Sonntag, 20. Januar 2008

Die Wochenschau

Die letzte Woche war mehr oder weniger erlebnislos, wenn man das so sagen kann. Unterrichtsmäßig hatte ich eine ziemlich schlechte Vorlesung zu J.S. Mill mit einem dazugehörigen schlechten Seminat zu eben demselben Philosophen. Die Dozentin, welche für beides verantwortlich war (die in ihrem ersten und vermutlich letzten Jahr am LSE doziert), ist einfach nicht besonders präzise und hat m.E. auch nicht erzählt, worum es eigentlich genau geht. Dazu kann ich nur sagen, dass ich in meinem Leben schon bessere Vorlesungen zum Utilitarismus gehört habe (danke Marco!)... Wir wurden weder darüber aufgeklärt, was der Unterschied zwischne Regel- und Handlungsutilitarismus ist, noch was der Unterschied zwischen Hedonistischem und Präferenzutilitarismus ist. Zum Glück weiß ich dass alles schon, so würden mir jetzt ein paar schöne Informationen fehlen. Ich hoffe, dass die Dozentin besser über Rawls Bescheid weiß und mir noch was beibringen kann. Wir bekommen sie nämlich in den Wochen 9 und 10 wieder und zwar mit eben dem Thema Rawls...
Meinen Mittwoch habe ich hauptsächlich damit verbracht einen Essay über Handlungen zu Papier zu bringen, wobei ich jetzt bei folgendem schönen Ergebnis stecken geblieben bin: Wenn Handlungen Ereignisse sind, dann kann es entweder sein, dass es ein Ereignis gab, welches Luke's Zerstörung des Todesstern ist und vor der Zerstörung des Todessterns stattgefunden hat oder es kann sein, dass es ein Ereignis hab, welches Luke's Handlung der Zerstörung des Todesstern ist und welches stattgefunden hat, obwohl Luke schon tot war (in einer möglichen Welt, in welcher Luke stirbt nachdem er die Torpedos abgeschossen hat...). Naja, ich hoffe dass ich noch einen feinen Abschluss hinkriege zu diesem Dilemma...
Mein Donnerstag ist immer vollgestopft mit Seminaren, wobei jetzt noch der großartige Abschluss des Donnerstags hinzukommt, ein sogenanntes "Research"-Seminar, welches in diesem Term daraus besteht, dass jede Person einmal vorstellt, was sie so in ihrer Dissertation vorhat, und was ihr Hauptargument sein soll, etc. Ich freue mich schon sehr darauf [Ironie], weil ich mich schon total darauf vorbereitet fühle [noch mehr Ironie]... Ehrlich gesagt habe ich noch keinen Schimmer über irgendwelche Argumente die in der Arbeit vorkommen sollen... Naja, anyway an diesem Donnerstag hat ein junger Italiener seine Idee vorgestellt, wie man irgendwie mit Hilfe von Neurowissenschaft Ethik zu einer Wissenschaft machen kann, aber irgendwie wars nicht überzeugend. Der Punkt war wohl ungefähr der folgende: Wenn wir rausfinden, wie unsere Gehirne bezüglich moralischer Urteile verdrahtet sind, dann können wir unsere moralischen Prinzipien an diese Verdrahtungen anpassen. Mir war nicht ganz klar, wie seine Argumentation dem naturalistischen Fehlschluss (für die, die ihn nicht kennen: Man kann ein "Sollen" nicht aus einem "Ist" herleiten) oder Moores Open Question Argument entkommen kann. Selbst wenn er sowas sagt wie "Naja es gibt halt keine moralischen Fakten, aber wenn wir erstmal rausfinden, was in unseren Gehirnen abgeht, dann haben wir guten Grund unsere Prinzipien nach diesen Ergebnissen auszurichten" seh ich nicht warum wir tatsächlich guten Grund haben. Mir scheint, dass die meisten unserer komplexeren moralischen Begrifflichkeiten wie z.B. "Recht" eher kulturell bedingt sind, als fest in unser Gehrin verkabelt zu sein. Es gibt da auch noch Fälle, wie z.B. dass man wenn man einen fremden an der Straße verbluten sieht ihm eher hilft, als den Kinder in Afrika mit denen man nicht verbunden ist, weil unser Gehirn sich so entwickelt hat, dass man Leuten die einem "Nahe" sind eher hilft, als Leuten die "weiter weg" sind. Mir scheint aber letztere Forderungen sollte auf jedenfall in unserem moralischen Katalog drin sein, auch wenn sie nicht ursprünglich in unserem Gehirn verankert ist. Das Problem des SEminars selber war außerdem, dass das Konzept darin besteht, dass man versucht vorzutragen, aber jederzeit mit Fragen traktiert werden kann, wovon die Leute auch reichlich Gebrauch gemacht haben und den armen Jungen mit Fragen bombardiert haben. Die meisten von diesen Fragen haben dann auch nicht besonders viel Sinn gemacht. Alles in allem eine eher entnervende Erfahrung.
Freitag habe ich dann zunächst den ganzen Tag Kant's Grundlegung zur Metaphysik der Sitten auf Englisch (!) in mich hineinzuprügeln, was auch gut geklappt hat. Den alten Kant verstehe ich inzwischen schon richtig gut und auf Englisch geht es noch mal leichter. Auch wenn mir einige der Sachen die er so geschrieben hat nicht mehr ganz so sinnig vorkommen, sind doch viele tolle Ideen und Ansätze darin zu finden. ICh freue mich schon darauf, einen Essay über ihn zu schreiben. Der Abend stand dann ganz im Zeichen einer "Party", welche zusammen mit ein paar Leuten meiner Hall of Residence organisiert wurde. Das Konzept bestand im Grunde darin, dass jeder Alkohol aus seinem Heimatland mitbringt und dann alle zusammen einen netten Abend haben. Hat auch geklappt soweit ich das sagen kann. Ich merke jetzt auch so langsam richtig, dass ich mich einlebe. Ich habe ein paar richtig nette Leute kennengelernt, vor allem unter meinen Mitstudenten im MAster. Und wenn man Leute hat, mit denen man nach dem Seminar quatschen kann oder zwischendurch mal nen Kaffee in der PAuse trinken kann, macht das studieren ja auch gleich noch mehr Spaß.
Am Wochenende bin ich dann nach Paris gefahren (die Hall of Residence hat einen Trip organisiert, und ich habe die Gelegenheit genutzt und mir das supergünstige Ticket unter den Nagel gerissen...), wo ich so ziemlich nichts gemacht habe, außer mich auszuruhen (und ein bißchen Sekundärliteratur zu Kant und seiner Idee, dass man nur wenn man aus Pflichtgefühl handelt wirklich moralischen Wert hat zu lesen).
Ich denke die Tage werde ich mal ausführlicher etwas zum Unterrichtssystem und dem Unterricht selbst schreiben.

Noch zwei Trivialitäten am Ende:


Erstens, wie man nebenbei sehen kann, wächst und gedeiht meine Pflanze (I am so excited!). Ich habe ihr den Namen "Quickbeam" gegeben. Naja, da das niemanden so wirklich interessiert, gibts erst wieder Fotos wenn sie voll total am blühen ist...



Zweitens habe ich mir endlich ein Poster angeschafft, welches jetzt meinen Raum schmückt. Weitere werden folgen und dann werde ich hier mal Fotos von meinem Zimmer posten (für die die es noch nicht im Studivz gecheckt haben...)

Bis dann, gehabt euch wohl... Ich muss jetzt schlafen.

2 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Das sieht ja richtig nach "MY HOME IS MY CASTLE", aus.

Seb hat gesagt…

"My Home is my chaos" trifft es wohl eher...