Montag, 26. November 2007

Ein Verbrechen namens "Essen"

Nachdem ich mich nun schon eine lange Weile nicht dazu geäußert habe, dachte ich mir, dass es an der Zeit wäre über eine der größten Seltsamheiten dieser Welt zu sprechen: englische Essgewohnheiten. Jedermann kennt sicherlich das englische Frühstück, dass aus Rührei, Schinken, Würtschen, weißen Bohnen, gekochten Tomaten und allerlei anderen Leckereien besteht. Naja, ab und an kann man dieses Zeug sicherlich mit Genuß essen, z.B. wenn es nicht die erste Mahlzeit ist, die man am Tag zu sich nimmt oder wenn man bereits so lange wach ist, dass man einen solchen Hunger hat, dass man alles in sich hineinschlingen würde. In meiner Hall bekommt man diesen Kram äh ich meine diese vorzügliche Speise jedoch jeden Tag serviert (und das um 8.00 (sic!) Uhr morgens, wo man gerade erst aus dem Bett gefallen ist) und erstaunlicherweise wird es auch bereitwillig von einigen Leuten konsumiert. Problem ist jedoch nicht das englische Frühstück selbst, sondern der Mangel an vernünftigen Ausweichmöglichkeiten. Derer gibt es genau zwei: Entweder man ist Cornflakes (oha, in drei verschiedenen Variationen: von ohne Zucker bis super schokoladig) oder etwas, dass sich als Müsli ausgibt ODER man isst Papptoast in der weißen oder braunen Varianten. Letzteres gibt es aber nur mit der Möglichkeit, sich etwas darauf zu schmieren, dass sich verzweifelt bemüht, wie echte Marmelade auszusehen, oder als Alternativen Nutella oder Honig. Käse und Wurst in den schönen Variationen die man aus anderen Ländern (ach, wie sehr vermisse ich den günstigen und wohlbestückten Käseschrank im Aldi...) kennt, sind hier gänzlich unbekannt. Das höchste der Gefühle ist ein Toast mit geschmolzenem Käse drauf, den ich aber zu normalen Frühstückszeiten nicht einmal ansehen mag. Ich begnüge mich daher jeden Tag mit Cornflakes (die simple Sorte) und zwei Äpfeln. Achja, es gibt auch noch die Möglichkeit sich eine bis zwei (aber nur, wenn man sonst nichts nimmt) Früchte auszuwählen, wobei die Wahl von Bananen (meistens nicht verfügbar), grünebn (ungeheuerlich sauer) und roten (annehmbar) Äpfeln, sowie Orangen (die nach nichts schmecken)...
Besser noch als das Frühstück ist das Abendessen (ähnliche Erlebnisse sind mir aber auch schon im "Garricks" untergekommen, der "Edelmensa" des LSE. Zum Glück gibt es noch den Brunch Bowl, wo man einigermaßen normal speisen kann und wo die Preise auch erträglich sind. Auch wenn sie verglichen mit kontinentaleuropäischen Preise natürlich ein Witz sind: Stellt euch vor, das Essen in der Mensa würde 4-5 € kosten...). Zum Glück gibt es immer eine vegetarische Auswahl, so dass ich bisher noch nicht dazu gezwungen war Fleisch zu essen, auch wenn man angesichts der vegetarischen Angebots manchmal am liebsten einfach eine Option mit Fleisch nehmen möchte. Die Betonung liegt jedoch bei "manchmal" da die vegetarische Option meistens sogar besser ist, als die nicht-vegetarischen Optionen. Das Essen (d.h. der Maindish) ist meistens seht fettig und ich hoffe, dass ich angesichts meiner mangelnden sportlichen Betätigung nicht zuviel zunehmen. Ich plane ja eigentlich schon seit Wochen regelmäßig joggen zu gehen, was mir bisher aber noch nicht so gut gelungen ist (entweder es ist zu kalt, oder zu dunkel oder ich habe eine andere Ausrede, warum ich gerade keine Lust habe...), aber bald geändert werden soll... Der Höhepunkt sind jedoch die Sidedishes: Als allererstes gibt es immer denselben Salat, mit immer derselben Soße. Dazu gibt es noch Suppe aus undefinierbaren Zutaten. Und das allerbeste sind dann die tatsächlichen Beilagen, weil sie fast nie zum Hauptgericht passen. Im Garricks hatte ich schon einen wunderbaren Drei-Käse-Nudelauflauf mit den Beilagen Pommes und Erbsen (die andere Möglichkeit wäre Rotkohl gewesen), in der Hall bekommt man meistens ein gekochtes Gemüse aus der folgenden Menge {Karotten, Brokkoli, Blumenkohl, Erbsen, Mais} und eine weitere Beilage aus der Menge {Kartoffeln, Pommes, Nudeln} serviert, wobei die Zusammenstellung zusammen mit dem Hauptgericht jedoch fast nie Sinn macht (jedenfalls für meinen Gaumen). So bekommt man dann Thailändische Nudelpfanne mit Kartoffeln und Brokkoli, Quiche mit Pommes und Karotten, oder Kartoffelgratin mit (!) Kartoffeln (!) und Erbsen und Mais. Wie ihr seht, habe ich kulinarisch viel Freude...
Wer sich fragt, warum ich das Zeug denn esse, wenn ich so darüber jammere: Das Essen ist in der Miete mit inbegriffen. Wenn ich jeden Tag in der mickrigen Küche auf meinem Flur für mich selbst kochen würde, würde ich sozusagen doppelt draufzahlen, weil ich das Essen in der Hall ja ohnehin bezahlen muss (egal ob ich es esse oder nicht)...

Keine Kommentare: