Montag, 1. Oktober 2007

Welcome to London

So, nachdem in den letzten Tagen nicht wirklich Zeit gefunden habe, um im Blog etwas zu Posten, nutze ich nun die ruhige Minute zwischen meinem Aufenthalt im LSE (wo ich eigentlich nichts getan habe, ausser meinen Computeraccount zu aktivieren, so dass ich jetzt mit Stolz behaupten kann, dass ich - in diesem Moment - in der Bibliothek des LSE sitze und diesen Eintrag verfasse) und meiner Reise zur deutschen Botschaft, wo ich mich endlich anmelden will. Leider konnte ich noch nicht wirklich viele Dinge an der Universitaet tun. Eigentlich wollte ich heute ein Bankkonto eroeffnen (es gibt dafuer extra eine Abteilung von NatWest in der Uni - das muss ein Bombengeschaeft fuer diese Bank sein), aber leider waren alle Plaetze dafuer ausgebucht...bis Mittwoch. hab mir noch mal mein Department angesehen, konnte aber leider nicht in den MSc Common Room, weil die entsprechende Tuer abgeschlossen war. Lustig war dann folgender Dialog, den ich im Department Office hatte (natuerlich in englischer Sprache):
Ich: Also, ich studiere einen MSc Philosophy of Social Sciences, interessiere mich aber sowohl fuer den Kurs "Philosophy, Morality and Politics", als auch fuer den Kurs "Philosophy of Public Policy". Ich kann allerdings von meinem MSc her nur einen der beiden Kurse machen. Koennte ich mich vielleicht fuer den einen einschreiben und den anderen einfach so machen?
Sie: Sie meinen als ZUSAETZLICHE Arbeit zu ihren anderen Kursen (geschockter Blick).
Ich: aehhhhh, genau das.
Sie: .... Natuerlich koennen sie das machen, wenn sie sich zusaetzliche Arbeit aufhalsen wollen. (Sieht mich an, als wenn ich total durchgedreht waere.)

Ok, dieser Dialog hat mich ein wenig ins Zweifel gebracht, ob es schlau ist, 6 Kurse statt der vorgesehenen 4 zu machen. Obwohl ich es eigentlich aus meinem bisherigen Studium nicht verwunderlich und abstruss finde, mehr Kurse zu machen, als die Studienordnung vorsieht (ich glaub im BA hab ich 4 oder 5 Scheine mehr gemacht, als ich eigentlich gemusst haette), ist es vielleicht schlau, zumindest einen Kurs rauszuschmeissen...

Nun, was ist sonst so los bei mir? London stellt sich immer mehr als eine wirklich tolle Stadt heraus, auch wenn sie mir jetzt - wo quasi alle Verbindungen persoenlicher Anwesenheit aus meinem Leben in Bielefeld abgebrochen sind - wirklich sehr gross und sehr wild vorkommt. Im Grunde meines Wesens bin ich halt noch nicht ueber meinen Kleinstadtbewohnerkern hinausgewachsen. Aber das wird sich sicherlich aendern. London ist eine beeindruckende Metropole, voller Dinge die man erleben und entdecken kann. Die Bewohner sind so freundlich, dass man eigentlich bei jeder Busfahrt, bei der man sich in irgendeiner Weise als Tourist UND als unwissend bezueglich der Bushaltestelle an der man gerade ist zu erkennen gibt, sich sofort jemand bereit erklaert, einem zu sagen, was Sache ist. Zu den Bussen muss man sagen, dass die hier anscheinend zumindest im Stadtzentrum das Hauptverkehrsmittel sind, da sie wirklich ueberall hin fahren und auch ziemlich oft fahren (manchmal kommen drei Busse hintereinander). Allerdings gibt es in den Bussen meistens keine Fahrplaene, so dass man nie wirklich ermitteln kann, wie viele Bushaltestellen man noch fahren muss, wobei erschwerend hinzu kommt, dass die Busfahrplaene an den Haltestellen meistens unvollstaendig sind. So kommt es dann, dass ich persoenlich einfach in irgendeinen Bus einsteige, bis irgendwo fahre, dann in den naechsten Bus einsteige, wieder bis irgendwo fahre, bis ich irgendwohin komme, wo mir die Umgebung vage bekannt vorkommt und dann von da aus meinen Weg zu Fuss weiter bestreite. Zum Glueck habe ich ein relativ gutes Gedaechtnis fuer Oertlichkeiten, so dass ich vonm mir behaupten kann, dass ich mich bereits relativ gut in einigen Teilen Londons auskenne. Nur auf dem Weg von meinem Wohnheim zum LSE verlaufe ich mich regelmaessig (ich bin schon zweimal an der Bibliothek vom King's College rausgekommen, die etwas zu weit westlich liegt, aber wirklich ein sehr sehr schoenes Gebaeude ist), aber diesen Missstand werde ich gleich aufheben, indem ich mir eine Londonkarte zulege (schliesslich muss ich auch irgendwie die deutsche Botschaft finden...).

Zur Stadt selbst koennte man sagen, dass sie ungefaehr so wie Berlin ist (auch wenn der Vergleich beiden Staedten natuerlich unrecht tut), nur dass London Berlin auf Speed ist. Die Stadt ist total lebendig und man hat das Gefuehl, an jeder Ecke geht irgendwas. Es gibt 1000 Theater, in denen 1000 Musicals und Theaterstuecke aufgefuehrt werden, ueberall gibt es Pubs und lauter hippe Imbissstuben ala Starbucks Coffee. Die Menschen hier sind hip und haeufig sylomaessig gekleidet, wobei Style hier jeodch nicht Bielefeld-Tussi-Prollo-Style bedeutet, sondern immer ein bisschen betont individuell gestylt ist. Das hat natuerlich zur Folge, dass man sich am liebsten auch total Hip und Individuell kleiden moechte, aber mit Hinblick auf meinen gebeutelten Geldbeutel werde ich das wohl unterlassen...

Nun, dass Socializing laeuft anders, als ich es gedacht hatte. Ich stelle fest, dass mein eigenes Englisch sich verbessert, aber ich habe desto trotz noch etwas Skrupel Leute einfach anzulabern. Hinzu kommt, dass ich nicht so ganz einschatzen kann, wie die Leute so zu mir stehen (also ob sie gern mehr socializen moechten oder am liebsten gleich weiter fliehen), was natuerlich auch noch bei interessanten Leuten am staerksten hervortritt. Naja, ich werde mir auf jeden Fall weiter Muehe geben und mich nicht verunsichern lassen. Die Einfuehrungsveranstaltungen fangen fuer mich alle erst ab morgen an und meine "fellow graduate students" werde ich wohl erst am Donnerstag kennenlernen. Ich meiner Hall scheinen leider nur Ungraduates zu leben, aber was solls, vielleicht geht das ja Hand in Hand mit dem Leben in einer Hall.

Ich glaub an dieser Stelle mach ich mal Schluss und belege den Computer nicht laenger mit privaten Aktivitaeten :-). Statt dessen werde ich jetzt mal einen Abstecher in die philosophische Abteilung der Bibliothek machen und mich dann in Richtung Botschaft begeben. Bis zum naechsten mal an dieser Stelle.

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