Mittwoch, 28. November 2007

Von Früher: Bricklane

Mir ist gerade aufgefallen, dass ich vor einiger Zeit einen Post angefangen hatte, aber nie gepostet habe. Hier die Geschichte aus alten Zeiten:

Am Donnerstag bin ich Abends mit ein paar Leuten aus meiner Hall in der Bricklane gewesen, dass ist ein Stadtviertel von London, dass direkt neben dem berühmt berüchtigten Whitechapel gelegen ist und in welchem ebenfalls der berühmt berüchtigte Jack the Ripper sein unwesen getrieben hat. Heute ist dieses Viertel ein internationales, hippes und szeniges (wobei ich den Unterschied zwischen 2 und 3 nicht sehe, aber egal) Viertel, in dem sich Restaurants mit Spezialitäten aus aller Welt neben coolen Clubs und Bars die Klinke in die Hand drücken (oder so). Meine Begleiter meinten die ganze Zeit zu mir: Woah, dass ist hier doch genauso wie in Berlin oder? Was, je nachdem, ein gutes oder ein schlechtes Licht auf Berlin wirft. Da meine Begleiter sehr begeistert von dem Viertel waren, dürfte es wohl ein gutes Licht auf Berlin werfen, wenn sie derartige Assoziationen haben. Ich persönich fand jedoch, dass es ganz und gar nicht wie Berlin war. Berlin ist einfach noch ein bißchen szeniger... und netter. Ich weiß nicht woran es lag, aber Teile des Viertels kamen mir einfach nicht "nett" vor, was vielleicht daran lag, dass das Publikum nicht meinem "Geschmack" entsprach oder an anderen irrationalen Meinungen... Habe aber trotzdem einen netten Abend gehabt, wir waren in zwei Pubs, wovon einer ein Pub mit integriertem Club war (wo man für umsonst rein konnte), so dass ich zum erstenmal seit langer Zeit mal wieder das Tanzbein schwingen konnte.
Zwei Unterschiede zu Deutschland sind mir aufgefallen: Erstens waren die Leute (die Besucher des CLubs, nicht meine Begleiter) viel früher auf der Tanzfläche, als ich es aus Deutschland gewöhnt bin. Ich meine, ich war früher öfter (zusammen mit dem guten alten Rescueboy :-), ach ja, die guten alten Zeiten...) einer der ersten auf der Tanzfläche und da war der Club meistens schon etwas voller und die Tanzfläche trotzdem noch leer. Hier war der Club fast leer, aber die Tanzfläche voll. Wirklich interessant... Zweitens machte der Club um 12 (!) Uhr zu... Ich meine, o.k. es war ein Wochentag, aber 12 Uhr???? Die spinnen wirklich die Engländer.

I have been to Versailles, where everything is grand, everything is magnificient...

Am letzten Sonntag war ich mit Lena im Chateau des Versailles (oder wie auch immer man das schreibt), woraus man schließen kann, dass ich das Wochenende in Paris verbracht habe. Obwohl ich natürlich ein Kunstbanause bin (wie ja einige Leute bereits netterweise bestätigt haben...), bin ich umso mehr ein Geschichts(und wissenschafts - aber das nur so nebenbei)freak, weshalb der Besuch mein Herz erfreut hat. Sollte ich es irgendwann schaffen, das Kabel für meine Digitalkamera wiederzufinden, werde ich hier auch mal ein paar Fotos dazu posten. Leider war Schloss Versailles gerade in einer Renovierung innbegriffen, so dass es von außen nicht so ganz eine Augenweide war, wie man es sich gewünscht hätte. Nicht das ihr mich falsch versteht, das Schloss ist natürlich sehr schön, aber die Gebäude zwischendrin, die mit Plastikfolien überzogen waren, waren dann doch kein solch enormer Ästhetischer Hochgenuß, wie der Rest der Gebäude. Des weiteren wird Versailles wohl gerade für den Winter vorbereitet (was natürlich komisch und vollkommen unverständlich ist, wo doch der Winter erst... in 3 Tagen beginnt...), weshalb eine Menge der Statuen ebenfalls in Plastiksäcke eingepackt waren. Das wars aber auch schon an negativen Einflüsse auf diesen Besuch. Achso... Einen Flügel konnte man nicht besichtigen, weil er ebenfalls renoviert wird. Aber was will man schon für 16 € Eintritt erwarten?
Nun, was soll man sagen? Die Räume im Schloß selbst sind natürlich eine Pracht, auch wenn man gerne mal sehen würde, wie so das alltägliche Leben in diesen Hallen ausgesehen hat. D.H. man kann es sich nur sehr schwer vorstellen, wie es wäre oder gewesen ist in Versailles zu leben. Nicht, dass man es nicht gerne würde... Interessanterweise haben die Haupträume in denen der König gehaust hat, überhaupt keine Fenster, was ich mir bisher noch nicht gut erklären konnte. Sehr schön ist natürlich auch der Spiegelsaal, der mich jedoch nicht so beeindruckt hat, wie ich es erwartet hätte. Auch hier wäre es wahrscheinlich schön gewesen, sich vorstellen zu können, wie es damals für einen Bittsteller (jeglichen Standes und jeglicher Nationalität) gewesen ist, den ganzen Weg durch den Saal bis zum König hindurchlaufen zu müssen. Solche Räume wurden ja mit besonderer Berücksichtigung auf den psychologischen Effekt gestaltet (das erinnert mich gerade an diese Stelle in Chaplins "Der große Diktator", aber egal...). Schön wäre auch gewesen, wenn die Spiegel im Spiegelsaal geputzt gewesen wären, aber man kann wohl nicht alles haben... Am besten gefallen haben mir die Räume, die einen direkten Blick auf den (riesigen) Garten hatten. Leider hatte man keine Möglichkeit, einen Blick in die Dienerquartiere zu werfen und - wie bereits gesagt - fehlte der Ausstellung insgesamt ein wenig der Einblick in das Leben der Menschen die in Versailles gelebt haben. Das mag nur meine persönliche Meinung sein (auch wenn man sie sicherlich gut begründen kann), aber ich denke, dass es Aufgabe solcher Ausstellungen und von Historikern im allgemeinen sein sollte, genau solche Eindrücke zu vermitteln. Was hilft es mir, wenn ich irgendwelche Schmuckstücke in einem Glaskasten sehe, wenn man mir nicht die Bedeutung dieser Schmuckstücke vermitteln kann? Tja... Insgesamt ist der Besuch in Versailles jedoch ein sehr lohnendes Vergnügen.

Montag, 26. November 2007

the onion

Für alle Leute, die sich für gepflegten Journalismus aus den Vereinigten Staaten interessieren: http://www.theonion.com

Kann ich nur empfehlen.

Ein Verbrechen namens "Essen"

Nachdem ich mich nun schon eine lange Weile nicht dazu geäußert habe, dachte ich mir, dass es an der Zeit wäre über eine der größten Seltsamheiten dieser Welt zu sprechen: englische Essgewohnheiten. Jedermann kennt sicherlich das englische Frühstück, dass aus Rührei, Schinken, Würtschen, weißen Bohnen, gekochten Tomaten und allerlei anderen Leckereien besteht. Naja, ab und an kann man dieses Zeug sicherlich mit Genuß essen, z.B. wenn es nicht die erste Mahlzeit ist, die man am Tag zu sich nimmt oder wenn man bereits so lange wach ist, dass man einen solchen Hunger hat, dass man alles in sich hineinschlingen würde. In meiner Hall bekommt man diesen Kram äh ich meine diese vorzügliche Speise jedoch jeden Tag serviert (und das um 8.00 (sic!) Uhr morgens, wo man gerade erst aus dem Bett gefallen ist) und erstaunlicherweise wird es auch bereitwillig von einigen Leuten konsumiert. Problem ist jedoch nicht das englische Frühstück selbst, sondern der Mangel an vernünftigen Ausweichmöglichkeiten. Derer gibt es genau zwei: Entweder man ist Cornflakes (oha, in drei verschiedenen Variationen: von ohne Zucker bis super schokoladig) oder etwas, dass sich als Müsli ausgibt ODER man isst Papptoast in der weißen oder braunen Varianten. Letzteres gibt es aber nur mit der Möglichkeit, sich etwas darauf zu schmieren, dass sich verzweifelt bemüht, wie echte Marmelade auszusehen, oder als Alternativen Nutella oder Honig. Käse und Wurst in den schönen Variationen die man aus anderen Ländern (ach, wie sehr vermisse ich den günstigen und wohlbestückten Käseschrank im Aldi...) kennt, sind hier gänzlich unbekannt. Das höchste der Gefühle ist ein Toast mit geschmolzenem Käse drauf, den ich aber zu normalen Frühstückszeiten nicht einmal ansehen mag. Ich begnüge mich daher jeden Tag mit Cornflakes (die simple Sorte) und zwei Äpfeln. Achja, es gibt auch noch die Möglichkeit sich eine bis zwei (aber nur, wenn man sonst nichts nimmt) Früchte auszuwählen, wobei die Wahl von Bananen (meistens nicht verfügbar), grünebn (ungeheuerlich sauer) und roten (annehmbar) Äpfeln, sowie Orangen (die nach nichts schmecken)...
Besser noch als das Frühstück ist das Abendessen (ähnliche Erlebnisse sind mir aber auch schon im "Garricks" untergekommen, der "Edelmensa" des LSE. Zum Glück gibt es noch den Brunch Bowl, wo man einigermaßen normal speisen kann und wo die Preise auch erträglich sind. Auch wenn sie verglichen mit kontinentaleuropäischen Preise natürlich ein Witz sind: Stellt euch vor, das Essen in der Mensa würde 4-5 € kosten...). Zum Glück gibt es immer eine vegetarische Auswahl, so dass ich bisher noch nicht dazu gezwungen war Fleisch zu essen, auch wenn man angesichts der vegetarischen Angebots manchmal am liebsten einfach eine Option mit Fleisch nehmen möchte. Die Betonung liegt jedoch bei "manchmal" da die vegetarische Option meistens sogar besser ist, als die nicht-vegetarischen Optionen. Das Essen (d.h. der Maindish) ist meistens seht fettig und ich hoffe, dass ich angesichts meiner mangelnden sportlichen Betätigung nicht zuviel zunehmen. Ich plane ja eigentlich schon seit Wochen regelmäßig joggen zu gehen, was mir bisher aber noch nicht so gut gelungen ist (entweder es ist zu kalt, oder zu dunkel oder ich habe eine andere Ausrede, warum ich gerade keine Lust habe...), aber bald geändert werden soll... Der Höhepunkt sind jedoch die Sidedishes: Als allererstes gibt es immer denselben Salat, mit immer derselben Soße. Dazu gibt es noch Suppe aus undefinierbaren Zutaten. Und das allerbeste sind dann die tatsächlichen Beilagen, weil sie fast nie zum Hauptgericht passen. Im Garricks hatte ich schon einen wunderbaren Drei-Käse-Nudelauflauf mit den Beilagen Pommes und Erbsen (die andere Möglichkeit wäre Rotkohl gewesen), in der Hall bekommt man meistens ein gekochtes Gemüse aus der folgenden Menge {Karotten, Brokkoli, Blumenkohl, Erbsen, Mais} und eine weitere Beilage aus der Menge {Kartoffeln, Pommes, Nudeln} serviert, wobei die Zusammenstellung zusammen mit dem Hauptgericht jedoch fast nie Sinn macht (jedenfalls für meinen Gaumen). So bekommt man dann Thailändische Nudelpfanne mit Kartoffeln und Brokkoli, Quiche mit Pommes und Karotten, oder Kartoffelgratin mit (!) Kartoffeln (!) und Erbsen und Mais. Wie ihr seht, habe ich kulinarisch viel Freude...
Wer sich fragt, warum ich das Zeug denn esse, wenn ich so darüber jammere: Das Essen ist in der Miete mit inbegriffen. Wenn ich jeden Tag in der mickrigen Küche auf meinem Flur für mich selbst kochen würde, würde ich sozusagen doppelt draufzahlen, weil ich das Essen in der Hall ja ohnehin bezahlen muss (egal ob ich es esse oder nicht)...

Freitag, 23. November 2007

Fremde Laender, fremde... Tastaturen...

Eine Sache die einem ueberhaupt nicht bewusst ist, wenn man in Deutschland ist, ist, dass die Leute im Ausland vollkommen andere Tastaturen haben (naja ¨vollkommen¨ist uebertrieben, aber...). Das sieht man zunaechst sehr schoen an meinen eigenen Blogeintraegen: Alle Eintraege, in denen keine Umlaute vorkommen wurden in der Bibliothek des LSE verfasst (ausser der den ich jetzt gerade schreibe, den schreibe ich in der Bibliothek von Lenas Wohnheim in Frankreich), alle in denen sie vorkommen, wurden auf meinem Laptop verfasst. Wobei ich sagen muss, dass die englischen Tastaturen einem deutschen noch gut entgegen kommen: Ausser den fehlenden Umlauten und dem vertauschten Y und Z und den vollkommen anders erreichbaren Sonderzeichen, sind die Tastaturen wenigstens mit Bezug auf die Anordnung der Buchstaben aehnlich. In Frankreich sieht das schon anders aus... Das der Umstand mit den verschiedenen Tastaturen einem wohl nicht so gleich ins Bewusstsein springt sieht man sehr schoen an der Frage eines Hong Kong Chinesen aus meinen Wohnheim: Wie kriegst du denn diese Zeichen hin? Hmm, die sind vielleicht auf meiner Tastatur??? Was ich noch nicht herausgefunden habe, (weil ich mir darueber eigentlich BIS JETZT noch keine Gedanken gemacht habe) ist, was die Englaender mit dem Platz machen, den sie dadurch gewinnen, dass sie keine Umlaute und kein scharfes sz auf der Tastatur haben. Mir scheint naemlich nicht, dass man lit britischen Tastaturen mehr machen kann als mit deutschen. Deshalb werde ich wohl nie auf englische Tastaturen umsteigen (allein schon weil die Darstellung von Umlauten doch schon arg haesslich ist), es sei denn man zwingt mich einen englischen Computer zu kaufen... Das einzige was mir auf meiner Tastatur fehlt sind die All- und Existenzquantoren, aber die gibt es auch nicht auf auslaendischen Tastaturen. Soviel zu diesen Trivialitaeten...

Mittwoch, 21. November 2007

London in the rain

Tja, bisher hat sich London von seiner besten Seite gegeben und sich bemüht dem Klischee nicht zu entsprechen, aber jetzt... seit 2 Tagen ist es ständig am regnen und es ist total kalt. Eine Erkältung habe ich mir auch gleich eingefangen. Nur der berühmte Nebel lässt noch auf sich warten... Aber angeblich soll es den ohnehin nicht mehr geben, seit es diese neue Abgasreform gab.

Was übrigens sehr schön ist (bezieht sich ein bißchen auf das obige): Da alle Autos die in die Innenstadt eine (denke ich mal, habe keinerlei persönliche Erfahrung mit, ist also mehr ein Schuß ins Blaue) horrende Maut bezahlen müssen, fahren in Central London fast nur Taxen und Busse rum. Die dafür aber in rauen Mengen...

Analytische Philosophie und sonstiges

Da ich gerade Francescos Kommentar weiter unten gelesen habe, ist mir noch etwas eingefallen:

Erstmal: Auch wenn das LSE natürlich einen total guten Ruf hat und auch eine wirklich gute Uni mit wirklich guten Dozenten ist, muss sich die Abteilung für Philosophie der Uni Bielefeld (außer bezüglich ihres Namens) nicht vor der Abteilung des LSE verstecken. Ich habe nicht das Gefühl, dass die Seminare hier qualitativ besser sind, auch wenn der Lehrstil etwas anders ist. Natürlich findet man hier eine regere Beteilung unter den Studierenden, aber das ist ja auch kein Wunder: Große Namen ziehen natürlich Leute an, die was darauf haben (oder zumindest meinen, was drauf zu haben). Ich kann nur sagen, dass sich Qualitativ die bielefelder Abteilung nicht zu verstecken braucht. Das Problem von Bielefeld ist wohl eher das analytische unfreundliche Klima in Deutschland sowie die chronische Ignoranz angelsächsischer Universität bezüglich der Anerkennung von Universitäten im nicht englischsprachigen Raum.
Vielleicht komme ich demnächst mal mit den hier gängigen Lehrmethoden um die Ecke, damit man mal einen Vergleich hat. Ahso: Ein tiefschneidender Unterschied hier ist natürlich, dass man alle Dozenten von Anfang an duzt...

Zweitens: Am Montag war ich auf einem Vortrag zu Public Choice und danach noch mit einer ganzen Bagage (keine Ahnung ob man das so schreibt) von Philosophen in einem Restaurant. Naja, soviel zur Vorgeschichte... Auf dem Rückweg nach Hause habe ich mich auf jedenfall mit dem Dozenten unterhalten, der den Vortrag gehalten hat (der übrigens aus Deutschland kommt, aber seine gesamte universitäre Laufbahn in England absolviert hat (beginnend mit einem BA in Oxford...)). Der hat mich dann - in etwa - gefragt, ob ich mich nicht erstmal an den Stil der LSE bewöhnen müsste, von wegen analytisch und so. Und da ist mir aufgefallen und das habe ich auch gesagt: Nö, eigentlich ist es hier genauso wie zu Hause. Und das obwohl das LSE als Hardcore analytische Abteilung in England geht, also quasi das eine Ende vom Spektrum darstellt. Naja, es mag sicherlich auch an meinen Interessen liegen und an den Leuten, mit denen ich so rumgehangen habe, aber in der Richtung stellt die Abteilung wirklich nichts neues dar. Professor Luc meinte dazu: Könnte daran liegen, dass isolierte Außenposten dazu tendieren, sich zu radikalisieren (er erwähnte als Beispiel eine katholische Kirche im protestantischen Schweden, in welcher er den "katholischsten Gottesdienst seines Lebens erlebt hätte". Könnte sein...

Imperial

Am Sonntag war ich für zwei Stunden im Imperial War Museum. Das Museum stellt vor allem Kriegsgerät und ähnliche Dinge aus, die mit dem Krieg zu tun haben, so sind bereits in der Eingangshalle Panzer, Flugzeuge aus dem ersten und zweiten Weltkrieg und Kanonen ausgestellt. Am Sonntag habe ich mich nur mit dem ersten Untergeschoß beschäftigt, in welchem die Ausstellungen zum ersten und zweiten Weltkrieg, sowie die Kriege nach 1945 behandelt werden, wobei ich letztere jedoch aus Zeitgründen nicht mehr besichtigen konnte. Natürlich sind die Ausstellungen hauptsächlich aus britischer Perspektive gestaltet, d.h. britische Soldaten, die britische Zivilbevölkerung und Schauplätze von Schlachten an denen britische Armeen beteiligt waren hatten selbstverständlich explanatorischen Vorgang, was aber in einem britischen Kriegsmuseum wohl nicht verwunderlich und wohl kaum verdammungswürdig ist. Die Ausstellungen zum ersten und zweiten Weltkrieg sind des weiteren erstaunlich neutral gehalten (es wurde sogar darauf hingewiesen, dass die überzogenen Reparationszahlungen und Auflagen der Allierten gegenüber den Deutschen zum Teil dafür verantwortlich, waren, dass Deutschland in den Faschismus geschliddert ist) auch wenn mir z.B. nicht gefallen hat, dass der Ausstellungsausschnitt "Die Zeit zwischen den Weltkriegen" nur den Aufstieg des Faschismus in Deutschland und Italien behandelt hat. Interessant war (was ich vorher noch nicht so bewusst zur Kenntnis genommen hatte), dass die Engländer ihre eigene kleine Faschistische Partei hatten, die jedoch nicht besonders erfolgreich gewesen ist. Und natürlich wurde nicht besonders deutlich darauf verwiesen, welche Verheerenden Folgen die Bombardierungen der Allierten während des Weltkriegs auf die Zivilbevölkerung in Deutschland hatte und das dritte was ich etwas einseitig fand, war, dass gesagt wurde, dass die Briten und Franzosen nach dem Überfall Deutschlands auf Polen "nicht dazu in der Lage waren den Angriff auf Deutschland zu verhindern", was sich so anhört, als hätte man sich die größte Mühe gegeben, wäre aber gescheitert. Nach meinen Informationen haben England und Frankreich aber gar nicht einmal versucht, Polen gegen den Angriff von Deutschland zur Seite zu stehen. Ansonsten (und meine Beschwerden hörten sich jetzt vielleicht stärker an, als ich wirklich zu beanstanden gehabt hätte), war der Besuch wirklich sehr informativ und - wie gesagt - die Ausstellungen kamen mir wirklich sehr neutral vor. Aufgrund meiner - durch ein ominöses Spiel gewonnenen - Affinität für die Türkei und die Konflike im Nahen Osten habe ich mich auch über die Rolle der Türkei im ersten Weltkrieg informiert und fand es wirklich sehr interessant. Insgesamt hat das Museum sehr gut die Zusammenhänge erklärt und es gab immerwieder Videos, die über die verschiedenen Ereignisse berichteten, bzw. die Zusammenhänge und Ereignisse erklärten, so dass jeder, der aus dem Museum herausgeht zumindest ein bißchen besser informiert ist über die Geschehnisse im ersten und zweiten Weltkrieg. Auch "lebensweltliche" Umstände des Krieges wurden versucht dem Publikum nahezubringen, z.B. der Umstand, dass die Briten im Krieg gegen die Türkei zunächst die meisten Truppen aufgrund von Krankheiten und Hitze verloren haben oder der Umstand, dass die Truppen in den Schützengräben SChilder aufgestellt haben, auf denen z.B. die Namen ihrer Heimatorte geschrieben waren oder Hinweise wie "Suicide Valley" die darauf hinwiesen, dass die entsprechende Region, naja eben gefährlich ist. Ich kann jedem nur empfehlen, sich das Museum zu Gemüte zu führen, wenn er mal in London ist. Leider habe ich mir die "Trench" und "Blitz"- Experience entgehen lassen, das sind Ausstellungsteile, in denen man hautnah fühlen kann, wie es sich angefühlt hat, in einem Schützengraben, bzw. in einem englischen Bunker während des zweiten Weltkriegs zu sein. Naja, vielleicht mache ich das, wenn ich das nächstemal hingehe. Wenn man so durch dieses Museum stapft bekommt man auf jedenfall so richtig Lust, sich wieder intesiver mit Geschichte zu beschäftigen (Ereignisgeschichte selbstverständlich, nicht dieses theoretisch verpestete, andere Zeug). Auch wenn man sich als Deutscher schon ein bißchen schlecht fühlt, wenn man so durch die Hallen des ersten und zweiten Weltkriegs spaziert (zum Glück wird das nach 1945 anders...) und man seine Identität als deutscher Staatsbürger am liebsten gar nicht preisgeben will (das ist irgendwie etwas anderes, wenn man so eine Ausstellung im Ausland besucht, als wenn man es im Inland tut). Die Deutschen waren wirklich die "Bad Guys" des anfänglichen 20. Jahrhunderts, da gibt es überhaupt gar nichts anderes zu zu sagen... Aber vielleicht macht das auch nur die Darstellung des Imperials, ich weiß es nicht.

Donnerstag, 15. November 2007

Oh, happy day

Hallo ihr Lieben Leute,

heute hatte ich verschiedene erfreuliche Erlebnisse. Zum einen habe ich folgende Email von meinem Lieblingsprofessor Luc erhalten:

Hi Sebastian,

So who is this subversive element on the front page of the Beaver?

Nice youve only been at the LSE for a few weeks and you made the front page. Some of greatness thrust upon them.

Best,

Luc

Ach, ja, der "Beaver" ist die Zeitung in der das Bild von mir im Counsil abgelichtet wurde.

Das zweite erfreuliche Erlebnis war, dass ich heute meinen ersten Essay zurückbekommen habe. Dazu zunächst einführend einige Anmerkungen zum englischen Notensystem:
In England kann man eine Note auf einer Skala von 0 - 100 % bekommen. Alles ab 50 % ist ein "passed", was die schlechteste Note nach "nicht bestanden ist". Alles über 60 % ist ein "merit", was so etwas wie "gut" oder "hoffnungsvoll" oder so etwas ist und was man wohl die meiste Zeit bekommt. Alles ab 70 % ist eine "distinction". Noten zwischen 80% und 100 % bekommt man - laut meinem Supervisor - nur "if you are either Aristotle or God", also nie. D.h. die aktuellen Noten rangieren zwischen 50 - 79 %. Und ich habe 77 % für meinen ersten Essay bekommen. Fragt nicht, wie ich das geschafft habe, ich bin selbst ziemlich verwundert.

Mittwoch, 14. November 2007

Sockentanz

Ach ja, für alle die diese Information interessiert: Es ist übrigens vollkommen unproblematisch sich auf Socken in der Bibliothek des LSE zu bewegen. Soviel dazu... (das kann der Jens auch ruhig der Fraun Zanetti erzählen :-))

Dienstag, 13. November 2007

This and That

Shame on me, shame on me, ich war mal wieder faul und habe nichts geschrieben, obwohl ich groß angekündigt habe, dass ich es tun werde. Hier ist also mal wieder was:

Zunächst skurriles: Am Sonntag vor zwei Wochen war ich mit zwei Jungs aus meiner Hall nach dem Frühstück (naja am Wochenende ist es "Brunch" was bedeutet, dass man denselben Frass den es normalerweise zum Frühstück gibt, erst ab 11.30 serviert bekommt) draußen, weil die Jungs noch eine rauchen wollten. Das gehört hier zur üblichen Zeremonie: Nach dem Essen gehen wir immer raus, die Jungs um zu rauchen, ich einfach um der Gesellschaft willen. Nun begab es sich aber an diesem Tag, dass direkt neben der Hall eine Person einen (!) Koffer (!) hat stehen lassen. Niemand hat so genau darauf geachtet, wer das genau gewesen ist und niemand erachtete es als weiter wichtig, bis nach c.a. einer halben Stunde die Polizei (!) aufkreuzte. Die haben dann glatt ganz kaltblütig das Ding unter die Lupe genommen, aufgeschnitten und nach einer Weile in ihr Auto geworfen (nachdem sie sich mit dem Typen an der Rezeption kurzgeschlossen hatten selbstverständlich). Als die Polizisten anfingen den Koffern in Augenschein zu nehmen, sind erstmal alle umstehenden 5 Meter weggerückt, was wirklich ein kurioser Anblick war. Noch kurioser war jedoch, dass das Polizeiauto bereits randvoll mit Koffern war! Ich meine, natürlich nimmt man hier die ständigen Schilder war, auf denen steht: "Lassen sie ihr Gepäck nicht unbeaufsichtigt stehen. Unbeaufsichtigtest Gepäck kann mitunter zerstört werden" oder "Wenn ihnen irgendetwas merkwürdig vorkommt, dann rufen sie sofort das Sicherheitspersonal", aber das es die Engländer dann doch SO ernst meinen, hätte man nicht gedacht. Man scheint wohl doch nervöser zu sein, als man denkt.

Nun zu der Story zu dem Bild. So ganz genau durchschaue ich die Sachverhalte selbst mit, deshalb möge man mir die eine oder andere Wissenslücke oder Fehlinformation verzeihen. Also, dass war so: Ich habe hier einen ziemlich netten U.S.-Amerikaner kennengelernt. An besagtem Tag verließ ich gerade unbedarft die "Mensa", als besagten U.S.-Amerikaner antraf, wie er sich gerade mit jemandem unterhielt. Ich gesellte mich hinzu und wurde mit den Worten empfangen "Hey, wir planen gerade, dass wir eine Sitzung des Counsils (des hiesigen Senats des LSE) stürmen wollen, bis du dabei?" Ich, vollkommen überrumpelt und die Idee aus dubiosen Gründen gar nicht mal unattraktiv findend, sagte so etwas wie "Ähhh, naja, warum nicht?" Und war schon involviert. Wir haben uns dann später mit c.a. 25 Leuten getroffen und haben den Counsil gestürmt. Der Grund war übrigens ungefähr folgender: Vor einiger Zeit haben einige britische Professoren dafür gestimmt, einen Boykott gegen isrealische Universitäten und Akademiker zu verhängen, falls diese sich nicht von der Politik ihrer Regierung gegenüber Palestina distanzieren. Naja, ich finds jetzt, nachdem ich darüber nachgedacht habe (was ich an dem Tag nicht habe), insgesamt ziemlich blöd, aber der Grund war wohl: Wenn Israel nicht die Rechte der Palästinenser anerkennt, dann erkennen wir auch nicht Israels Rechte an. Naja, man wird sich denken können, wo meine Bedenken liegen. Erstmal ist es wohl blöd, gegenüber Akademiker einen Boykott zu verhängen, die nicht verantwortlich für die Politik ihrer Regierung sind und man sollte außerdem akademische Freiheit, die man ja wertschätzt, nicht dadurch einschränken, dass man Leute mit einem Boykott bestraft, die eine bestimmte Meinung vertreten. Außerdem ist es als Maßnahme zur Befreiung Palästinas wohl nur bedingt geeignet. Naja, der Grund für die Stürmung war eigentlich ein ziemlich simpler: Die LSE hat sich damals zu dem Sachverhalt negativ geäußert, hat aber keine Stellung mit Bezug auf die Rechte der Palästinenser genommen (und jetzt wo ich darüber nachdenke ich DAS eigentlich ein guter Grund auf die Barikaden zu gehen), d.h. sie haben gesagt: Boykott der Rechte von Israel: "Buhhh" und sich gleichzeitig nicht zur Beschneidung der Rechte der Palästinenser geäußert. Einige Studenten (z.B. Palästinenser) fanden das wohl irgendwie nicht so nett und haben eine Petition verfasst, die dem Abhilfe schaffen sollte und wollten mit die Petition den Director treffen, der sich jedoch jeglichem Treffen auf zweimaliges anfragen verweigerte. Der Sturm auf den Counsil sollte dafür sorgen, dass der Director einem Treffen öffentlich und in Anwesenheit der (studentischen) Presse zustimmt. Naja und in diesem Kontext ist auch das Foto entstanden, was hauptsächlich dadurch zustande kam, dass ich direkt hinter dem Director stand. Soviel dazu.... Für Verständnisfragen und Aufklärungsbitten, bitte immer gern an mich wenden. ICh bin mir darüber im klaren, dass das ganze vielleicht nicht so klar ist, wie ich es gerne hätte.

Am letzten Wochenende war ich dann mit Lena im Natural History Museum. Wir haben zwar nur eine kleinen Teil gesehen (um genau zu sein, nur die Ausstellung mit den Dinosauriern ;-)), aber ich muss sagen, dass mir das ganze sehr gefallen hat. Das Natural History Museum (jedenfalls der Teil in dem wir waren), ist in einem großartigen viktiorianischen Gebäude und man möchte am liebsten ein viktorianischer Gelehrter sein, der mit Büchern unter dem Arm durch diese Hallen eilt, um seinen Forschungen nachzugehen. Da bekommt man gleich wieder schöne Ideen für Rollenspielcharaktere... Die Ausstellung mit den Dinosauriern war sehr informativ aufgemacht und ich habe mir fest vorgenommen, mir die anderen Austellungen auch noch anzusehen. Die Erklärungen sind sehr evolutionstheoretisch angehaucht und es wird versucht Parallelen herzustellen, zwischen der Art und Weise, wie Tiere sich später entwickelt haben (Herdenverhalten, verschiedene Arten von Raubtieren, wie z.B. Rudelraubtiere und Einzelgänger) und der Art und Weise, wie sich die Dinosaurier entwickelt haben mochten. So bekommt man eine gewisse Vorstellung davon, wie die Welt wohl ausgesehen haben mochte und für Leute, die in Evolutionstheorie interessiert sind, ist es interessant zu sehen, wie sich bestimmte Merkmale immer und immer wieder als Lösung für bestimmte Probleme herauskristallisieren. Man bekommt direkt Lust Paläontologie zu studieren und im Sand nach Dinosaurierknochen zu graben. Spannend! Ich kann jedem nur empfehlen, sich das Museum anzusehen, wenn er in London ist.

Gestern hatte ich dann mein erstes großes "Society"-Event: Ich bin am Anfang des Semesters mehreren Societys, dass ist sowas wie Studentengruppen, aber mit einer ziemlichen Bandbreite an Interessen (es gibt die Lager&Ale Society, die Salsa-Society, die Military-Society, um nur einige zu nennen...) beigetreten. Eine davon ist die Gruppe "People & Planet", die sich für ein riesiges Spektrum an moralischen Sachverhalten einsetzen, wie z.B. soziale Gerechtigkeit, Umweltethik und Menschenrechte. Das Spektrum ist vielleicht ein bißchen zu breit (vor allem wenn man bedenkt, dass es für jeden dieser Bereiche bereits eine besonders spezialisierte Gruppe gibt, wie z.B. Amnesty für Menschenrechte oder Greenpeace für Umweltethik...), aber ich habe mir trotzdem vorgenommen, mich in der Gruppe zu engagieren. Gestern war dann auf dem LSE-Campus im Rahmen der "Rage against Racism Week" der sogenannte "International Food Fare", bei welchem alle möglichen "National Societies" (also Studentengruppen, die eine bestimmte Nationalität vertreten) Speisen und Gerichte (weiß nicht wo der Unterschied liegt, aber egal) angeboten haben. ICh war dort mit der P&P-Gruppe am start mit selbstgebackenen Süßigkeiten vollständig aus Fairtrade-Produkten bestehend. War lustig, hat mich aber nicht so sehr vom Hocker gehauen. Vielleicht bin ich einfach nicht so der Typ für soziales Engagement...

Dananch (ab 20 Uhr), gab es jedoch ein wirkliches Highlight für mich: Die Philosophy Society hatte eingeladen zu einem Treffen mit einem kurzen Vortrag, bei dem mein derzeitiger Lieblingsprofessor am LSE Luc Bovens (erwähnte ich schon, dass er sagte, als ich ihm gegenüber erwähnte, dass ich in Bielefeld studiert habe: "Ja, Bielefeld ist wohl die beste Universität für analytische Philosophie in Deutschland" - was übrigens eine deutsche PHD-Studentin in Cambridge ebenfalls meinte) einen Vortrag über Metaethik gehalten hat. Naja, der Vortrag war relativ einführend und ehrlich gesagt, hätte ich etwas ähnliches wohl auch aus dem Stehgreif dozieren können (Alexander Millers Buch sei dank ;-)), aber es hat Spaß gemacht, erstens zu sehen, wie viel man dann doch weiß, zweitens den ganzen Kram zu hören und drittens danach eine Diskussion über diese Fragen zu führen. Es waren erstaunlich viele Leute Relativisten dort (wo doch ein schlauer Mann mal sagte, dass niemand nach einem Philosophiestudium mehr Relativist sei), aber sie waren auch alle relativ jung und unwissend ;-). Schön fand ich auch Lucs Abschlussstatement, in welchem er begründete, weshalb er keine Metaethik mehr machte: "Wisst ihr, man findet das halt eine Weile interessant, aber dann stellt man fest, in was man sich alles reinfuchsen müsste um da mitzuhalten und dann macht man halt etwas anderes. Um sich in diese Debatte wirklich reinzuhängen, muss man - denke ich - schon ein richtiger eingefleischter Metaphyiker sein." Großartig :-).

So, dass wäre es erstmal. Ich hoffe, es sind noch ein paar Leute da draußen, die regelmäßig einschalten, weil sich sonst mein schlechtes Gewissen, dass ich nicht regelmäßíg poste gar nicht lohnen würde :-). Tschüß und bis zum nächsten mal, euer...............BEEP

Dienstag, 6. November 2007

Comments...


Ich habe festgestellt, dass man bislang Mitglied bei Blogspot sein musste, um auf meiner Seite Comments abzulassen. Das war sicherlich der Grund, weshalb niemand jemals irgendetwas kommentiert hat... Anyway, ich habe diese Einstellung jetzt geaendert, so dass jeder, der lustig ist, mein Geschreibsel kommentieren kann. Kommentare die mir nicht gefallen werden einfach geloescht ;-). Fuer alle, die sich wundern, was das obige Foto zu bedeuten hat und warum ich heute auf der Titelseite der Studentenzeitung des LSE bin, merke ich nur an: Immer schoen den Blog weiterverfolgen. Das Foto ist zwar von letzter Woche, aber ich habe es noch nicht auf die Reihe gekriegt, etwas ueber das entsprechende Geschehnis zu schreiben.... Der lustige weisshaarige Herr direkt vor mir ist uebrigens der Director des LSE...
Stay Tuned!


Montag, 5. November 2007

Kurzes

Ich treffe hier übrigens relativ viele Leute, die sehr überrascht, bis zu entsetzt sind, wenn sie erfahren, dass ich Vegetarier bin. Und das als Deutscher... Huch. Ebenso überrascht sind die Leute, wenn man wenig bis kein Bier trinkt, weil die Deutschen ja bereits zum Frühstück das eine oder andere Weißbier kippen. Und ich hab hier doch tatsächlich Leute getroffen, die an einer Universität studieren und daran zweifeln, dass es globale Erwärmung gibt!

Sonderbar, Sonderbar.

Cambridge

Heute war ich in....Cambridge. Ich war in Cambridge, ich war in Cambridge.

Tja, was soll ich sagen. Vor einiger Zeit hat die Philosophie in Cambridge Studierende aus ganz Englisch die bald potentielle PhD Kandidaten sind zu sich eingeladen und ich habe diese Einladung angenommen. Heute bin ich dann so gegen 10 Uhr mit Martin, einem Kanadier, der mit mir zusammen an der LSE Philosophie studiert, in Richtung Cambridge aufgebrochen - habe nebenbei 3 Vorlesungen geschwänzt, aber das macht nicht soviel, weil die Scripts immer im Internet stehen und in den Vorlesungen meistens nicht mehr gesagt wird, als in den Scripts... Nach ungefähr einer 1 Stündigen Zugfahrt, erreichten wir dann das kleine Provinznest und musste erst einmal heraus finden, wie man überhaupt zur Fakultät kommt. Haben wir aber blendend gemeistert.
Die Fakultät für Philosophie in Cambridge ist in einem "neumodischen" 60er Jahre Bau, der auf Stelzen gestellt ist, d.h. es gibt quasi kein Erdgeschoss. Direkt daneben ist ein riesiges Glaskuppelgebäude, welches die Fakultät für Recht darstellt. Naja, was man da in der Umgebung sieht, ist nicht so ganz das Cambridge wie man es sich vorstellt (ich Schlaukopf habe zwar meinen Fotoappart mitgenommen, aber vergessen die Batterie aufzufüllen, weshalb ich keine Fotos von Cambridge machen konnte :-(). Naja, wir sind dann so gegen 13 Uhr reingegangen (vorher haben wir noch einen Kaffee in einem netten kleinen Cafe getrunken) und wurden dort von einer Horde PhD Studenten, die quasi die Fakultät vertreten haben in Empfang genommen. Lustig ist, dass dort ganz schön viele Studenten über Metaethik promovieren... Ich habe glaub ich noch nie soviele Leute auf einem haufen gesehen, die sich dafür interessieren (außer in Bielefeld natürlich), wie dort. Was vielleicht aber auch daran liegt, dass Simon Blackburn dort residiert, den ich übrigens persönlich getroffen habe!!! Ich hab Simon Blackburn getroffen, ich hab Simon Blackburn getroffen... Naja, dann hat man sich halt so ein bißchen unterhalten und sich Schnittchen einverleibt, bis es zu einem Vortrag von Prof. Blackburn ging, welcher die Studenten über die Feinheiten einer Anmeldung zu einem PhD Studium und über das Studium selber, über Finanzierung, etc. aufgeklärt hat. Dananch gab es dann noch eine Tour durch die verschiedensten der schönsten Colleges die man in Cambridge finden kann (Trinity, St. Johns...), auf welcher ich übrigens das Zimmer gesehen habe, in welchem früher Wittgenstein gelebt hat!!!
Ich muss sagen, dass mir Cambridge wirklich sehr gut gefallen hat. Die Stadt ist klein, aber ansprechend. Die Häuser sind alle sehr schön und ich könnte mich sicherlich stundenlang an den Colleges ergötzen. Die Fakultät für Philosophie ist natürlich erstklassig, aber das hätte man in Cambridge wohl nicht anders erwartet. Ich würde wirklich gern dort promovieren, aber mir fehlt wirklich die Zeit, alle tollen Dinge bis zur Deadline fertigzukriegen, welche am 30. November ist (man muss schließlich beeindruckende References, gute und lange Essays in Englisch, etc. einreichen und sich auf gleich für den ganzen Finanzierungskram bewerben...). Naja, vielleicht pausiere ich einfach ein Jahr und gehe dann nach Cambridge... Mal sehen.