ist gerade aufgefallen, dass ich vor einiger Zeit einen Post angefangen hatte, aber nie gepostet habe. Hier die Geschichte aus alten Zeiten:

Am Donnerstag bin ich Abends mit ein paar Leuten aus meiner Hall in der Bricklane gewesen, dass ist ein Stadtviertel von London, dass direkt neben dem berühmt berüchtigten Whitechapel gelegen ist und in welchem ebenfalls der berühmt berüchtigte Jack the Ripper sein unwesen getrieben hat. Heute ist dieses Viertel ein internationales, hippes und szeniges (wobei ich den Unterschied zwischen 2 und 3 nicht sehe, aber egal) Viertel, in dem sich Restaurants mit Spezialitäten aus aller Welt neben coolen Clubs und Bars die Klinke in die Hand drücken (oder so). Meine Begleiter meinten die ganze Zeit zu mir: Woah, dass ist hier doch genauso wie in Berlin oder? Was, je nachdem, ein gutes oder ein schlechtes Licht auf Berlin wirft. Da meine Begleiter sehr begeistert von dem Viertel waren, dürfte es wohl ein gutes Licht auf Berlin werfen, wenn sie derartige Assoziationen haben. Ich persönich fand jedoch, dass es ganz und gar nicht wie Berlin war. Berlin ist einfach noch ein bißchen szeniger... und netter. Ich weiß nicht woran es lag, aber Teile des Viertels kamen mir einfach nicht "nett" vor, was vielleicht daran lag, dass das Publikum nicht meinem "Geschmack" entsprach oder an anderen irrationalen Meinungen... Habe aber trotzdem einen netten Abend gehabt, wir waren in zwei Pubs, wovon einer ein Pub mit integriertem Club war (wo man für umsonst rein konnte), so dass ich zum erstenmal seit langer Zeit mal wieder das Tanzbein schwingen konnte.
Zwei Unterschiede zu Deutschland sind mir aufgefallen: Erstens waren die Leute (die Besucher des CLubs, nicht meine Begleiter) viel früher auf der Tanzfläche, als ich es aus Deutschland gewöhnt bin. Ich meine, ich war früher öfter (zusammen mit dem guten alten Rescueboy :-), ach ja, die guten alten Zeiten...) einer der ersten auf der Tanzfläche und da war der Club meistens schon etwas voller und die Tanzfläche trotzdem noch leer. Hier war der Club fast leer, aber die Tanzfläche voll. Wirklich interessant... Zweitens machte der Club um 12 (!) Uhr zu... Ich meine, o.k. es war ein Wochentag, aber 12 Uhr???? Die spinnen wirklich die Engländer.

I have been to Versailles, where everything is grand, everything is magnificient...

Am letzten Sonntag war ich mit Lena im Chateau des Versailles (oder wie auch immer man das schreibt), woraus man schließen kann, dass ich das Wochenende in Paris verbracht habe. Obwohl ich natürlich ein Kunstbanause bin (wie ja einige Leute bereits netterweise bestätigt haben...), bin ich umso mehr ein Geschichts(und wissenschafts - aber das nur so nebenbei)freak, weshalb der Besuch mein Herz erfreut hat. Sollte ich es irgendwann schaffen, das Kabel für meine Digitalkamera wiederzufinden, werde ich hier auch mal ein paar Fotos dazu posten. Leider war Schloss Versailles gerade in einer Renovierung innbegriffen, so dass es von außen nicht so ganz eine Augenweide war, wie man es sich gewünscht hätte. Nicht das ihr mich falsch versteht, das Schloss ist natürlich sehr schön, aber die Gebäude zwischendrin, die mit Plastikfolien überzogen waren, waren dann doch kein solch enormer Ästhetischer Hochgenuß, wie der Rest der Gebäude. Des weiteren wird Versailles wohl gerade für den Winter vorbereitet (was natürlich komisch und vollkommen unverständlich ist, wo doch der Winter erst... in 3 Tagen beginnt...), weshalb eine Menge der Statuen ebenfalls in Plastiksäcke eingepackt waren. Das wars aber auch schon an negativen Einflüsse auf diesen Besuch. Achso... Einen Flügel konnte man nicht besichtigen, weil er ebenfalls renoviert wird. Aber was will man schon für 16 € Eintritt erwarten?
Nun, was soll man sagen? Die Räume im Schloß selbst sind natürlich eine Pracht, auch wenn man gerne mal sehen würde, wie so das alltägliche Leben in diesen Hallen ausgesehen hat. D.H. man kann es sich nur sehr schwer vorstellen, wie es wäre oder gewesen ist in Versailles zu leben. Nicht, dass man es nicht gerne würde... Interessanterweise haben die Haupträume in denen der König gehaust hat, überhaupt keine Fenster, was ich mir bisher noch nicht gut erklären konnte. Sehr schön ist natürlich auch der Spiegelsaal, der mich jedoch nicht so beeindruckt hat, wie ich es erwartet hätte. Auch hier wäre es wahrscheinlich schön gewesen, sich vorstellen zu können, wie es damals für einen Bittsteller (jeglichen Standes und jeglicher Nationalität) gewesen ist, den ganzen Weg durch den Saal bis zum König hindurchlaufen zu müssen. Solche Räume wurden ja mit besonderer Berücksichtigung auf den psychologischen Effekt gestaltet (das erinnert mich gerade an diese Stelle in Chaplins "Der große Diktator", aber egal...). Schön wäre auch gewesen, wenn die Spiegel im Spiegelsaal geputzt gewesen wären, aber man kann wohl nicht alles haben... Am besten gefallen haben mir die Räume, die einen direkten Blick auf den (riesigen) Garten hatten. Leider hatte man keine Möglichkeit, einen Blick in die Dienerquartiere zu werfen und - wie bereits gesagt - fehlte der Ausstellung insgesamt ein wenig der Einblick in das Leben der Menschen die in Versailles gelebt haben. Das mag nur meine persönliche Meinung sein (auch wenn man sie sicherlich gut begründen kann), aber ich denke, dass es Aufgabe solcher Ausstellungen und von Historikern im allgemeinen sein sollte, genau solche Eindrücke zu vermitteln. Was hilft es mir, wenn ich irgendwelche Schmuckstücke in einem Glaskasten sehe, wenn man mir nicht die Bedeutung dieser Schmuckstücke vermitteln kann? Tja... Insgesamt ist der Besuch in Versailles jedoch ein sehr lohnendes Vergnügen.

Montag, 26. November 2007

the onion

Für alle Leute, die sich für gepflegten Journalismus aus den Vereinigten Staaten interessieren: http://www.theonion.com

Kann ich nur empfehlen.

Ein Verbrechen namens "Essen"

Nachdem ich mich nun schon eine lange Weile nicht dazu geäußert habe, dachte ich mir, dass es an der Zeit wäre über eine der größten Seltsamheiten dieser Welt zu sprechen: englische Essgewohnheiten. Jedermann kennt sicherlich das englische Frühstück, dass aus Rührei, Schinken, Würtschen, weißen Bohnen, gekochten Tomaten und allerlei anderen Leckereien besteht. Naja, ab und an kann man dieses Zeug sicherlich mit Genuß essen, z.B. wenn es nicht die erste Mahlzeit ist, die man am Tag zu sich nimmt oder wenn man bereits so lange wach ist, dass man einen solchen Hunger hat, dass man alles in sich hineinschlingen würde. In meiner Hall bekommt man diesen Kram äh ich meine diese vorzügliche Speise jedoch jeden Tag serviert (und das um 8.00 (sic!) Uhr morgens, wo man gerade erst aus dem Bett gefallen ist) und erstaunlicherweise wird es auch bereitwillig von einigen Leuten konsumiert. Problem ist jedoch nicht das englische Frühstück selbst, sondern der Mangel an vernünftigen Ausweichmöglichkeiten. Derer gibt es genau zwei: Entweder man ist Cornflakes (oha, in drei verschiedenen Variationen: von ohne Zucker bis super schokoladig) oder etwas, dass sich als Müsli ausgibt ODER man isst Papptoast in der weißen oder braunen Varianten. Letzteres gibt es aber nur mit der Möglichkeit, sich etwas darauf zu schmieren, dass sich verzweifelt bemüht, wie echte Marmelade auszusehen, oder als Alternativen Nutella oder Honig. Käse und Wurst in den schönen Variationen die man aus anderen Ländern (ach, wie sehr vermisse ich den günstigen und wohlbestückten Käseschrank im Aldi...) kennt, sind hier gänzlich unbekannt. Das höchste der Gefühle ist ein Toast mit geschmolzenem Käse drauf, den ich aber zu normalen Frühstückszeiten nicht einmal ansehen mag. Ich begnüge mich daher jeden Tag mit Cornflakes (die simple Sorte) und zwei Äpfeln. Achja, es gibt auch noch die Möglichkeit sich eine bis zwei (aber nur, wenn man sonst nichts nimmt) Früchte auszuwählen, wobei die Wahl von Bananen (meistens nicht verfügbar), grünebn (ungeheuerlich sauer) und roten (annehmbar) Äpfeln, sowie Orangen (die nach nichts schmecken)...
Besser noch als das Frühstück ist das Abendessen (ähnliche Erlebnisse sind mir aber auch schon im "Garricks" untergekommen, der "Edelmensa" des LSE. Zum Glück gibt es noch den Brunch Bowl, wo man einigermaßen normal speisen kann und wo die Preise auch erträglich sind. Auch wenn sie verglichen mit kontinentaleuropäischen Preise natürlich ein Witz sind: Stellt euch vor, das Essen in der Mensa würde 4-5 € kosten...). Zum Glück gibt es immer eine vegetarische Auswahl, so dass ich bisher noch nicht dazu gezwungen war Fleisch zu essen, auch wenn man angesichts der vegetarischen Angebots manchmal am liebsten einfach eine Option mit Fleisch nehmen möchte. Die Betonung liegt jedoch bei "manchmal" da die vegetarische Option meistens sogar besser ist, als die nicht-vegetarischen Optionen. Das Essen (d.h. der Maindish) ist meistens seht fettig und ich hoffe, dass ich angesichts meiner mangelnden sportlichen Betätigung nicht zuviel zunehmen. Ich plane ja eigentlich schon seit Wochen regelmäßig joggen zu gehen, was mir bisher aber noch nicht so gut gelungen ist (entweder es ist zu kalt, oder zu dunkel oder ich habe eine andere Ausrede, warum ich gerade keine Lust habe...), aber bald geändert werden soll... Der Höhepunkt sind jedoch die Sidedishes: Als allererstes gibt es immer denselben Salat, mit immer derselben Soße. Dazu gibt es noch Suppe aus undefinierbaren Zutaten. Und das allerbeste sind dann die tatsächlichen Beilagen, weil sie fast nie zum Hauptgericht passen. Im Garricks hatte ich schon einen wunderbaren Drei-Käse-Nudelauflauf mit den Beilagen Pommes und Erbsen (die andere Möglichkeit wäre Rotkohl gewesen), in der Hall bekommt man meistens ein gekochtes Gemüse aus der folgenden Menge {Karotten, Brokkoli, Blumenkohl, Erbsen, Mais} und eine weitere Beilage aus der Menge {Kartoffeln, Pommes, Nudeln} serviert, wobei die Zusammenstellung zusammen mit dem Hauptgericht jedoch fast nie Sinn macht (jedenfalls für meinen Gaumen). So bekommt man dann Thailändische Nudelpfanne mit Kartoffeln und Brokkoli, Quiche mit Pommes und Karotten, oder Kartoffelgratin mit (!) Kartoffeln (!) und Erbsen und Mais. Wie ihr seht, habe ich kulinarisch viel Freude...
Wer sich fragt, warum ich das Zeug denn esse, wenn ich so darüber jammere: Das Essen ist in der Miete mit inbegriffen. Wenn ich jeden Tag in der mickrigen Küche auf meinem Flur für mich selbst kochen würde, würde ich sozusagen doppelt draufzahlen, weil ich das Essen in der Hall ja ohnehin bezahlen muss (egal ob ich es esse oder nicht)...

Freitag, 23. November 2007

Fremde Laender, fremde... Tastaturen...

Eine Sache die einem ueberhaupt nicht bewusst ist, wenn man in Deutschland ist, ist, dass die Leute im Ausland vollkommen andere Tastaturen haben (naja ¨vollkommen¨ist uebertrieben, aber...). Das sieht man zunaechst sehr schoen an meinen eigenen Blogeintraegen: Alle Eintraege, in denen keine Umlaute vorkommen wurden in der Bibliothek des LSE verfasst (ausser der den ich jetzt gerade schreibe, den schreibe ich in der Bibliothek von Lenas Wohnheim in Frankreich), alle in denen sie vorkommen, wurden auf meinem Laptop verfasst. Wobei ich sagen muss, dass die englischen Tastaturen einem deutschen noch gut entgegen kommen: Ausser den fehlenden Umlauten und dem vertauschten Y und Z und den vollkommen anders erreichbaren Sonderzeichen, sind die Tastaturen wenigstens mit Bezug auf die Anordnung der Buchstaben aehnlich. In Frankreich sieht das schon anders aus... Das der Umstand mit den verschiedenen Tastaturen einem wohl nicht so gleich ins Bewusstsein springt sieht man sehr schoen an der Frage eines Hong Kong Chinesen aus meinen Wohnheim: Wie kriegst du denn diese Zeichen hin? Hmm, die sind vielleicht auf meiner Tastatur??? Was ich noch nicht herausgefunden habe, (weil ich mir darueber eigentlich BIS JETZT noch keine Gedanken gemacht habe) ist, was die Englaender mit dem Platz machen, den sie dadurch gewinnen, dass sie keine Umlaute und kein scharfes sz auf der Tastatur haben. Mir scheint naemlich nicht, dass man lit britischen Tastaturen mehr machen kann als mit deutschen. Deshalb werde ich wohl nie auf englische Tastaturen umsteigen (allein schon weil die Darstellung von Umlauten doch schon arg haesslich ist), es sei denn man zwingt mich einen englischen Computer zu kaufen... Das einzige was mir auf meiner Tastatur fehlt sind die All- und Existenzquantoren, aber die gibt es auch nicht auf auslaendischen Tastaturen. Soviel zu diesen Trivialitaeten...

Mittwoch, 21. November 2007

London in the rain

Tja, bisher hat sich London von seiner besten Seite gegeben und sich bemüht dem Klischee nicht zu entsprechen, aber jetzt... seit 2 Tagen ist es ständig am regnen und es ist total kalt. Eine Erkältung habe ich mir auch gleich eingefangen. Nur der berühmte Nebel lässt noch auf sich warten... Aber angeblich soll es den ohnehin nicht mehr geben, seit es diese neue Abgasreform gab.

Was übrigens sehr schön ist (bezieht sich ein bißchen auf das obige): Da alle Autos die in die Innenstadt eine (denke ich mal, habe keinerlei persönliche Erfahrung mit, ist also mehr ein Schuß ins Blaue) horrende Maut bezahlen müssen, fahren in Central London fast nur Taxen und Busse rum. Die dafür aber in rauen Mengen...

Analytische Philosophie und sonstiges

Da ich gerade Francescos Kommentar weiter unten gelesen habe, ist mir noch etwas eingefallen:

Erstmal: Auch wenn das LSE natürlich einen total guten Ruf hat und auch eine wirklich gute Uni mit wirklich guten Dozenten ist, muss sich die Abteilung für Philosophie der Uni Bielefeld (außer bezüglich ihres Namens) nicht vor der Abteilung des LSE verstecken. Ich habe nicht das Gefühl, dass die Seminare hier qualitativ besser sind, auch wenn der Lehrstil etwas anders ist. Natürlich findet man hier eine regere Beteilung unter den Studierenden, aber das ist ja auch kein Wunder: Große Namen ziehen natürlich Leute an, die was darauf haben (oder zumindest meinen, was drauf zu haben). Ich kann nur sagen, dass sich Qualitativ die bielefelder Abteilung nicht zu verstecken braucht. Das Problem von Bielefeld ist wohl eher das analytische unfreundliche Klima in Deutschland sowie die chronische Ignoranz angelsächsischer Universität bezüglich der Anerkennung von Universitäten im nicht englischsprachigen Raum.
Vielleicht komme ich demnächst mal mit den hier gängigen Lehrmethoden um die Ecke, damit man mal einen Vergleich hat. Ahso: Ein tiefschneidender Unterschied hier ist natürlich, dass man alle Dozenten von Anfang an duzt...

Zweitens: Am Montag war ich auf einem Vortrag zu Public Choice und danach noch mit einer ganzen Bagage (keine Ahnung ob man das so schreibt) von Philosophen in einem Restaurant. Naja, soviel zur Vorgeschichte... Auf dem Rückweg nach Hause habe ich mich auf jedenfall mit dem Dozenten unterhalten, der den Vortrag gehalten hat (der übrigens aus Deutschland kommt, aber seine gesamte universitäre Laufbahn in England absolviert hat (beginnend mit einem BA in Oxford...)). Der hat mich dann - in etwa - gefragt, ob ich mich nicht erstmal an den Stil der LSE bewöhnen müsste, von wegen analytisch und so. Und da ist mir aufgefallen und das habe ich auch gesagt: Nö, eigentlich ist es hier genauso wie zu Hause. Und das obwohl das LSE als Hardcore analytische Abteilung in England geht, also quasi das eine Ende vom Spektrum darstellt. Naja, es mag sicherlich auch an meinen Interessen liegen und an den Leuten, mit denen ich so rumgehangen habe, aber in der Richtung stellt die Abteilung wirklich nichts neues dar. Professor Luc meinte dazu: Könnte daran liegen, dass isolierte Außenposten dazu tendieren, sich zu radikalisieren (er erwähnte als Beispiel eine katholische Kirche im protestantischen Schweden, in welcher er den "katholischsten Gottesdienst seines Lebens erlebt hätte". Könnte sein...

Imperial

Am Sonntag war ich für zwei Stunden im Imperial War Museum. Das Museum stellt vor allem Kriegsgerät und ähnliche Dinge aus, die mit dem Krieg zu tun haben, so sind bereits in der Eingangshalle Panzer, Flugzeuge aus dem ersten und zweiten Weltkrieg und Kanonen ausgestellt. Am Sonntag habe ich mich nur mit dem ersten Untergeschoß beschäftigt, in welchem die Ausstellungen zum ersten und zweiten Weltkrieg, sowie die Kriege nach 1945 behandelt werden, wobei ich letztere jedoch aus Zeitgründen nicht mehr besichtigen konnte. Natürlich sind die Ausstellungen hauptsächlich aus britischer Perspektive gestaltet, d.h. britische Soldaten, die britische Zivilbevölkerung und Schauplätze von Schlachten an denen britische Armeen beteiligt waren hatten selbstverständlich explanatorischen Vorgang, was aber in einem britischen Kriegsmuseum wohl nicht verwunderlich und wohl kaum verdammungswürdig ist. Die Ausstellungen zum ersten und zweiten Weltkrieg sind des weiteren erstaunlich neutral gehalten (es wurde sogar darauf hingewiesen, dass die überzogenen Reparationszahlungen und Auflagen der Allierten gegenüber den Deutschen zum Teil dafür verantwortlich, waren, dass Deutschland in den Faschismus geschliddert ist) auch wenn mir z.B. nicht gefallen hat, dass der Ausstellungsausschnitt "Die Zeit zwischen den Weltkriegen" nur den Aufstieg des Faschismus in Deutschland und Italien behandelt hat. Interessant war (was ich vorher noch nicht so bewusst zur Kenntnis genommen hatte), dass die Engländer ihre eigene kleine Faschistische Partei hatten, die jedoch nicht besonders erfolgreich gewesen ist. Und natürlich wurde nicht besonders deutlich darauf verwiesen, welche Verheerenden Folgen die Bombardierungen der Allierten während des Weltkriegs auf die Zivilbevölkerung in Deutschland hatte und das dritte was ich etwas einseitig fand, war, dass gesagt wurde, dass die Briten und Franzosen nach dem Überfall Deutschlands auf Polen "nicht dazu in der Lage waren den Angriff auf Deutschland zu verhindern", was sich so anhört, als hätte man sich die größte Mühe gegeben, wäre aber gescheitert. Nach meinen Informationen haben England und Frankreich aber gar nicht einmal versucht, Polen gegen den Angriff von Deutschland zur Seite zu stehen. Ansonsten (und meine Beschwerden hörten sich jetzt vielleicht stärker an, als ich wirklich zu beanstanden gehabt hätte), war der Besuch wirklich sehr informativ und - wie gesagt - die Ausstellungen kamen mir wirklich sehr neutral vor. Aufgrund meiner - durch ein ominöses Spiel gewonnenen - Affinität für die Türkei und die Konflike im Nahen Osten habe ich mich auch über die Rolle der Türkei im ersten Weltkrieg informiert und fand es wirklich sehr interessant. Insgesamt hat das Museum sehr gut die Zusammenhänge erklärt und es gab immerwieder Videos, die über die verschiedenen Ereignisse berichteten, bzw. die Zusammenhänge und Ereignisse erklärten, so dass jeder, der aus dem Museum herausgeht zumindest ein bißchen besser informiert ist über die Geschehnisse im ersten und zweiten Weltkrieg. Auch "lebensweltliche" Umstände des Krieges wurden versucht dem Publikum nahezubringen, z.B. der Umstand, dass die Briten im Krieg gegen die Türkei zunächst die meisten Truppen aufgrund von Krankheiten und Hitze verloren haben oder der Umstand, dass die Truppen in den Schützengräben SChilder aufgestellt haben, auf denen z.B. die Namen ihrer Heimatorte geschrieben waren oder Hinweise wie "Suicide Valley" die darauf hinwiesen, dass die entsprechende Region, naja eben gefährlich ist. Ich kann jedem nur empfehlen, sich das Museum zu Gemüte zu führen, wenn er mal in London ist. Leider habe ich mir die "Trench" und "Blitz"- Experience entgehen lassen, das sind Ausstellungsteile, in denen man hautnah fühlen kann, wie es sich angefühlt hat, in einem Schützengraben, bzw. in einem englischen Bunker während des zweiten Weltkriegs zu sein. Naja, vielleicht mache ich das, wenn ich das nächstemal hingehe. Wenn man so durch dieses Museum stapft bekommt man auf jedenfall so richtig Lust, sich wieder intesiver mit Geschichte zu beschäftigen (Ereignisgeschichte selbstverständlich, nicht dieses theoretisch verpestete, andere Zeug). Auch wenn man sich als Deutscher schon ein bißchen schlecht fühlt, wenn man so durch die Hallen des ersten und zweiten Weltkriegs spaziert (zum Glück wird das nach 1945 anders...) und man seine Identität als deutscher Staatsbürger am liebsten gar nicht preisgeben will (das ist irgendwie etwas anderes, wenn man so eine Ausstellung im Ausland besucht, als wenn man es im Inland tut). Die Deutschen waren wirklich die "Bad Guys" des anfänglichen 20. Jahrhunderts, da gibt es überhaupt gar nichts anderes zu zu sagen... Aber vielleicht macht das auch nur die Darstellung des Imperials, ich weiß es nicht.

Donnerstag, 15. November 2007

Oh, happy day

Hallo ihr Lieben Leute,

heute hatte ich verschiedene erfreuliche Erlebnisse. Zum einen habe ich folgende Email von meinem Lieblingsprofessor Luc erhalten:

Hi Sebastian,

So who is this subversive element on the front page of the Beaver?

Nice youve only been at the LSE for a few weeks and you made the front page. Some of greatness thrust upon them.

Best,

Luc

Ach, ja, der "Beaver" ist die Zeitung in der das Bild von mir im Counsil abgelichtet wurde.

Das zweite erfreuliche Erlebnis war, dass ich heute meinen ersten Essay zurückbekommen habe. Dazu zunächst einführend einige Anmerkungen zum englischen Notensystem:
In England kann man eine Note auf einer Skala von 0 - 100 % bekommen. Alles ab 50 % ist ein "passed", was die schlechteste Note nach "nicht bestanden ist". Alles über 60 % ist ein "merit", was so etwas wie "gut" oder "hoffnungsvoll" oder so etwas ist und was man wohl die meiste Zeit bekommt. Alles ab 70 % ist eine "distinction". Noten zwischen 80% und 100 % bekommt man - laut meinem Supervisor - nur "if you are either Aristotle or God", also nie. D.h. die aktuellen Noten rangieren zwischen 50 - 79 %. Und ich habe 77 % für meinen ersten Essay bekommen. Fragt nicht, wie ich das geschafft habe, ich bin selbst ziemlich verwundert.

Mittwoch, 14. November 2007

Sockentanz

Ach ja, für alle die diese Information interessiert: Es ist übrigens vollkommen unproblematisch sich auf Socken in der Bibliothek des LSE zu bewegen. Soviel dazu... (das kann der Jens auch ruhig der Fraun Zanetti erzählen :-))

Dienstag, 13. November 2007

This and That

Shame on me, shame on me, ich war mal wieder faul und habe nichts geschrieben, obwohl ich groß angekündigt habe, dass ich es tun werde. Hier ist also mal wieder was:

Zunächst skurriles: Am Sonntag vor zwei Wochen war ich mit zwei Jungs aus meiner Hall nach dem Frühstück (naja am Wochenende ist es "Brunch" was bedeutet, dass man denselben Frass den es normalerweise zum Frühstück gibt, erst ab 11.30 serviert bekommt) draußen, weil die Jungs noch eine rauchen wollten. Das gehört hier zur üblichen Zeremonie: Nach dem Essen gehen wir immer raus, die Jungs um zu rauchen, ich einfach um der Gesellschaft willen. Nun begab es sich aber an diesem Tag, dass direkt neben der Hall eine Person einen (!) Koffer (!) hat stehen lassen. Niemand hat so genau darauf geachtet, wer das genau gewesen ist und niemand erachtete es als weiter wichtig, bis nach c.a. einer halben Stunde die Polizei (!) aufkreuzte. Die haben dann glatt ganz kaltblütig das Ding unter die Lupe genommen, aufgeschnitten und nach einer Weile in ihr Auto geworfen (nachdem sie sich mit dem Typen an der Rezeption kurzgeschlossen hatten selbstverständlich). Als die Polizisten anfingen den Koffern in Augenschein zu nehmen, sind erstmal alle umstehenden 5 Meter weggerückt, was wirklich ein kurioser Anblick war. Noch kurioser war jedoch, dass das Polizeiauto bereits randvoll mit Koffern war! Ich meine, natürlich nimmt man hier die ständigen Schilder war, auf denen steht: "Lassen sie ihr Gepäck nicht unbeaufsichtigt stehen. Unbeaufsichtigtest Gepäck kann mitunter zerstört werden" oder "Wenn ihnen irgendetwas merkwürdig vorkommt, dann rufen sie sofort das Sicherheitspersonal", aber das es die Engländer dann doch SO ernst meinen, hätte man nicht gedacht. Man scheint wohl doch nervöser zu sein, als man denkt.

Nun zu der Story zu dem Bild. So ganz genau durchschaue ich die Sachverhalte selbst mit, deshalb möge man mir die eine oder andere Wissenslücke oder Fehlinformation verzeihen. Also, dass war so: Ich habe hier einen ziemlich netten U.S.-Amerikaner kennengelernt. An besagtem Tag verließ ich gerade unbedarft die "Mensa", als besagten U.S.-Amerikaner antraf, wie er sich gerade mit jemandem unterhielt. Ich gesellte mich hinzu und wurde mit den Worten empfangen "Hey, wir planen gerade, dass wir eine Sitzung des Counsils (des hiesigen Senats des LSE) stürmen wollen, bis du dabei?" Ich, vollkommen überrumpelt und die Idee aus dubiosen Gründen gar nicht mal unattraktiv findend, sagte so etwas wie "Ähhh, naja, warum nicht?" Und war schon involviert. Wir haben uns dann später mit c.a. 25 Leuten getroffen und haben den Counsil gestürmt. Der Grund war übrigens ungefähr folgender: Vor einiger Zeit haben einige britische Professoren dafür gestimmt, einen Boykott gegen isrealische Universitäten und Akademiker zu verhängen, falls diese sich nicht von der Politik ihrer Regierung gegenüber Palestina distanzieren. Naja, ich finds jetzt, nachdem ich darüber nachgedacht habe (was ich an dem Tag nicht habe), insgesamt ziemlich blöd, aber der Grund war wohl: Wenn Israel nicht die Rechte der Palästinenser anerkennt, dann erkennen wir auch nicht Israels Rechte an. Naja, man wird sich denken können, wo meine Bedenken liegen. Erstmal ist es wohl blöd, gegenüber Akademiker einen Boykott zu verhängen, die nicht verantwortlich für die Politik ihrer Regierung sind und man sollte außerdem akademische Freiheit, die man ja wertschätzt, nicht dadurch einschränken, dass man Leute mit einem Boykott bestraft, die eine bestimmte Meinung vertreten. Außerdem ist es als Maßnahme zur Befreiung Palästinas wohl nur bedingt geeignet. Naja, der Grund für die Stürmung war eigentlich ein ziemlich simpler: Die LSE hat sich damals zu dem Sachverhalt negativ geäußert, hat aber keine Stellung mit Bezug auf die Rechte der Palästinenser genommen (und jetzt wo ich darüber nachdenke ich DAS eigentlich ein guter Grund auf die Barikaden zu gehen), d.h. sie haben gesagt: Boykott der Rechte von Israel: "Buhhh" und sich gleichzeitig nicht zur Beschneidung der Rechte der Palästinenser geäußert. Einige Studenten (z.B. Palästinenser) fanden das wohl irgendwie nicht so nett und haben eine Petition verfasst, die dem Abhilfe schaffen sollte und wollten mit die Petition den Director treffen, der sich jedoch jeglichem Treffen auf zweimaliges anfragen verweigerte. Der Sturm auf den Counsil sollte dafür sorgen, dass der Director einem Treffen öffentlich und in Anwesenheit der (studentischen) Presse zustimmt. Naja und in diesem Kontext ist auch das Foto entstanden, was hauptsächlich dadurch zustande kam, dass ich direkt hinter dem Director stand. Soviel dazu.... Für Verständnisfragen und Aufklärungsbitten, bitte immer gern an mich wenden. ICh bin mir darüber im klaren, dass das ganze vielleicht nicht so klar ist, wie ich es gerne hätte.

Am letzten Wochenende war ich dann mit Lena im Natural History Museum. Wir haben zwar nur eine kleinen Teil gesehen (um genau zu sein, nur die Ausstellung mit den Dinosauriern ;-)), aber ich muss sagen, dass mir das ganze sehr gefallen hat. Das Natural History Museum (jedenfalls der Teil in dem wir waren), ist in einem großartigen viktiorianischen Gebäude und man möchte am liebsten ein viktorianischer Gelehrter sein, der mit Büchern unter dem Arm durch diese Hallen eilt, um seinen Forschungen nachzugehen. Da bekommt man gleich wieder schöne Ideen für Rollenspielcharaktere... Die Ausstellung mit den Dinosauriern war sehr informativ aufgemacht und ich habe mir fest vorgenommen, mir die anderen Austellungen auch noch anzusehen. Die Erklärungen sind sehr evolutionstheoretisch angehaucht und es wird versucht Parallelen herzustellen, zwischen der Art und Weise, wie Tiere sich später entwickelt haben (Herdenverhalten, verschiedene Arten von Raubtieren, wie z.B. Rudelraubtiere und Einzelgänger) und der Art und Weise, wie sich die Dinosaurier entwickelt haben mochten. So bekommt man eine gewisse Vorstellung davon, wie die Welt wohl ausgesehen haben mochte und für Leute, die in Evolutionstheorie interessiert sind, ist es interessant zu sehen, wie sich bestimmte Merkmale immer und immer wieder als Lösung für bestimmte Probleme herauskristallisieren. Man bekommt direkt Lust Paläontologie zu studieren und im Sand nach Dinosaurierknochen zu graben. Spannend! Ich kann jedem nur empfehlen, sich das Museum anzusehen, wenn er in London ist.

Gestern hatte ich dann mein erstes großes "Society"-Event: Ich bin am Anfang des Semesters mehreren Societys, dass ist sowas wie Studentengruppen, aber mit einer ziemlichen Bandbreite an Interessen (es gibt die Lager&Ale Society, die Salsa-Society, die Military-Society, um nur einige zu nennen...) beigetreten. Eine davon ist die Gruppe "People & Planet", die sich für ein riesiges Spektrum an moralischen Sachverhalten einsetzen, wie z.B. soziale Gerechtigkeit, Umweltethik und Menschenrechte. Das Spektrum ist vielleicht ein bißchen zu breit (vor allem wenn man bedenkt, dass es für jeden dieser Bereiche bereits eine besonders spezialisierte Gruppe gibt, wie z.B. Amnesty für Menschenrechte oder Greenpeace für Umweltethik...), aber ich habe mir trotzdem vorgenommen, mich in der Gruppe zu engagieren. Gestern war dann auf dem LSE-Campus im Rahmen der "Rage against Racism Week" der sogenannte "International Food Fare", bei welchem alle möglichen "National Societies" (also Studentengruppen, die eine bestimmte Nationalität vertreten) Speisen und Gerichte (weiß nicht wo der Unterschied liegt, aber egal) angeboten haben. ICh war dort mit der P&P-Gruppe am start mit selbstgebackenen Süßigkeiten vollständig aus Fairtrade-Produkten bestehend. War lustig, hat mich aber nicht so sehr vom Hocker gehauen. Vielleicht bin ich einfach nicht so der Typ für soziales Engagement...

Dananch (ab 20 Uhr), gab es jedoch ein wirkliches Highlight für mich: Die Philosophy Society hatte eingeladen zu einem Treffen mit einem kurzen Vortrag, bei dem mein derzeitiger Lieblingsprofessor am LSE Luc Bovens (erwähnte ich schon, dass er sagte, als ich ihm gegenüber erwähnte, dass ich in Bielefeld studiert habe: "Ja, Bielefeld ist wohl die beste Universität für analytische Philosophie in Deutschland" - was übrigens eine deutsche PHD-Studentin in Cambridge ebenfalls meinte) einen Vortrag über Metaethik gehalten hat. Naja, der Vortrag war relativ einführend und ehrlich gesagt, hätte ich etwas ähnliches wohl auch aus dem Stehgreif dozieren können (Alexander Millers Buch sei dank ;-)), aber es hat Spaß gemacht, erstens zu sehen, wie viel man dann doch weiß, zweitens den ganzen Kram zu hören und drittens danach eine Diskussion über diese Fragen zu führen. Es waren erstaunlich viele Leute Relativisten dort (wo doch ein schlauer Mann mal sagte, dass niemand nach einem Philosophiestudium mehr Relativist sei), aber sie waren auch alle relativ jung und unwissend ;-). Schön fand ich auch Lucs Abschlussstatement, in welchem er begründete, weshalb er keine Metaethik mehr machte: "Wisst ihr, man findet das halt eine Weile interessant, aber dann stellt man fest, in was man sich alles reinfuchsen müsste um da mitzuhalten und dann macht man halt etwas anderes. Um sich in diese Debatte wirklich reinzuhängen, muss man - denke ich - schon ein richtiger eingefleischter Metaphyiker sein." Großartig :-).

So, dass wäre es erstmal. Ich hoffe, es sind noch ein paar Leute da draußen, die regelmäßig einschalten, weil sich sonst mein schlechtes Gewissen, dass ich nicht regelmäßíg poste gar nicht lohnen würde :-). Tschüß und bis zum nächsten mal, euer...............BEEP

Dienstag, 6. November 2007

Comments...


Ich habe festgestellt, dass man bislang Mitglied bei Blogspot sein musste, um auf meiner Seite Comments abzulassen. Das war sicherlich der Grund, weshalb niemand jemals irgendetwas kommentiert hat... Anyway, ich habe diese Einstellung jetzt geaendert, so dass jeder, der lustig ist, mein Geschreibsel kommentieren kann. Kommentare die mir nicht gefallen werden einfach geloescht ;-). Fuer alle, die sich wundern, was das obige Foto zu bedeuten hat und warum ich heute auf der Titelseite der Studentenzeitung des LSE bin, merke ich nur an: Immer schoen den Blog weiterverfolgen. Das Foto ist zwar von letzter Woche, aber ich habe es noch nicht auf die Reihe gekriegt, etwas ueber das entsprechende Geschehnis zu schreiben.... Der lustige weisshaarige Herr direkt vor mir ist uebrigens der Director des LSE...
Stay Tuned!


Montag, 5. November 2007

Kurzes

Ich treffe hier übrigens relativ viele Leute, die sehr überrascht, bis zu entsetzt sind, wenn sie erfahren, dass ich Vegetarier bin. Und das als Deutscher... Huch. Ebenso überrascht sind die Leute, wenn man wenig bis kein Bier trinkt, weil die Deutschen ja bereits zum Frühstück das eine oder andere Weißbier kippen. Und ich hab hier doch tatsächlich Leute getroffen, die an einer Universität studieren und daran zweifeln, dass es globale Erwärmung gibt!

Sonderbar, Sonderbar.

Cambridge

Heute war ich in....Cambridge. Ich war in Cambridge, ich war in Cambridge.

Tja, was soll ich sagen. Vor einiger Zeit hat die Philosophie in Cambridge Studierende aus ganz Englisch die bald potentielle PhD Kandidaten sind zu sich eingeladen und ich habe diese Einladung angenommen. Heute bin ich dann so gegen 10 Uhr mit Martin, einem Kanadier, der mit mir zusammen an der LSE Philosophie studiert, in Richtung Cambridge aufgebrochen - habe nebenbei 3 Vorlesungen geschwänzt, aber das macht nicht soviel, weil die Scripts immer im Internet stehen und in den Vorlesungen meistens nicht mehr gesagt wird, als in den Scripts... Nach ungefähr einer 1 Stündigen Zugfahrt, erreichten wir dann das kleine Provinznest und musste erst einmal heraus finden, wie man überhaupt zur Fakultät kommt. Haben wir aber blendend gemeistert.
Die Fakultät für Philosophie in Cambridge ist in einem "neumodischen" 60er Jahre Bau, der auf Stelzen gestellt ist, d.h. es gibt quasi kein Erdgeschoss. Direkt daneben ist ein riesiges Glaskuppelgebäude, welches die Fakultät für Recht darstellt. Naja, was man da in der Umgebung sieht, ist nicht so ganz das Cambridge wie man es sich vorstellt (ich Schlaukopf habe zwar meinen Fotoappart mitgenommen, aber vergessen die Batterie aufzufüllen, weshalb ich keine Fotos von Cambridge machen konnte :-(). Naja, wir sind dann so gegen 13 Uhr reingegangen (vorher haben wir noch einen Kaffee in einem netten kleinen Cafe getrunken) und wurden dort von einer Horde PhD Studenten, die quasi die Fakultät vertreten haben in Empfang genommen. Lustig ist, dass dort ganz schön viele Studenten über Metaethik promovieren... Ich habe glaub ich noch nie soviele Leute auf einem haufen gesehen, die sich dafür interessieren (außer in Bielefeld natürlich), wie dort. Was vielleicht aber auch daran liegt, dass Simon Blackburn dort residiert, den ich übrigens persönlich getroffen habe!!! Ich hab Simon Blackburn getroffen, ich hab Simon Blackburn getroffen... Naja, dann hat man sich halt so ein bißchen unterhalten und sich Schnittchen einverleibt, bis es zu einem Vortrag von Prof. Blackburn ging, welcher die Studenten über die Feinheiten einer Anmeldung zu einem PhD Studium und über das Studium selber, über Finanzierung, etc. aufgeklärt hat. Dananch gab es dann noch eine Tour durch die verschiedensten der schönsten Colleges die man in Cambridge finden kann (Trinity, St. Johns...), auf welcher ich übrigens das Zimmer gesehen habe, in welchem früher Wittgenstein gelebt hat!!!
Ich muss sagen, dass mir Cambridge wirklich sehr gut gefallen hat. Die Stadt ist klein, aber ansprechend. Die Häuser sind alle sehr schön und ich könnte mich sicherlich stundenlang an den Colleges ergötzen. Die Fakultät für Philosophie ist natürlich erstklassig, aber das hätte man in Cambridge wohl nicht anders erwartet. Ich würde wirklich gern dort promovieren, aber mir fehlt wirklich die Zeit, alle tollen Dinge bis zur Deadline fertigzukriegen, welche am 30. November ist (man muss schließlich beeindruckende References, gute und lange Essays in Englisch, etc. einreichen und sich auf gleich für den ganzen Finanzierungskram bewerben...). Naja, vielleicht pausiere ich einfach ein Jahr und gehe dann nach Cambridge... Mal sehen.

Dienstag, 30. Oktober 2007

Trivia aus der Welt Britaniens

Da ich ja am Wochenende im kontinentalen Europa war, hatte ich das Vergnuegen (jeweils mitten in der Nacht) folgendes Wissen zu erlangen: Wenn man in England einreisen oder ausreisen will, muss man *IMMER* eine Passkontrolle durchlaufen, egal ob man gerade aus dem kontinentalen Europa kommt oder dorthin geht. Man steht dann mitten in der Nacht in einer ellenlange Schlange und kommt sich vor, als wuerde man in was-weiss-ich fuer ein Land einreisen oder als versuchte man aus politischen Gruenden aus England zu fliehen. Bin ich froh, dass ich einen deutschen Pass habe (auch wenn das Bild in meinem Pass schon so alt ist, dass ich WEDER einen Bart, NOCH lange Haare habe und mich die grossartigen Waechter der britischen Zivilisation deshalb misstrauisch anblickten). Die Briten braten hier mal wieder eine laestige Extrawurst, vielleicht weil sie so Paranoid sind...

Auch die andere Extrawurst, der britische Pfund ist wirklich nervig. Zwar habe ich mich nun endlich darin einarbeiten koennen, welches Geldstueck wie viel wert ist, aber erstens ist dieses Geld nicht besonders huebsch und zweitens macht es alles teuer und kompliziert!!! Wenn man sich selbst Geld aus Kontinentaleuropa, dass in schoenen Euros ausgestellt wird, auf ein britisches Konto ueberweist, verliert man erstmal so 1 % des Geldes nur durch den Wechsel (naja vielleicht ist es auch weniger, aber trotzdem...). Dann sind hier auch noch alle Produkte teurer - meistens hat man das Gefuehl, dass der Preis in Euros eins zu eins uebertragen ist in Pfund, nur dass man halt in Pfund zahlt, statt in Euros und das Pfund mehr wert ist. Ein Beispiel: Eine Pizza der einfachsten Sorte kostet hier c.a. 5 £, in Deutschland 5 €. Da das Pfund aber mehr wert ist, kostet hier die Pizza ungefaehr 7,50 in €...
Klar, fuer die Briten ist das alles kein Problem, die verdienen ja auch Pfund und nicht Euro (was lustig ist, weil hier ein normaler Lohn fuer unqualifizierte Arbeitskraefte bei c.a. 8 £ liegt, im Gegensatz zu Deutschland, wo er meines Wissens so bei 8 € liegt), aber das bringt mir als Nicht-Brite natuerlich herzlich wenig. Mein Stipendium wird in Euro ausgezahlt, was bedeutet, dass ich im Vergleich weniger Geld habe.
Vor allem die Mietpreise sind hier vollkommen uebertrieben. Mein gesamtes Geld vom Stipendium geht allein fuer die monatliche Miete drauf...

Hmm, war das jetzt wirr oder kann man mich verstehen? Naja, dass was erstmal wieder aus der Welt der Marotten des britischen Empires. Bis zum naechstenmal, Ihr...

Montag, 29. Oktober 2007

Back for good

Hallo liebe Leute,

Die unter euch, die noch nicht aufgegeben haben, ab und zu in meinen Blog zu sehen, werden gemerkt haben, dass ich schon seit langer Zeit (20 Tagen um genau zu sein), nichts mehr gepostet habe. Das hat verschiedene Gruende. Zum einen bin ich einfach Faul geworden. Nachdem die anfaengliche Aufregung und uebermaessige Reizueberflutung erst einmal ein wenig abgeklungen war, war die Motivation meinerseits einfach nicht mehr so hoch, hier staendig Seitenweise aus meinem Leben zu posten. Dem werde ich jedoch versuchen entgegenzuwirken und auch mal kuerzere Sachen zu posten. Der zweite Grund ist, dass ich momentan wirklich mit Arbeit ueberhaeuft bin. Ich habe jede Woche c.a. 7-8 Papers zu lesen, was meistens auf c.a. 200 Seiten zusammen summiert werden kann. Klar, dass ist ungefaehr das gleiche, wie ich waehrend der BAs bewaeltigen musste (da ich Streber ja immer alle Texte fuer alle Seminare gelesen habe), der Unterschied ist jedoch, dass es hier ausserdem noch schoene Essays auf Englisch gibt, die einem aufgebrummt werden, ich ausserdem fuer jeden Text inzwischen ausfuehrliche Notizen versuche zu machen (d.h. ich versuche herauszuschreiben, was die These, was die Argumente sind) und ich ausserdem jetzt bereits Literatur waelzen muss, um mir ein Thema fuer meine Masterarbeit zurechtzuschnitzen. Denn eine Praesentation dieses Themas + den eigenen Argumentationsverlauf ist im naechsten Term schon faellig... Meine Wahl faellt momentan auf das Feld "Rationalitaet - Normativ oder Deskriptiv", aber so breit sollte das Thema irgendwie nicht bleiben. Also bin ich fleissig am lesen...

Dieses W0chenende habe ich Lena in Paris besucht, was wirklich eine entspannende Sache war. Freitag waren wir im Louvre, wo der Eintritt Freitag Abends fuer Menschen unter 25 frei ist. Wir haben die aegyptische Ausstellung angesehen, auch wenn ich sagen muss, dass ich lieber (wenn man schonmal im Louvre ist!), die Ausstellung der italienischen Meister, mit natuerlich dazu gehoerender Mona Lisa gesehen haette. Aber es gibt ja noch ein naechstes mal an einem anderen Freitag. Samstag waren wir dann noch im Monsourris (hoffe jedenfalls, dass ich den Namen richtig in Erinnerung behalten habe). Dabei handelt es sich um ein Stadtviertel, dass bis zum Mittelalter ein Sumpf war, der dann von Moenchen (Benediktiner oder Dominikaner) trockengelegt wurde. Im 17./18. Jahrhundert hatte dieses Viertel seine Hochzeit, als Schwaerme von Adligen dort einfielen und ihre Prunkvillen erichteten und dort die Salonkultur zu ihrem Hoehepunkt kultivierten. Zwar wurde das Viertel danach etwas vernachlaessigt, aber zum Glueck haben die Franzosen erkannt, dass man ein solches Viertel voll schoener Gebaeude nicht verkommen lassen kann und alles von Grundauf renoviert. Seit den 70er ist es zudem ein Szeneviertel, in dem lauter hippe und junge Leute verkehren und in dem die Miete ins Unbezahlbare steigen... Aber der der das geschrieben hat, hat wahrscheinlich noch nie in London gelebt. Merkt euch folgendes: Kontinental Europa ist billig!!! Man wuerde wirklich einiges dafuer geben, hier Preise wie in Berlin zu haben. Naja, dass Monsourris Viertel ist auf jedenfall sehr huebsch und wird von mir an dieser Stelle ausdruecklich zu einem Besuch empfohlen.

Am Wochenende vor diesem Wochenende habe ich es auch endlich mal geschafft, wenigstens eine der beiden Tates, die Tate Britain zu besichtigen. Bin am Sonntag mit einigen Leuten aus meinem Flur dorthin aufgebrochen. Ich muss jedoch feststellen, dass ich wirklich und tatsaechlich ein Kunstbanause bin und lieber bei Theater, Film und Literatur bleiben sollte. Ich weiss, dass einige Leute jetzt sagen werden, dass man sich halt ein wenig auskennen muss, um gemalte und skulptuerliche Kunst wirklich geniessen zu koennen, aber ich bezweifle diesen Sachverhalt in Verbindung mit meiner Person. Wenn ich mir Bilder oder Skulpturen ansehe, dann passiert es hoechstens in einem von 10000 Faellen, dass mich das Gesehene wirklich anspricht, dass es etwas in mir ausloest. Ich glaube Fotos sprechen mich mehr an (ich erinnere mich gerade daran, wie wir uns die Fotoausstellung in Berlin angesehen haben und ich erinnere mich auch, dass mir das wirklich gefallen hat). Naja, es war trotzdem ganz nett. Ich habe mir als naechstes kultuerliches Event jedoch erstmal etwas theatrigeres vorgenommen (momentan laeuft MacBeth mit Patrick Stewart als MacBeth in London, dass wollte ich mir eigentlich ansehen, aber ich muss dazu erstmal meine Finanzen checken).

Tja, zur Uni ist zu sagen, dass sich der Unterricht eigentlich gar nicht so stark von Deutschland unterscheidet (ausser, dass man mehr lesen muss) und ich bemuehe mich auch fleissig, mich zu beteiligen. Es kommt mir nicht so vor, als ob die Lehre hier (qualitativ) unbedingt viel besser ist, als in Bielefeld, auch wenn ich sagen muss, dass mir das System, jede Woche eine Ueberblicksvorlesung zu haben und dann ein vertiefendes Seminar, besser gefaellt, als nur ein Seminar zu haben. Sollte in Deutschland m.E. auch in Erwaegung gezogen werden. Die Kurse sind hier auch viel genereller als in Deutschland (es gibt nicht "Aristoteles Politik" oder "Kripkes Naming and Necessity, sondern nur genrelle Kurse wie "Sprachphilosophie", "Politische Philosophie", etc.), was ich zumindest fuer den BA sinnvoller finde, weil die Leute so tatsaechlich einen guten Ueberblick ueber die Themen, Positionen und Methoden bekommen. Ich denke wenn meine Kurse zuende sind, dann habe ich einen relativ guten Ueberblick ueber die Debatten, die in den jeweiligen Themenfelder gefuehrt werden. Erscheint mir sinnvoller, als genau zu wissen, was in einem bestimmten Buch von einem bestimmten Autor ueber ein bestimmtes Thema steht.
Die Universitaet kommt mir auch ueberhaupt nicht "Elite" maessig vor. Na klar, man weiss, dass es das LSE ist, etc., aber wenn man auf dem Campus ist, koennte es auch eine andere Uni, z.B. Bielefeld sein. Klar, hier sind einige der kluegsten Koepfe der Welt in bestimmten Faechern, etc., aber trotzdem...

So, nach diesen Ausfuehrungen wende ich mich jetzt wieder dem Essay zu an dem ich gerade herumschreibe. Ich werde versuchen, zumindest alle paar Tage ein paar Zeilen "Trivia" niederzschreiben. Mal sehen, wie mir das gelingt. Bis dahin wuensche ich einen schoenen Abend und "Sauber bleiben".

Dienstag, 9. Oktober 2007

Back to Business...

So, da bin ich wieder... Ich war in den letzten Tag wirklich viel zu faul, oder aber auch zu überlastet, um an dieser Stelle etwas zu posten. Aber ich nutze jetzt mal die ruhige Minute, bevor ich ins Bett gehe, um ein oder zwei Dinge zu schreiben.

Nachdem letzte Woche vollgestopft war mit Einführungsveranstaltungen und vergeblichen Versuchen Bankkonten zu eröffnen, hat diese Woche die Uni mit einem Paukenschlag begonnen, was heißt: Ich hatte gestern vier Vorlesungen an einem Tag und die letzte restliche Woche habe ich außer mit Einführungsveranstaltungen damit verbracht, mich auf diese Woche lesend vorzubereiten.

Da ich noch nichts zur Fakultät und den Leuten gesagt habe, vielleicht ein paar Worte dazu vorab. Also: Letzte Woche war am Donnerstag die Induction für alle Graduates, mit anschließendem "Dinner" (es gab, ganz stilvoll, Sandwiches). Das "Dinner" lief ungefähr so ab, dass man in einem halbformalen, halb lässigen Ambiente von einem Kommilitonen zum nächsten lief und die üblichen eisernen Fragen (bla, bla, bla) abzuklappern, was aber manchmal - wieder allen erwartens - doch auch in nette Gespräche mündete. Die meisten meiner mit Masterstudenten haben keinerlei philosophischen Hintergrund, was die Vermutung nahe legt, dass ich ihnen was voraus habe. Ich bin mir aber nicht sicher, ob das irgendetwas hilft, ich persönlich sehe mich jedenfalls noch nicht in irgendeinem Seminar irgendetwas cleveres sagen... Aber vielleicht habe ich das ja auch in Bielefeld nie getan... Tja, bei dem Dinner wurden auch gleich meine Hoffnungen, ich könnte vielleicht meine MSc Dissertation über Globale Gerechtigkeit schreiben, zerstört, weil mein Supervisor meinte, dass das doch irgendwie nicht so sehr mit "Philosophy of the Social Sciences" verbunden sei... Tja, dann werde ich wohl bei Rationalität und Gründen bleiben :-). Meine derzeitigen Überlegungen gehen in die Richtung "Was sind gute Gründe?", in der Hoffnung, mich damit heimlich in die Metaethik schleichen zu können. Aber vielleicht ist Metaethik selbst ja gar nicht mar so fernliegend... Tja, ich werd wohl mit meinem Supervisor reden müssen.

Am Freitag Abend, wurde dann dasselbe Ritual in einem informelleren Setting (in einer Bar) wiederholt, so dass man wieder zwischen Leuten hin und her rennen konnte und sich über dieses und jenes austauschen konnte. Ich habe auf jedenfall ein paar nette Leute kennengelernt, aber wie sich das hier so "social relations" mäßig entwickeln wird, ist noch überhaupt nicht absehbar. Naja, ich habe die PArty dann auf jedenfall mit drei Jungs (einer aus Hong Kong, einer aus Singapur und einer aus den U.S.A. verlassen und wir haben ein Restaurant aufgesucht, um dort zu speisen. War auf jedenfall ein netter Abend, dass muss ich schon sagen.
Meinen Samstag habe ich damit verbracht, in der Bibliothek zu sitzen und mich vorzubereiten, ebenso wie den Sonntag. Das einzige Spannende, was Samstag passiert ist, ist, dass ich meine Wäsche gewaschen habe...

Tja, dann fing die Woche an und ich hatte am Montag gleich mal alle meine 4 Vorlesungen, was einigermaßen anstrengend war. Die positive Nachricht ist, dass es in den Vorlesungen eigentlich nichts gibt, was ich nicht verstehe, dass Englisch dürfte also kein Problem darstellen. Bald stehen auch schon die ersten Essays an, und ich hab ehrlich gesagt noch keinen Schimmer, worüber ich schreiben möchte... Lustigerweise machen wir im Philosophy, Morality and Politics Kurs gerade Aristoteles Ethik (deshalb bin ich immer amüsiert in Romys Skypestatus Kommentare zu Aristoteles zu lesen) und ich bin total verwirrt über die Frage, was ein "glückliches" (happy) Leben ist. In dem Artikel den wir dazu gelesen haben, wurde eines dieser typischen Beispiele vorgestellt von wegen: Stellt euch diesen MAnn vor, der glaubt, die beste aller Beziehungen zu haben, dass alles auch so wahrnimmt, etc., aber er täuscht sich, und seine Freundin betrügt ihn. Würden wir nicht sagen, dass er kein happy life hat? Da setzt es bei mir jetzt aus, weil ich irgendwie die Intuition überhaupt nicht mehr teilen kann, dass der Mann KEIN glückliches Leben hat. Natürlich hat er ein happy life, er ist doch happy oder? Vielleicht ist sein Leben nicht gut oder nicht valuable, aber happy ist es doch ganz bestimmt? Worin sollte ein happy life denn sonst bestehen, als darin, dass man ein Leben hat, mit dem man happy ist? Ich habe auf jedenfall die Überzeugung gewonnen, dass hier einfach das Konzept von einem guten (oder wertvollen) Leben und das Konzept von einem glücklichen Leben vermischt werden. Naja, ich muss wohl darüber nachdenken...Vielleicht schreibe ich ja darüber... Die Professoren scheinen alle ganz nett zu sein, und man redet hier die Professoren (jedenfalls als Grad.), eigentlich immer mit Vornamen an. Soviel dazu *ähmm*

Tja, von London habe ich leider in letzter Zeit nicht mehr so viel gesehen. Auf meiner Liste stehen momentan zwar noch einige Dinge (Covent Gardens, Camden Market, National Portait Gallery, Tate Modern, Tate Britain, nochmal British Library, British Museum...), aber ich weiß einfach nicht, wann ich da hingehen soll. Vielleicht setzte ich mir einfach einen Tag, an dem ich nur den halben Tag über Büchern hocke, und die restliche Zeit damit verbringe, London zu erkunden. Meine Position zu London hat sich mittlerweise in soweit geändert, dass mir die Stadt einfach ein bißchen zu groß, zu laut, zu hektisch und zu teuer ist. Natürlich hat die Stadt ein riesenhaftes Angebot, aber mal ehrlich: Ich bin ein Stubenhocker...Naja und die Arbeitsbelastung macht es einem auch nicht unbedingt einfacher.
Ich habe inzwischen sogar ernsthaft in Erwägung gezogen, mich um eine Promotion in *damm dumm damm dumm* Cambridge oder Oxford *dumm dumm dumm dummm daaaaaa* zu bewerben, aber dies steht wohl noch in einiger Ferne in den Sternen geschrieben (oder so ähnlich). Denn erstes weiß ich nicht worüber ich promovieren will und zweitens will mich ja ohnehin keiner haben... Oh, mein Selbstbewusstsein, mein Selbstbewusstsein.... :-)

Ansonsten lebt es sich hier so vor sich hin. Ich habe das Gefühl, schon eine Ewigkeit hier zu sein, dabei sind es erst 3 Wochen... In London regnet es übrigens...und es ist kalt. Nur den Nebel habe ich noch nicht gesehen.

So, dass wären erstmal die Nachrichten aus dem großartigen London. Wenn ich wieder Zeit und Lust finde und es was "aufregendes" zu erzählen gibt, dann poste ich es sofort! :-) Ansonsten sende ich meine Grüße an all euch netten Leute da draußen und sage, bis bald!

Donnerstag, 4. Oktober 2007

Das Ende einer Odysee

Hallo liebe Leute und willkommen zu einer neuen Episode von "Sebastian in London".

Gestern habe ich versucht ein Bankkonto zu eroeffnen. Vorab erstmal: Jeder, dem man in London begegnet und dem man sagt, dass man versucht ein Bankkonto zu eroeffnen, wirft einem mitleidige Blicke zu. Denn "eigentlich" ist es ziemlich schwierig. Man braucht dazu z.B. eine Rechnung oder einen Bankkontoauszug die bescheinigt, dass man die letzten, sagen wir 2 Monatsmieten bezahlt hat. Lustigerweise braucht man dazu ja eigentlich ein Konto in England...Naja zum Glueck bietet die Bank NatWest direkt im Keller des Hauptgebaeudes des LSE einen Service nur fuer Studenten an, dass man bei ihnen ein Konto eroeffnen kann. Ich war bereits am Montag da, aber da sagten sie mir, dass sie einfach schon zu voll seien und gaben mir einen Zettel mit einer Nummer drauf, mit der Bitte, dass ich doch am Mittwoch wiederkommen solle. Also kam ich am Mittwoch wieder. Leider hatte ich den lustigen kleinen Zettel mit der Nummer zuhause in meinem Zimmer vergessen, weshalb der Typ am Eingang (der Tuersteher quasi), mich nicht reinlassen wollte. Er war aber so nett und sagte: Hey, komm doch einfach so gegen 11.30 (es war 10:00 oder so) wieder, dann ist bestimmt was frei. Als ich dann um 11.30 wiederkam, war natuerlich nichts frei...Also sagte der Typ zu mir: Naja, komm einfach um 17 Uhr wieder, da ist bestimmt was frei. Als ich dann um 17.00 Uhr wiederkam, war - Ueberraschung - natuerlich nichts frei. Der Typ am Eingang sagte diesmal: Komm einfach morgen um 9.30 wieder. 9.30 ist so frueh, kein Student steht so frueh auf und kommt her um ein Bankkonto zu eroeffnen. Nun ja, vielleicht haette ich ihm sagen sollen, dass das Fruehstueck in meiner Hall um 8.00 ist und das viele Studenten um diese Zeit aufstehen und das ausserdem die Wahrscheinlichkeit, dass um 9.30 niemand kommt, wenn er allen Leuten, die er wegschickt sagt, dass um 9.30 niemand kommt, bedeutend schrumpft...Naja, Gluecklicherweise, handelte es sich bei der Aussage des Tuersteher nicht um eine selfwiederlegende Aussage, so dass ich heute morgen um 9.30 tatsaechlich ein Konto eroeffnen konnte. Es beinhaltet allerlei Schnickschnack, wobei auch so nuetzliche Gimmicks, wie eine Creditcart dabei sind und die Moeglichkeit, zum halben Preis ins Kino zu gehen und 1/3 des Preises bei Zugreisen in Grossbritannien zu sparen. So, it's actually not quite bad...

Kommen wir zur Uni. Actually, I have my Induction today at 11.30. Ich bin also sehr gespannt darauf, wer meine MSc Kameraden sind und wie sie so drauf sind. Ich habe ja bisher immer mit dem Vorteil gelebt, dass Leute, die Philosophie studieren immer nett und interessant sein muessen, einfach, weil sie Philosophie studieren. Mal sehen, ob sich dieses Vorurteil bestaetigt. Die Uni selbst ist eine Campusuni, die direkt im Zentrum der Stadt liegt. Es scheint hier Leute zu geben, die nett sind, auch wenn ich einen Polen kennengelernt habe, der hier im dritten Jahr Internationale Beziehungen studiert und der meinte, dass die meisten Studenten Idioten sind (ok, er sagte, dass es ziemlich viele Idioten am LSE gibt, aber ich hab grad gemerkt, dass sich meine vorherige Aussage und seine Aussage gar nicht widersprechen, also von daher...). Es gibt tatsaechlich - dass muss ich hier einfach mal sagen - ueberdurchschnittlich viele huebsche Maedchen und ueberdurchschnittlich viele gestylte Menschen, was wahrscheinlich daran liegt, dass es hier ueberdurchschnittlich viele Leute gibt, die Geld haben (ich weiss auch nicht genau, wo der Kausalzusammenhang liegt, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass es einen gibt). All dieses Tatsache beeindrucken mich jedoch nicht besonders bisher.
Die Professoren sollen ganz nett sein (der Pole meinte, dass sein IR-Professor, der wohl ein ziemlich hohes Tier in der IR (international relations) Forschung ist, ihn eingeladen hat, ihn in Barcelona zu wohnen, aber vielleicht ist der Pole ja auch ein Genie und hat seinen Professor ziemlich beeindruckt...). Bei der General Induction hat sich der Director auf jeden Fall mit den Worten vorgestellt: Hey, ich bin Harold So und So (hab den Namen vergessen), aber ich ziehe es vor mit Harold angeredet zu werden. Aber ihr muesst mir verzeihen, wenn ich mir - bei 8000 Studenten hier am LSE - eure Vornamen nicht merken kann...bis naechste Woche Freitag. Der Campus ist wirklich huebsch, einige der Gebaeude sind alte Theater (die General Induction war in einem Theater, dass tatsaechlich noch wie ein Theater aufgebaut ist. ICh vermute, dass dort die Vortraege sein werde. Letztens war uebrigens Alan Greenspan hier am LSE und hat einen Vortrag gehalten (vielleicht hat er auch nur sein neues Buch vorgestellt) und es haben 1000(!) Leute versucht eine Karte zu bekommen (es gab 400) und einige haben sich bereits um 5 Uhr morgens in die Schlange gestellt...). Leider habe ich noch keine Moeglichkeit entdeckt, wo man guenstig zu Mittag essen kann. Es gibt ein Cafe extra fuer LSE Studenten, in dem man auch Lunch zu sich nehmen kann, aber das (!)superbillig(!) Angebot dieses Cafes ist: 4.55£ (!) fuer ein vegetarisches Mittagessen. Da sehnt man sich doch glatt nach der Bielefelder Mensa.
Heute und morgen ist auf dem Campus "Fresher Faire", bei dem sich all die Societies der Uni vorstellen und man sich bei denen anmelden kann. Dort werde ich wohl spaeter hingehen, sollte ich nach der Induction des Philosophie Departments nichts zu tun haben (eigentlich ist es eine Induction und ein Mittagessen, es gibt also reichlich Gelegenheit Leute kennenzulernen). Ansonsten gehe ich halt morgen hin. Ich will auf jeden Fall mal sehen, welche Societies es so gibt und mich vielleicht fuer ein oder zwei anmelden (ich habe "Philosophy" und "Amnesty International" ins Auge gefasst.

Von London habe ich in den letzten Tagen nicht viel gesehen, ausser den Weg von meinem Wohnheim zur Uni (den ich jetzt auch bestreiten kann, ohne mich zu verlaufen), wobei ich ein paar Schwenker gemacht habe um ein wenig die umliegende Gegend zu erkunden. Ich habe mir aber vergenommen, am Wochenende den Camdenmarket + Camden Town, sowie die Covent Gardens zu erkunden, die wohl zu den schoeneren Ecken Londons gehoeren. Ich habe bereits Ausschau nach Laeden gehalten, in denen ich meinem weniger intellektuellen Interesse (dem Rollenspiel) froehnen kann (also besser gesagt LEute treffen kann, mit denen ich dieses Interesse praktizieren kann), aber leider noch nichts dementsprechendes sichten koennen. Waere sicherlich ne tolle Gelegenheit um Englisch zu lernen, aber was solls...Die letzten beiden Tage wollte ich eigentlich jedesmal in die Tate Modern gehen, aber mir ist immer etwas dazwischen gekommen... Naja, vielleicht die Tage mal.

Gestern dachte ich noch "Oh, mein Gott, mein Englisch ist so schrecklich, es muss ein Qual sein, sich mit mir zu unterhalten." Aber dann habe ich mich - kurz danach - mit Leuten unterhalten und es ging quite good... Leute habe ich ein paar kennengelernt, auch wenn ich sagen muss, dass mich die Hall0-Gespraeche ("Where do you study? Where are you from? What do you study?), wirklich ein bisschen nerven. Leider bin ich wohl kein Mensch fuer das nette "Chat-Chat" mal eben so. Aber beim Abendessen habe ich mich bisher eigentlich immer relativ gut unterhalten. Mal sehen, wie sich das so weiterentwickelt.

So, an dieser Stelle beende ich diesen Eintrag, da in 10 Minuten meine Induction losgeht. Leider ist momentan meiner Internet in meiner Hall ausgefallen, so dass ich mit niemandem von euch Skypen kann. Ich habe uebrigens auch ein Telefon, dass man einfach anrufen kann, aber das ist sicherlich fuer die meisten zu teuer. Falls es sich aber jemand ueberlegt, kann er mir einfach eine Email schicken und ich schicke ihm die Nummer (@ Max: Ich sende dir die Nummer, sobald mein Internet wieder geht, oder ich daran denke, mir deine Emailadresse zu notieren).
Ansonsten wuensche ich allen, die das hier lesen alles gute und bis zum naechsten mal, wenn es wieder heisst: "Ich erzaehle aus meinem Leben".

Montag, 1. Oktober 2007

Welcome to London

So, nachdem in den letzten Tagen nicht wirklich Zeit gefunden habe, um im Blog etwas zu Posten, nutze ich nun die ruhige Minute zwischen meinem Aufenthalt im LSE (wo ich eigentlich nichts getan habe, ausser meinen Computeraccount zu aktivieren, so dass ich jetzt mit Stolz behaupten kann, dass ich - in diesem Moment - in der Bibliothek des LSE sitze und diesen Eintrag verfasse) und meiner Reise zur deutschen Botschaft, wo ich mich endlich anmelden will. Leider konnte ich noch nicht wirklich viele Dinge an der Universitaet tun. Eigentlich wollte ich heute ein Bankkonto eroeffnen (es gibt dafuer extra eine Abteilung von NatWest in der Uni - das muss ein Bombengeschaeft fuer diese Bank sein), aber leider waren alle Plaetze dafuer ausgebucht...bis Mittwoch. hab mir noch mal mein Department angesehen, konnte aber leider nicht in den MSc Common Room, weil die entsprechende Tuer abgeschlossen war. Lustig war dann folgender Dialog, den ich im Department Office hatte (natuerlich in englischer Sprache):
Ich: Also, ich studiere einen MSc Philosophy of Social Sciences, interessiere mich aber sowohl fuer den Kurs "Philosophy, Morality and Politics", als auch fuer den Kurs "Philosophy of Public Policy". Ich kann allerdings von meinem MSc her nur einen der beiden Kurse machen. Koennte ich mich vielleicht fuer den einen einschreiben und den anderen einfach so machen?
Sie: Sie meinen als ZUSAETZLICHE Arbeit zu ihren anderen Kursen (geschockter Blick).
Ich: aehhhhh, genau das.
Sie: .... Natuerlich koennen sie das machen, wenn sie sich zusaetzliche Arbeit aufhalsen wollen. (Sieht mich an, als wenn ich total durchgedreht waere.)

Ok, dieser Dialog hat mich ein wenig ins Zweifel gebracht, ob es schlau ist, 6 Kurse statt der vorgesehenen 4 zu machen. Obwohl ich es eigentlich aus meinem bisherigen Studium nicht verwunderlich und abstruss finde, mehr Kurse zu machen, als die Studienordnung vorsieht (ich glaub im BA hab ich 4 oder 5 Scheine mehr gemacht, als ich eigentlich gemusst haette), ist es vielleicht schlau, zumindest einen Kurs rauszuschmeissen...

Nun, was ist sonst so los bei mir? London stellt sich immer mehr als eine wirklich tolle Stadt heraus, auch wenn sie mir jetzt - wo quasi alle Verbindungen persoenlicher Anwesenheit aus meinem Leben in Bielefeld abgebrochen sind - wirklich sehr gross und sehr wild vorkommt. Im Grunde meines Wesens bin ich halt noch nicht ueber meinen Kleinstadtbewohnerkern hinausgewachsen. Aber das wird sich sicherlich aendern. London ist eine beeindruckende Metropole, voller Dinge die man erleben und entdecken kann. Die Bewohner sind so freundlich, dass man eigentlich bei jeder Busfahrt, bei der man sich in irgendeiner Weise als Tourist UND als unwissend bezueglich der Bushaltestelle an der man gerade ist zu erkennen gibt, sich sofort jemand bereit erklaert, einem zu sagen, was Sache ist. Zu den Bussen muss man sagen, dass die hier anscheinend zumindest im Stadtzentrum das Hauptverkehrsmittel sind, da sie wirklich ueberall hin fahren und auch ziemlich oft fahren (manchmal kommen drei Busse hintereinander). Allerdings gibt es in den Bussen meistens keine Fahrplaene, so dass man nie wirklich ermitteln kann, wie viele Bushaltestellen man noch fahren muss, wobei erschwerend hinzu kommt, dass die Busfahrplaene an den Haltestellen meistens unvollstaendig sind. So kommt es dann, dass ich persoenlich einfach in irgendeinen Bus einsteige, bis irgendwo fahre, dann in den naechsten Bus einsteige, wieder bis irgendwo fahre, bis ich irgendwohin komme, wo mir die Umgebung vage bekannt vorkommt und dann von da aus meinen Weg zu Fuss weiter bestreite. Zum Glueck habe ich ein relativ gutes Gedaechtnis fuer Oertlichkeiten, so dass ich vonm mir behaupten kann, dass ich mich bereits relativ gut in einigen Teilen Londons auskenne. Nur auf dem Weg von meinem Wohnheim zum LSE verlaufe ich mich regelmaessig (ich bin schon zweimal an der Bibliothek vom King's College rausgekommen, die etwas zu weit westlich liegt, aber wirklich ein sehr sehr schoenes Gebaeude ist), aber diesen Missstand werde ich gleich aufheben, indem ich mir eine Londonkarte zulege (schliesslich muss ich auch irgendwie die deutsche Botschaft finden...).

Zur Stadt selbst koennte man sagen, dass sie ungefaehr so wie Berlin ist (auch wenn der Vergleich beiden Staedten natuerlich unrecht tut), nur dass London Berlin auf Speed ist. Die Stadt ist total lebendig und man hat das Gefuehl, an jeder Ecke geht irgendwas. Es gibt 1000 Theater, in denen 1000 Musicals und Theaterstuecke aufgefuehrt werden, ueberall gibt es Pubs und lauter hippe Imbissstuben ala Starbucks Coffee. Die Menschen hier sind hip und haeufig sylomaessig gekleidet, wobei Style hier jeodch nicht Bielefeld-Tussi-Prollo-Style bedeutet, sondern immer ein bisschen betont individuell gestylt ist. Das hat natuerlich zur Folge, dass man sich am liebsten auch total Hip und Individuell kleiden moechte, aber mit Hinblick auf meinen gebeutelten Geldbeutel werde ich das wohl unterlassen...

Nun, dass Socializing laeuft anders, als ich es gedacht hatte. Ich stelle fest, dass mein eigenes Englisch sich verbessert, aber ich habe desto trotz noch etwas Skrupel Leute einfach anzulabern. Hinzu kommt, dass ich nicht so ganz einschatzen kann, wie die Leute so zu mir stehen (also ob sie gern mehr socializen moechten oder am liebsten gleich weiter fliehen), was natuerlich auch noch bei interessanten Leuten am staerksten hervortritt. Naja, ich werde mir auf jeden Fall weiter Muehe geben und mich nicht verunsichern lassen. Die Einfuehrungsveranstaltungen fangen fuer mich alle erst ab morgen an und meine "fellow graduate students" werde ich wohl erst am Donnerstag kennenlernen. Ich meiner Hall scheinen leider nur Ungraduates zu leben, aber was solls, vielleicht geht das ja Hand in Hand mit dem Leben in einer Hall.

Ich glaub an dieser Stelle mach ich mal Schluss und belege den Computer nicht laenger mit privaten Aktivitaeten :-). Statt dessen werde ich jetzt mal einen Abstecher in die philosophische Abteilung der Bibliothek machen und mich dann in Richtung Botschaft begeben. Bis zum naechsten mal an dieser Stelle.

Mittwoch, 26. September 2007

Yesterday I fell in love with a city...

Gestern Abend, als ich mit der Bahn in Richtung Campingplatz gefahren bin, ist zum erstenmal alle Scheu und Befremdlichkeit von mir abgefallen und ich habe mich wirklich GUT damit gefuehlt, in London zu sein. Die Stadt gefaellt mir von Tag zu Tag besser und ich freue mich immer mehr, auf das Leben in dieser Metropole. Die Stadt ist ein bisschen so wie Frankfurt, wo ich mich sehr wohl gefuehlt habe, Berlin, eine Stadt, die ich sehr liebe und Paris, eine Stadt die mich ueberaus beeindruckt hat und das alles zusammen. Ausserdem sprechen die Leute Englisch (jedenfalls behauptet man es. So richtig ueberzeugen konnte mich davon noch niemand) und die Uni, an welcher ich studieren werde, scheint ebenfalls wirklich toll zu sein. Ubd dann wohne ich auch noch genau im HERZEN dieser Stadt (naja, ich werde es zumindest...). Meine Neugier kennt keine Grenzen mehr...

Heute habe ich ein weiteres ueberaus erhebendes Erlebnis gehabt, dass vielleicht nicht alle von euch nachvollziehen koennen: Ich war in einer Buchhandlung und habe bei den philosophischen Literatur gestoebert. Und nicht nur, dass die Buecher alle auf Englisch waren (was in der Hauptstadt Grossbrittaniens sicherlich nicht verwunderlich ist), nein, die meisten Buecher waren interessant und gut! Im Gegensatz zur Auswahl an philosophischer Literatur in einer deutschen Buchhandlung, von der ich Regelmaessig enttaeuscht werde, war ich vom hiesigen Angebot mehr als angetan... Leider ist meine Angst vor einem grossen Loch in meinem Geldbeutel momentan noch zu gross, so dass ich mich noch nicht eingedeckt habe, aber ich weiss nicht, wie lange ich der Temptation noch widerstehen kann.

Ein Manko des heutigen Tages war, dass ich nun so langsam anfangen richtig nervoes zu werden und mein Selbstbewusstsein, dass sich in letzter Zeit zu einem dichten Klumpen irgendwas (denkt euch einfach das dichteste Element der Welt) verhaertet hatte (LSE? Pah, dass schaff ich doch mit Links. Fremd in der fremden Stadt? Ha, ich lern so schnell Leute kennen, da merk ich gar nicht, dass ich erst einen Tag hier bin...), broeckelt so langsam in seine Bestandteile zusammen und laesst mich als ein nervoesen, aufgeregten und aengstlichen kleinen, naja stellt euch einfach das niedlichste Kleintier vor, dass ihr euch vorstellen koennt (um der Sache mit dem Selbstbewusstsein mal einen Dreh in die richtige Richtung zu geben). Mein Respekt vorm LSE wachst wieder und meine Furcht vor der fremden, hoffentlich bald eroberten SPrache in welcher ich wissenschaftliche Arbeiten schreiben und Diskussionen fuehren soll und vor allem Leute von grossem Intellekt beeindrucken muss (denn eine Promotion fliegt einem ja nicht aus dem Nichts zu oder?) uebersteigt bald den Mount Everest. Und muss man nicht auch nett und interessant sein, um Leute kennenzulernen? Naja, natuerlich sind diese meine Ausfuehrungen uebertrieben, aber wo bliebe denn der Spass, wenn man nicht uebertrieben koennte? Der Kern des ganzen ist einfach: Ich bin nervoes und aufgeregt. Und zwar ziemlich.

Ich habe heute Ausserdem Notting Hill besucht und andere schoene Dinge getan, aber davon berichte ich (vielleicht an einem anderen Tag). Damit beende ich diesen Eintrag, mit dem Versprechen, dass es morgen oder an einem anderen Tag an weitergeht. Selbe Welle, selbes Personal. Und immerschoen weiter einschalten.

Dienstag, 25. September 2007

London Calling...

Diese Nachricht habe ich eigentlich schon gestern geschrieben, aber lustigerweise, war meine Zeit im Internetcafe genau in dem Moment um, in dem ich diesen Post fertig geschrieben hatte, aber bevor ich ihn abschicken konnte...

So, nachdem ich die letzten Tage hauptsaechlich ohne Internet war, bin ich nun in einem Internetcafe im Herzen Londons angekommen (das Cafe liegt direkt gegenueber vom Bahnhof "Charing Cross" fuer alle, die es auf der Karte nachsehen wollen :-)) und habe endlich ein wenig Zeit, die Ereignisse der letzten Tage einmal Revue passieren zu lassen.

Zunaechst einmal zur Fahrt. Ich bin mit meiner Familie am Freitag Abend in Richtung London aufgebrochen, mit dem Wohnwagen meiner Eltern im Schlepptau, in welchem wir die Tage verbringen, bis ich am Freitag endlich in mein Zimmer in der Canterbury Hall einziehen kann. Wir wohnen auf einem wunderbaren Campingplatz in einer Vorstadt von London namens "Abbey Wood", der so idyllisch ist (der Campingplatz, fuer alle die den Bezug unklar finden), dass einem staendig Eichhoernchen (oder Streifenhoernchen, k.A. welche Art genau) vor den Fuessen herumtollen und Fuechse einem Nachts die Schuhe klauen (jedenfalls behaupten letzteres die Wardens des Campingplatzes. Ich persoenlich habe noch keinen einzigen Fuchs gesehen).

Sonntag hatten wir dann nach einer relativ ereignislosen Fahrt unser erstes Erlebnis des interkulturellen Art: Linksverkehr. Ich muss sagen, dass mich diese Regelung doch sehr verwirrt. An jeder Strasse sieht man zuerst immer in die falsche Richtung und nicht nur das: Da man aus Deutschland trotz sicherlich hinreichend grosser Bombadierungen paedagogischer Leitsaetze das LinksUNDrechtssehen betreffend, daran gewoehnt ist, nur in die Richtung zu sehen, aus der das Auto kommen koennte, (also in etwa so: An einer grossen Strasse mit Fussgaengerinsel sieht man zuerst nur nach links, geht dann rueber auf die Fussgaengerinsel und sieht dann nach rechts) passiert es einem relativ oft, dass man in die falsche Richtung guckt und dann beinahe von einem Taxi oder Bus ueberrollt wird.

Taxis und Busse gibt es in London uebrigens in Huelle und Fuelle, um nicht zu sagen: In London gibt es nur Taxis und Busse, aber davon sehr viele. Das liegt mit Sicherheit daran, dass das Autofahren in der Innenstadt Gebuehren kostet.

Montag habe ich dann zum ersten mal die Uni gesehen. Ich muss sagen, dass ich ueberaus begeistert von ihr bin. Sie ist schoen gelegen und sieht schoen aus. Ich freue mich jetzt sehr auf den Beginn des Studiums, um nicht zusagen: Ich kann es gar nicht mehr erwarten. Leider ist Freitag erst der Tag zum Registrieren und in der Woche danach ist erst einmal ein Vorbereitungswoche, so dass es erst so richtig am 8. Oktober (fast schon deutsche Verhaeltnisse) los geht. Aber auf die Vorbereitungswoche bin auch bereits sehr gespannt. Endlich lerne ich die Leute kennen, mit und bei denen ich studieren werde! Zur Uni werde ich sicherlich noch mehr schreiben, wenn ich die Ruhe dazu finde...


Mein Wohnheim hab ich mir am selben Tag ebenfalls angesehen. Die Canterbury Hall gehoert zu den sogenannten "Garden Halls", die alle an den sogenannten "Cartwright Gardens" liegen. Hoert sich nett an, man sollte allerdings wissen, dass die Cartwright "Gardens" aus einem schaebigen Tennisplatz mit ein bisschen Gras drum bestehen...Die Gegend ist allerdings ueberaus nett, was sicherlich sehr daran liegt, dass es sich bei den Garden Halls um 3 (!) Studentenwohnheime handelte, in denen zusammen bestimmt 750 Studenten oder so wohnen. Die Gegend um die Halls kommt dementsprechend auch sehr studentisch rueber, was sich unter anderem darin ausdrueckt, dass das Essen in der Gegend vergleichsweise billig ist (es gab z.B. einen LAden mit indischem und thailaendischem Buffet mit einem All-you-can-eat Angebot fuer 4,50 £. Es muss an dieser Stelle allerdings erwaehnt werden, dass mir London (ausser dem Mietpreis meines Zimmers im Studentenwohnheim) gar nichtso teuer vorkommt, wie immer behauptet wird. Allerdings habe ich auch noch keine Nahrungsmittel, etc. kaufen muessen...


Zu London: Die Stadt ist im Zentrum sehr schoen, sehr lebendig und abwchslungsreich. Als ich das erstemal reingefahren bin dachte ich jedoch: Oh mein Gott, die Stadt ist nur aus braunen Ziegelsteinen gebaut. Denn so sehen eigentlich alle Stadtteile, die ich bisher gesehen habe, dich nicht zum Zentrum gehoeren aus: Lauter Haeuser, die alle gleich aussehen und aus demselben Material gebaut zu sein scheinen.

Das Englisch der Londoner finde ich sehr schwer zu verstehen (mnachmal frage mich, ob die ueberhaupt Englisch sprechen...hoert sich jedenfalls nicht so an...) und ich mache mir schon ein wenig Sorgen, wie es wird, wenn der Unterricht und die Diskussionen erst einmal losgehen...Wie soll ich denn Eindruck schinden koennen, wenn ich die Argumente und Kommentare der anderen nicht verstehe und mir dann einen abstottern muss, um irgendetwas zu erwidern??? Naja, ich uebertreibe wohl etwas und ich bin wohl schneller drin, als ich es fuer moeglich halte, aber dieses "Englisch" ist trotzdem gewoehnungsbeduerftig...



So, da mir der Rechner anzeigt, dass "meine Zeit ablaeuft", schliesse ich dieses Statement an dieser Stelle. Weitere Ausfuehrungen folgen bei der naechsten Gelegenheit...

Donnerstag, 20. September 2007

Der Beginn einer wunderbaren Freundschaft...

So, aufgrund einiger Stimmen in den letzten Tagen, die danach verlangten, bzw. mir dazu rieten, habe auch ich mir einen Blog eingerichtet. An dieser Stelle werde ich mich bemühen in nächster und fernerer Zeit Eindrücke, Erlebnisse und Überlegungen zu posten, um sie mit denjenigen von euch zu teilen, die daran Interesse haben. Alle anderen haben ja sicher meine Skypenummer :-).

Das ist jetzt meine letzte Nacht in Bielefeld, voraussichtlich bis Weihnachten. Morgen geht die Reise in Richtung London, Londinium, Londres, die Welthauptstadt Großbrittaniens los. Die letzten Tage waren wirklich phantastisch, es war einfach toll, die noch zurückgebliebenen Bielefelder ein letztes Mal zu treffen und sich zu verabschieden. Ich habe hier in Bielefeld wirklich sehr viele nette, interessante und tolle Leute kennengelernt und gute Freunde gewonnen. Leute, ihr werdet mir fehlen! Auch die Abteilung für Philosophie selbst wird mir fehlen. Nirgendwo sonst habe ich so viele tolle Menschen kennengelernt wie in dieser Abteilung und ich verbinde einige der wichtigsten Momente, Ereignisse und Erfahrungen meines Lebens (im positiven und im negativen Sinne - die meisten werden wissen, was ich meine) mit dieser Abteilung. Nicht zu vergessen, dass ich hier quasi alles gelernt habe, was ich über Philosophie weiß und was ich kann, was wohl wiederum sehr stark mit meinen Freunden in dieser Abteilung zusammenhängt. Tja, ich denke ich kann jetzt wohl sagen "Ich bin ein Bielefelder" (wogegen ich mich sonst eher sträuben würde), jedenfalls, wenn es um die Philosophie geht, bin also quasi durch die "Bielefelder Schule" gegangen (da fällt mir "Hamburger Schule" von Tocotronic ein...). Ich denke ich werde der Bielefelder Schule meine Dissertation widmen :-). Tja, haarsträubende Ergüße meinerseits, die sich da ergeben, aber was solls...

Bezüglich meines zukünftigen Aufenthaltes bin ich momentan - seltsamerweise - überhaupt nicht aufgeregt oder nervös. Naja "überhaupt" nicht ist natürlich gelogen, man spürt schon das eine oder andere mal ein nervöses Kribbeln im Bauch oder ein aufgeregtes Zucken in der linken Zehenspitze. Die Emotion, die momentan aber am stärksten vorherrscht, ist echte Vorfreude. Ich freue mich riesig darauf, wieder wirklich Philosophie machen zu können. Da ich im nächsten Jahr verstärkt Wissenschaftstheorie machen werde, bin ich außerdem sicher, dass ich ziemlich viele neue Dinge lernen werde. Zum Glück mache ich auch einen Kurs "Moral, Politics and Values" und einen zu "Philosophy and Public Policy", sowie ein Seminar bei den Politikwissenschaftlern mit dem wunderschönen Titel "Contemporary Debates about Justice", so dass ich zumindest in einigen Gebieten in bekannten Gewässern schwimmen und fischen kann.
Die größte Sorge bereitet mir natürlich, dass ich nicht gut mit den anderen Studenten mithalten kann. Immerhin gehe ich ans LSE, an die große, großartige, göttliche Königin der Universitäten für Sozialwissenschaften. Ich denke jedoch inzwischen, dass das größte Problem sein wird, ins Englisch reinzukommen. Denn nachdem ich bereits mehrfach gelesen habe "Since most of our students have no former expirience in philosophy..." glaube ich, dass ich den meisten meiner Mitstudierenden tatsächlich weit voraus sein werde.
Manch einer wird sich sicherlich fragen, wie das sein kann, dass Leute, die keine Ahnung von Philosophy haben an einer Uni wie der LSE einen Master in Philosophy machen können...Das liegt daran, dass der Master den ich mache im gewissen Sinne ein Aufbau- und Vertiefungsstudium ist, für welches sich alle Leute mit einem B.A., den entsprechenden Noten und Interessen einschreiben können. Also auch z.B. Ökonomen und Sozialwissenschaftler, die ihre theoretische und methodologischen Kenntnisse vertiefen wollen. Naja, ich bin auf jeden Fall sehr gespannt wie es wird. Das, was ich bisher an Literatur gelesen habe (ja, ich bereite mich tatsächlich zum ersten mal VOR einem Semester AUF das Semester vor, was sicherlich mit meinem Respekt vor der ehrwürdigen LSE - möge sie ewig bestehen - liegt), war auf jeden Fall super interessant und fällt auch ungefähr genau, beinahe in mein derzeitiges Interessengebiet. Nun zu all dem werde ich an dieser Stelle sicher noch mehr schreiben.

So, das wäre es fürs erste gewesen. Der letzte Blogeintrag in Bielefeld. Demnächst berichten wir für sie Live aus London, der neuen Hauptstadt Frankreichs, warum die Londoner sich dagegen sträuben Französisch zu reden und eine Untergrundorganisation "Pro England" gegründet haben (ein Insider, den wohl nur einige Freaks verstehen werden).