Mittwoch, 21. November 2007

Imperial

Am Sonntag war ich für zwei Stunden im Imperial War Museum. Das Museum stellt vor allem Kriegsgerät und ähnliche Dinge aus, die mit dem Krieg zu tun haben, so sind bereits in der Eingangshalle Panzer, Flugzeuge aus dem ersten und zweiten Weltkrieg und Kanonen ausgestellt. Am Sonntag habe ich mich nur mit dem ersten Untergeschoß beschäftigt, in welchem die Ausstellungen zum ersten und zweiten Weltkrieg, sowie die Kriege nach 1945 behandelt werden, wobei ich letztere jedoch aus Zeitgründen nicht mehr besichtigen konnte. Natürlich sind die Ausstellungen hauptsächlich aus britischer Perspektive gestaltet, d.h. britische Soldaten, die britische Zivilbevölkerung und Schauplätze von Schlachten an denen britische Armeen beteiligt waren hatten selbstverständlich explanatorischen Vorgang, was aber in einem britischen Kriegsmuseum wohl nicht verwunderlich und wohl kaum verdammungswürdig ist. Die Ausstellungen zum ersten und zweiten Weltkrieg sind des weiteren erstaunlich neutral gehalten (es wurde sogar darauf hingewiesen, dass die überzogenen Reparationszahlungen und Auflagen der Allierten gegenüber den Deutschen zum Teil dafür verantwortlich, waren, dass Deutschland in den Faschismus geschliddert ist) auch wenn mir z.B. nicht gefallen hat, dass der Ausstellungsausschnitt "Die Zeit zwischen den Weltkriegen" nur den Aufstieg des Faschismus in Deutschland und Italien behandelt hat. Interessant war (was ich vorher noch nicht so bewusst zur Kenntnis genommen hatte), dass die Engländer ihre eigene kleine Faschistische Partei hatten, die jedoch nicht besonders erfolgreich gewesen ist. Und natürlich wurde nicht besonders deutlich darauf verwiesen, welche Verheerenden Folgen die Bombardierungen der Allierten während des Weltkriegs auf die Zivilbevölkerung in Deutschland hatte und das dritte was ich etwas einseitig fand, war, dass gesagt wurde, dass die Briten und Franzosen nach dem Überfall Deutschlands auf Polen "nicht dazu in der Lage waren den Angriff auf Deutschland zu verhindern", was sich so anhört, als hätte man sich die größte Mühe gegeben, wäre aber gescheitert. Nach meinen Informationen haben England und Frankreich aber gar nicht einmal versucht, Polen gegen den Angriff von Deutschland zur Seite zu stehen. Ansonsten (und meine Beschwerden hörten sich jetzt vielleicht stärker an, als ich wirklich zu beanstanden gehabt hätte), war der Besuch wirklich sehr informativ und - wie gesagt - die Ausstellungen kamen mir wirklich sehr neutral vor. Aufgrund meiner - durch ein ominöses Spiel gewonnenen - Affinität für die Türkei und die Konflike im Nahen Osten habe ich mich auch über die Rolle der Türkei im ersten Weltkrieg informiert und fand es wirklich sehr interessant. Insgesamt hat das Museum sehr gut die Zusammenhänge erklärt und es gab immerwieder Videos, die über die verschiedenen Ereignisse berichteten, bzw. die Zusammenhänge und Ereignisse erklärten, so dass jeder, der aus dem Museum herausgeht zumindest ein bißchen besser informiert ist über die Geschehnisse im ersten und zweiten Weltkrieg. Auch "lebensweltliche" Umstände des Krieges wurden versucht dem Publikum nahezubringen, z.B. der Umstand, dass die Briten im Krieg gegen die Türkei zunächst die meisten Truppen aufgrund von Krankheiten und Hitze verloren haben oder der Umstand, dass die Truppen in den Schützengräben SChilder aufgestellt haben, auf denen z.B. die Namen ihrer Heimatorte geschrieben waren oder Hinweise wie "Suicide Valley" die darauf hinwiesen, dass die entsprechende Region, naja eben gefährlich ist. Ich kann jedem nur empfehlen, sich das Museum zu Gemüte zu führen, wenn er mal in London ist. Leider habe ich mir die "Trench" und "Blitz"- Experience entgehen lassen, das sind Ausstellungsteile, in denen man hautnah fühlen kann, wie es sich angefühlt hat, in einem Schützengraben, bzw. in einem englischen Bunker während des zweiten Weltkriegs zu sein. Naja, vielleicht mache ich das, wenn ich das nächstemal hingehe. Wenn man so durch dieses Museum stapft bekommt man auf jedenfall so richtig Lust, sich wieder intesiver mit Geschichte zu beschäftigen (Ereignisgeschichte selbstverständlich, nicht dieses theoretisch verpestete, andere Zeug). Auch wenn man sich als Deutscher schon ein bißchen schlecht fühlt, wenn man so durch die Hallen des ersten und zweiten Weltkriegs spaziert (zum Glück wird das nach 1945 anders...) und man seine Identität als deutscher Staatsbürger am liebsten gar nicht preisgeben will (das ist irgendwie etwas anderes, wenn man so eine Ausstellung im Ausland besucht, als wenn man es im Inland tut). Die Deutschen waren wirklich die "Bad Guys" des anfänglichen 20. Jahrhunderts, da gibt es überhaupt gar nichts anderes zu zu sagen... Aber vielleicht macht das auch nur die Darstellung des Imperials, ich weiß es nicht.

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